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Zensur und Hackerangriffe : Google erwägt Rückzug aus China

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Keine Lust mehr auf Zensur: Google erwägt den Rückzug vom chinesischen Markt Bild: REUTERS

Google droht mit seinem Rückzug aus China. Der Internetkonzern will sich nicht länger der chinesischen Zensur beugen und nimmt dafür einen Abzug aus dem am schnellsten wachsenden Internetmarkt der Welt in Kauf. Außenministerin Clinton fordert eine Erklärung der Chinesen.

          Google droht mit seinem Rückzug aus China. Der Internetkonzern will sich nicht länger der chinesischen Zensur beugen und nimmt dafür sogar einen Abzug aus dem größten und am schnellsten wachsenden Internetmarkt der Welt in Kauf. Auslöser der Kehrtwende sind nach Angaben von Google massive Hacker-Angriffe aus China, der Diebstahl von Programminformationen sowie die zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit im chinesischen Internet.

          Google ist seit 2006 mit der Seite Google.cn in China vertreten. China hat mit 340 Millionen Nutzern die größte Internetgemeinde und den am schnellsten wachsenden Online-Markt der Welt. Populäre Seiten wie Facebook, Twitter, Youtube oder kritische Nachrichtenportale wie die Deutsche Welle oder der chinesische Dienst der britischen Rundfunkgesellschaft BBC sind gesperrt. Suchmaschinen müssen dort ihre Suchergebnisse selbst filtern. Heikle Themen sind Tibet, der Dalai Lama, Taiwan, die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 oder das Schicksal von chinesischen Dissidenten. Häufig scheitert aber schon die Suche, indem die Verbindung unterbrochen wird. Die „Große Firewall“ sperrt so auch Seiten von Menschenrechtsgruppe wie Amnesty International oder des amerikanischen Senders Radio Free Asia (RFA), der sich für Freiheit und Demokratie einsetzt.

          Internationale Bürgerrechtsgruppen begrüßten die Entscheidung von Google am Mittwoch als einen mutigen Schritt zum Schutz der Internetfreiheit und der Menschenrechte.

          Vor Googles Büro in Peking: Eine Frau (r.) behauptet, sie wolle der Firma mit Blumen danken, Sicherheitspersonal setzt sich mit den Fotografen auseinander

          Mit Phishing-Attacken Zugangsdaten von E-Mail-Konten ausspioniert

          „Wir haben entschieden, dass wir nicht länger bereit sind, unsere Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren“, schrieb . Bei Google sei versucht worden, den E-Mail-Dienst Gmail zu knacken und an die E-Mail-Konten chinesischer Menschenrechtler zu gelangen. Ausgangspunkt der Attacke seien Computer in China gewesen. Bei zwei E-Mails hätten die Angreifer das Absendedatum und die Betreffzeile sehen können, nicht aber den Inhalt, erklärte das Unternehmen. Erfolgreicher seien Phishing-Attacken mit dem Ziel gewesen, die Zugangsdaten von E-Mail-Konten chinesischer Regimekritiker in Amerika, Europa und China zu erhalten. Dafür seien höchstwahrscheinlich Passwörter ausgespäht oder bösartige Programme benutzt worden

          Google will in Gesprächen mit den Behörden nun klären, ob die lokale Suchmaschine ohne Zensur betrieben werden kann. „Wir sind uns bewusst, dass dies bedeuten kann, dass wir die Website Google.cn und möglicherweise auch unsere Büros in China schließen müssen.“ Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton sagte, die von Google geäußerten Vorwürfe seien schwerwiegend und zögen viele Fragen nach sich. Die amerikanische Regierung bemühe sich in Peking um Aufklärung.

          Die wichtigste Suchmaschine in China ist Baidu

          Vor vier Jahren hatte Google beim Start seiner chinesischen Suchmaschine massive Kritik einstecken müssen, weil es sich - wie andere Internet-Unternehmen - bereiterklärt hatte, seine Ergebnisse selbst zu filtern.

          China gilt mit seiner rapide wachsenden Wirtschaft als wichtiger Zukunftsmarkt, auch im Kerngeschäft von Google, der Internet-Werbung. Google betreibt die weltweit meistbenutzte Suchmaschine, konnte sich aber in China nicht gegen die länger etablierte chinesische Suchmaschine Baidu (www.baidu.com) durchsetzen können, deren Marktanteil nach eigenen Angaben im dritten Quartal 2009 auf 77 Prozent gestiegen ist. Der Betrieb von Baidu war am Dienstag ebenfalls durch einen Hacker-Angriff beeinträchtigt worden.

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