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Programmierfehler : Geschichte von Firmenlöschung war wohl ein Scherz

  • Aktualisiert am

Die Geschichte eines Programmierfehlers könnte sich als Scherz herausstellen. Bild: dpa

Am Freitag machte die Geschichte von einem Mann die Runde, der wegen eines Programmierfehlers seine Firma gelöscht haben soll. Möglicherweise war das jedoch nur der Versuch, Aufmerksamkeit zu generieren.

          Die Geschichte, dass ein Mann mit einem einzigen falschen Computerbefehl seine komplette Webhosting-Firma zerstört hat, erweist sich möglicherweise als Scherz. Auf der Website für Serverspezialisten „Serverfault“, auf der der Mann namens Marco Marsala sein vorgebliches Malheur geschildert und um Hilfe gebeten hatte, war am Freitagabend zu lesen, dass es sich bei der Geschichte nur um einen Scherz handele und die gesamte Diskussion wegen dieses „Missbrauchs“ der Seite gelöscht worden sei. Bei der gesamten Angelegenheit handele es demnach um einen Versuch, virales Marketing zu betreiben. In der italienischen Zeitung „La Repubblica“ soll Marsala selbst zugegeben haben, dass er die Angelegenheit erfunden hat.

          Die britische Zeitung „Independent“ hatte berichtet, dass ein Mann seine komplette Webhosting-Firma zerstört habe – indem er versehentlich alle Daten seines Computers, sowie sämtliche Internetseiten seiner Kunden löschte.

          Demnach habe der Kleinunternehmer Marco Marsala eine Firma betrieben, die Server und Internetverbindungen verwaltet, auf denen die Daten zum Betrieb der Webseiten seiner Kunden gespeichert sein sollten. Marsala will ein Kommando namens „rm -rf“: einen unter Experten bekannten Computerbefehl, der dazu da ist, Inhalte vom Computer zu löschen benutzt haben. Allerdings wird das normalerweise auf Teile des Computers beschränkt. Wegen eines Fehlers soll der Code in Marsalas Fall aber keine Einschränkung (“rm -rf /“) enthalten und  sämtliche Daten – inklusive aller Backups, wie der Mann zu Protokoll gab – gelöscht haben.

          Der „rm -rf“ Befehl ist dem Bericht des „Independent“ zufolge unter Kennern regelrecht berühmt-berüchtigt für seine zerstörerische Kraft. Entsprechend desillusionierend lasen sich die Kommentare unter Marsalas Post. „Falls Sie wirklich keinerlei Backups haben, tut es mir Leid Ihnen sagen zu müssen, dass Sie gerade Ihre gesamte Firma vernichtet haben“, schrieb ein Nutzer namens André Borie in dem Forum.

          „Sie sind gerade dabei, pleitezugehen“

          Andere Posts waren ebenfalls nicht gerade ermutigend: „Es tut mir Leid, Ihnen sagen zu müssen, dass Ihre Firma nun im Grunde genommen tot ist“, schrieb ein Kommentator, der sich „Sven“ nannte. „Sie könnten eine extrem kleine Chance haben, die Daten wiederherzustellen, wenn Sie jetzt alles abschalten und Ihre Festplatten einer renommierten Datenwiederherstellungsfirma übergeben. Das wird aber extrem teuer und dennoch bleibt es extrem unwahrscheinlich, dass es Sie wirklich rettet und es wird eine Menge Zeit in Anspruch nehmen.“

          Noch einen Schritt weiter ging ein anderer Schreiber in dem Forum: „Sie sind gerade dabei, pleitezugehen“, so formulierte es Michael Hampton. „Sie brauchen keine technische Hilfe, Sie müssen Ihren Anwalt anrufen.“

          Viele Nutzer der Plattform waren sich darin einig, dass die Tatsache, dass Marsala offenbar über keine externen Backups seiner Daten verfügte, ein Zeichen großer Nachlässigkeit sei. Denn dass Fehler passieren können und auch schon passiert sind, zeigt ein zwei Jahre alter Eintrag in dasselbe Server-Forum. Unter dem Titel „Monday morning mistake“ - „Fehler am Montagmorgen“ berichtet ein Nutzer davon, wie der „rm -rf“-Code Inhalte seines Computers vernichtete, weil er im Zusammenhang mit dem Befehl ein überschüssiges Leerzeichen verwendet hatte.

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