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Games Convention : „Microsoft hat es vermasselt“

  • -Aktualisiert am

Die Tage von Lara Croft sind noch nicht gezählt - aber die Hersteller haben nun anderes im Blick Bild: dpa

Vor einem Jahr ließ Microsoft noch aus allen Rohren schießen. Dabei steckte die Videospielbranche schon zu diesem Zeitpunkt in der Stagnation. Seit Dr. Kawashimas Gehirnjogging hat sich die Welt der Videospiele gewandelt. Ein Rundgang über die Leipziger Spielemesse Games Convention.

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          Das Desaster konnte man schon 2005 erahnen. Microsoft hatte zur Vorstellung seiner neuen Hightech-Spielekonsole Xbox 360 nach Amsterdam geladen. Schon in der kurzen Präsentation reihte sich Ballerspiel an Ballerspiel, stieg die Zahl der Toten von Minute zu Minute an. Das europäische Publikum rieb sich verwundert die Augen - bedeutete mehr Prozessorleistung nur mehr Tote und mehr Blutvergießen? „Microsoft hat es vermasselt“, sagte ein hochrangiger Spielemanager damals. Von den erhofften neuen Spielkonzepten oder neuen Zielgruppen keine Spur.

          Selbst ein Jahr später, beim gleichen Ereignis in Barcelona, ließ Microsoft noch aus allen Rohren schießen. Dabei steckte die Videospielbranche schon zu diesem Zeitpunkt in der Stagnation, weil die traditionelle Zielgruppe - jung, männlich, technikbegeistert - weitgehend erschlossen war. Microsoft setzte mit seiner eilends entwickelten zweiten Konsolengeneration auf den Verdrängungswettbewerb gegen den japanischen Konkurrenten Sony, der damals mit seiner Playstation 2 das Maß aller Dinge war.

          Kleine, bunte Hündchen

          Microsoft allein den Schwarzen Peter zuzuschieben wäre allerdings falsch. Mit Ausnahme des japanischen Herstellers Nintendo ist die ganze Branche diesen Kurs gefahren und muss nun schleunigst umdenken. „Wir langweilen die Leute zu Tode. Seit zehn Jahren produziert die Branche immer wieder die gleichen Spiele. 80, 90 Prozent der Ressourcen, die wir und unsere Konkurrenten einsetzen, werden in die Fortsetzung von Spielen gesteckt, die Teenager-Jungen mit schnellem Daumen überversorgen. Die ganze Industrie ist an einem gefährlichen Wendepunkt angekommen“, sagte John Riccitiello, der neue Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Spieleherstellers Electronic Arts, selbstkritisch.

          Bild: F.A.Z.

          Wie die Branche aus ihrer selbstverschuldeten Stagnation herauskommt, zeigte Nintendo schon 2005 - auch wenn die Japaner in der ganzen Industrie dafür belächelt wurden. Während auf der damaligen Games Convention überall die Fetzen flogen, präsentierte Top-Model Eva Padberg die „Nintendogs“: kleine, bunte Hündchen, die vorwiegend Mädchen begeisterten. Diese schrieben daraufhin die zum Spielen notwendige mobile Spielekonsole Nintendo DS ganz oben auf ihren Wunschzettel für Weihnachten. Eine halbe Million DS gingen schon 2005 über deutsche Ladentische. Die DS („Double Screen“) überzeugt weniger mit toller Technik als vielmehr mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm und Spracherkennung.

          „Unser Geschäft läuft wie geschmiert“

          Die eigentliche Zeitenwende für die Branche kam jedoch ein Jahr später: Nintendos „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“, eine Spielesammlung für das Gehirntraining, ist seit einem Jahr das meistverkaufte Konsolenspiel in Deutschland, begeistert Rechtsanwälte genauso wie Rentner, erwachsene Männer ebenso wie Frauen. Landauf, landab ermitteln die Menschen ihr biologisches Alter und freuen sich, wenn sie im Kopf jünger sind als im Personalausweis.

          Mit ihnen freut sich Bernd Fakesch, Deutschland-Chef von Nintendo. Das Programm hat die heißersehnten neuen Zielgruppen erschlossen. „Unser Geschäft läuft wie geschmiert. In diesem Jahr werden wir zwei Millionen Nintendo DS in Deutschland verkaufen“, erwartet Fakesch. Mehr als 90 Prozent aller verkauften mobilen Konsolen stammen zurzeit von Nintendo; nur ein kleiner Rest bleibt für Sonys Konsole PSP. Schnell hat Nintendo nachgelegt: Die Trainingsspiele für Sprachen oder künftig für die Augen können den Vorteil nutzen, dass schon etwa drei Millionen Nintendo-DS-Konsolen in deutschen Haushalten vorhanden sind.

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