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Glasfaser-Netze : Internet-Fernsehen kontra Fernsehkabel

Bild: F.A.Z.

Schnellere Netze, günstigere Preise: Auf dem Breitbandmarkt haben die Kabelgesellschaften die Nase vorn. Aber die Telekombranche gibt ihr Terrain nicht verloren: Sie kämpfen um Stammkunden.

          Der Gegenangriff der Telekom-Branche auf das Fernsehkabel nimmt allmählich Fahrt auf. Lange hat es gedauert, aber jetzt ist auch Vodafone mit einem eigenen Angebot für das Internet-Fernsehen (IPTV) am Markt. „Das muss richtig groß werden“, fordert Deutschlandchef Fritz Joussen. Mehrere Hunderttausend Kunden peilt er in der ersten Phase an, um rasch zur Deutschen Telekom aufzuschließen. Die hat inzwischen rund 1,2 Millionen Abonnenten für „Entertain“ gewonnen; bis Ende 2012 sollen es drei Millionen werden. Der Dritte im Bunde ist Telefónica mit Alice TV und zuletzt etwa 70.000 Kunden, die das Bündelprodukt aus Internetzugang, Telefon und Fernsehen gebucht haben. Ihre Zahl soll sich noch in diesem Jahr möglichst verdoppeln.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Telekom-Unternehmen wollen nicht mehr tatenlos zuschauen, wie die Kabelbetreiber in ihrem Revier wildern. Etwa jeder zweite Deutsche, der im vorigen Jahr einen Breitbandanschluss bestellt hat, ist zu einem Kabelanbieter gegangen. Insgesamt laufen nach Schätzungen von Dialog Consult und des Branchenverbandes VATM mittlerweile 3,6 Millionen Internetanschlüsse, von denen drei Millionen auch zum Telefonieren genutzt würden, über das Kabel. Umgekehrt werden bisher nur etwa 1,3 Millionen Fernseher über DSL-Leitungen gefüttert. Das wäre noch zu verkraften. Schlimmer ist aus Sicht der Telekom-Unternehmen, dass die Konkurrenz das gesamte Preisniveau mächtig nach unten und die Leistungserwartungen mit immer höheren Übertragungsgeschwindigkeiten nach oben gezogen hat. Nicht unbedingt billiger, aber zum gleichen Preis mehr Bandbreite, heißt die Devise der Kabelanbieter.

          Gesamtmarkt für Festnetzanschlüsse schrumpft

          Die drei großen deutschen Kabelunternehmen Kabel Deutschland (KDG), Unity Media und Kabel BW scheinen mit dem Preiskrieg glänzend zurechtzukommen. Von operativen Margen wie KDG (45 Prozent) oder gar Kabel BW (56 Prozent) können die Telekom-Anbieter im Festnetz nicht einmal träumen. Zumal das Wachstum auf dem Breitbandmarkt seinen Höhepunkt überschritten hat. Die Zahl der DSL-Neukunden ist seit 2009 rückläufig, und der Gesamtmarkt für Festnetzanschlüsse schrumpft sogar. Betrug der Umsatz auf dem Höhepunkt 2005 noch 38,5 Milliarden Euro, waren es im vorigen Jahr nach vorläufigen Zahlen nur 33 Milliarden Euro. Davon dürften noch rund 18,1 Milliarden auf die Deutsche Telekom entfallen, ein Minus von 1,7 Milliarden Euro. Ihre direkten Konkurrenten haben zwar zulegen können. Das ändert aber nichts daran, dass niedrige Renditen den Konsolidierungsdruck aufrechterhalten.

          Die Kabelbetreiber haben sich die Republik schön säuberlich aufgeteilt und machen sich untereinander so gut wie keine Konkurrenz. Für sichere Einnahmen aus dem Fernsehgeschäft sorgen die Verträge mit der Wohnungswirtschaft: Wo Fernsehkabel in den Häusern liegt, haben die Mieter vielfach keine Wahl. Satellitenfernsehen ist dann meistens nicht erlaubt und Internet-Fernsehen uninteressant, weil die Mietnebenkosten bereits die Kabelgebühr enthalten.

          An dieser Stelle versucht die Deutsche Telekom eine neue Front zu eröffnen: Künftig will sie sich bei den Wohnungsgesellschaften auf auslaufende Verträge bewerben, um eine TV-Grundversorgung und das Programm des Bezahlsenders Sky in die Haus-Kabelnetze einzuspeisen. Dabei wird das TV-Signal per Satellit an die Telekom-Infrastruktur übergeben und über deren Leitungen bis zu den Übergabepunkten an den Hausnetzen transportiert.

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