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Sicherheitsgipfel : Internet-Chefs wollen Obama nicht sehen

Im Januar sprach Barack Obama in der Geheimdienst-Stadt Arlington über Internet-Sicherheit. Bild: dpa

Amerikas Präsident Barack Obama besucht das Silicon Valley. Er will mit den Chefs der großen Internetkonzerne über Cyber-Sicherheit sprechen. Doch die sind sauer.

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          Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Hacker drängt die amerikanische Regierung Internet-Unternehmen zu mehr Datenaustausch. Präsident Barack Obama unterzeichnete am Freitag zum Thema Cyber-Sicherheit einen Erlass, der einen besseren Informationsaustausch von Firmen untereinander sowie mit der Regierung ermöglichen soll. Unternehmen sollen ihr Wissen über digitale Attacken und andere Bedrohungen bündeln und weiterreichen. Außerdem sollen „Organisationen zur Analyse und Weitergabe von Informationen“ (ISAO) geschaffen werden.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Doch Obamas Versuch, die wichtigsten Silicon-Valley-Unternehmen für eine gemeinsame Strategie gegen Hackerangriffe zu gewinnen, steht unter einem schlechten Stern. Die Vorstandsvorsitzenden von Google, Yahoo, Microsoft und Facebook bleiben nach Agenturberichten dem Gipfel für Cybersicherheit fern, der am Freitag in der kalifornischen Universität Stanford begonnen hat. Der prominenteste Teilnehmer aus der Unternehmenswelt ist der Apple-Vorstandschef Tim Cook.

          Die Abwesenheit wichtiger Unternehmensvertreter wie Larry Page (Google), Mark Zuckerberg (Facebook) oder Marissa Mayer (Yahoo) wird jedoch als Ausdruck eines wachsenden Dissenses zwischen Washington und den Internetunternehmen gewertet über die Art und Weise, die Sicherheit im Internet zu erhöhen. Für Unmut sorgen offenbar zunehmende Forderungen der amerikanischen Sicherheitsbehörden, die mehr Zugriff auf die Daten haben möchten.

          Facebook, Google und Yahoo sind immer noch aufgebracht über das Ausmaß der Ausspähung durch amerikanische Sicherheitsbehörden, welches der ehemalige Mitarbeiter Edward Snowden enthüllt hatte. Sie versuchen seitdem, ihrer Kundschaft zu versichern, dass sie den staatlichen Ermittlern freiwillig keine Daten überlassen werden.

          Technologiekonzerne könnten Strafverfolgung behindern

          Konfliktstoff zwischen Staat und Wirtschaft steckt auch in neuen Angeboten aus dem Silicon Valley: Apple und Google bieten seit kurzem Smartphones mit eigener Verschlüsselungstechnik an, die nicht nur für Hacker, sondern auch für Strafverfolger schwer zu knacken ist. Die Sicherheitsbehörden halten diese Entwicklung für gefährlich und wollen die Konzerne davon abhalten.

          Die unterschiedlichen Philosophien, die Internetkonzerne und die Behörden in Bezug auf Cybersecurity haben, drückt sich auch in dem noch jungen Projekt Zero aus: Dessen Start hatte Google Mitte vergangenen Jahres verkündet. Ziel des Projekts: „Jeder sollte das Internet benutzen können; ohne Angst, dass Kriminelle oder staatliche Ermittler Sicherheitslücken in der Software nutzen, um Computer zu infizieren, Geheimnisse zu stehlen oder die Kommunikation nachzuvollziehen“, verkündete Google zur Ankündigung des Projekts.

          Der Internetkonzern erforscht die Sicherheitslücken, macht sie auch auf einer öffentlichen Datenbank publik, nachdem das für die Softwarelücke zuständige Unternehmen eingeweiht wurde. 148 solcher Lücken in Programmen von Apple, Microsoft, Adobe und anderen hat Google bereits bis heute öffentlich gemacht.

          Wirtschaft leidet unter Hackerattacken

          Damit schwingt sich Google selbst zu einer Art Sicherheitswächter des Internets auf, der das Netz und deren Nutzer vor Hackern und Geheimdiensten schützt. Präsident Barack Obama, der sich vor allem in seinen Wahlkämpfen auf die Tech-Gemeinschaft und deren finanzielle Unterstützung verlassen konnte, will die Unternehmer wieder zurückgewinnen. Er will sie nicht zur Kooperation mit der Regierung zwingen, sondern stattdessen einen Austausch institutionalisieren: Die Konzerne sollen freiwillig über Hackerangriffe und Sicherheitslücken berichten.

          Aktuelle Brisanz gewinnt der Gipfel durch die Hacker-Angriffe auf die Sony-Filmsparte, die das Ziel hatten, die Veröffentlichung eines Spielfilms zu verhindern. Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC unter knapp 10.000 IT-Verantwortlichen im Frühjahr 2014 förderte zutage, dass täglich 117.000 Hackerangriffe unternommen werden. Jüngst fand die Buntstifte-Firma Crayola nicht jugendfreies Material auf ihrem Facebook-Profil.

          In den verschiedenen Diskussionsveranstaltungen des Stanford-Gipfels diskutieren die Teilnehmer, wie Unternehmen und Behörden besser zusammenarbeiten könnten, um auf Hackerangriffe zu reagieren. Ein wichtiges Thema sind Zahlungssysteme: Gewöhnliche Kreditkarten gelten als unsicher. Einzelhändler wollen daher Karten mit Pin-Codes etablieren, mit denen man an den Kassen zahlen kann.

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