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Frequenz-Auktion der Bundesnetzagentur : Milliardenpoker in der Kaserne

„Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus” Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth Bild: REUTERS

Bei der Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen gelten strenge Regeln. Ein Computer, ein Fax und ein Telefon sind den Vertretern von Telekom, Vodafone, O2 und E-Plus erlaubt, selbst der Gang zur Toilette steht unter Beobachtung. Die Auktion kann noch Wochen dauern.

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          Es geht hier um sehr viel Geld. Auch wenn es in Mainz-Gonsenheim nicht so aussieht. Auf dem Weg zur Versteigerung, die dem deutschen Staat vermutlich mehrere Milliarden Euro einbringen wird, hält den Auktionsbesucher allein das Schild „Bundesnetzagentur“ auf dem richtigen Weg. Dem Navigationsgerät traut man nicht, weil dieser Stadtteil fast nur Wohnblocks enthält. Wo soll das aufregende Ereignis sein?

          Doch hier in der Canisiusstraße entscheiden die vier Mobilfunkbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 über die Zukunft des Mobilfunks: in einer alten Kaserne mit auffällig blauen Fenstern. Die Demonstranten vom BUND, die sich vor dem Gebäude versammelt haben, möchten am liebsten, dass der Staat gar keine Frequenzen verkauft. Ein Dutzend besorgte Menschen behaupten mit ihrem Transparent, dass da drinnen von der Bundesnetzagentur gesundheitsgefährende Mobilfunkstrahlung angeboten wird.

          Noch bevor Matthias Kurth die Auktion startet, ist die Truppe schon wieder verschwunden. Vermutlich vom Regen vertrieben. Die beiden Polizisten, die am Eingang stehen, haben jedenfalls nichts getan, sagen sie. „Die Demonstranten sind einfach mit dem Auto davon gefahren.“ Im Gebäude ist alles streng geregelt. Ohne Polizei, nur mit Angestellten der Bundesnetzagentur. Es gibt einen Eingang und zwei Räume für die Presse. Im Raum 1083 nebenan kommen dann alle zusammen: Mitarbeiter des Hauses, Journalisten, Angestellte der Mobilfunkunternehmen und die Auktionsbeteiligten selbst.

          Die Uhr läuft - und die Auktion kann Wochen dauern

          Die erste Runde dauert 24 Minuten

          Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, ist Auktionator. Seine These während der Eröffungsrede, dass „große Ereignisse ihre Schatten vorauswerfen“ würden, klingt hier in Gonsenheim irgendwie komisch. Daher ist es gut, dass Kurth und Kollegen in den letzten Monaten viel Informationspolitik betrieben haben. Der Zuhörer versteht Eröffungssätze besser: „Deutschland hat eine einmalige Chance, bei der Entwicklung des mobilen Internets die Nase vorne zu haben.“

          Kurth eröffnet die Auktion symbolisch mit dem Start einer Stoppuhr, wie man sie vom Schach kennt. Es ist zwanzig nach eins, Kurth hat zwanzig Minuten Verspätung. Die Bieter sind am Zug. Mindestens zwei Vertreter jedes Unternehmens sitzen abgeschottet in einem Zimmer. Erlaubt sind: Ein Telefon mit einer fest vorgegebenen Nummer, ein Fax und ein speziell eingerichteter Computer für das Bieten. Sonst nichts. Auch der Gang zur Toilette steht unter Beobachtung. Die erste Runde ist nach 24 Minuten beendet. Neunzig Minuten hätten die Beteiligten Zeit gehabt. Auf drei Leinwänden wird das Zwischenergebnis projiziert. Man liest viel Telekom, aber das hat nichts zu sagen. Auch Matthias Kurt gibt keine Tipps: „Die Interpretation ist jedem selbst überlassen.“

          Keine Frist wie bei Ebay

          Also warten auf Ende der Runde zwei. Die ersten Journalisten werden nicht nur unruhig, sondern auch hungrig. „Gibt's hier irgendetwas zu essen?“ fragt ein Journalist. Nein, er wird sich mit Mineralwasser und Kaffee ernähren müssen. Während der zweiten Runde verbreitet sich Halbzeitstimmung wie beim Public Viewing. Einige gehen raus und rauchen, andere suchen die Toilette. Der Raum für die Öffentlichkeit leert sich allmählich, die Stoppuhr dreht läuft. Die Runde zwei endet nach etwas über einer halben Stunde wieder relativ schnell.

          Als Auktionator Matthias Kurth die Zwischenergebnisse präsentiert, geht ein leichtes Raunen durch den Saal. Die ersten Witze unter den Vertretern der Mobilfunkunternehmen werden gemacht: „Gute Arbeit!“. Interpretationen kommen auf. In einem wichtigen Frequenzblock hat E-Plus Konkurrent O2 überholt. Bei Ebay wäre man jetzt auf der Zielgeraden, ein paar Stunden vor Auktionsschluss. Der Preis für die Frequenzblöcke zieht langsam an. In der dritten Runde, die über volle neunzig Minuten ging, stieg die Angebotssumme auf 116,8 Millionen Euro. Die nächste Runde wird erst am Dienstag stattfinden. Eine Frist wie bei Ebay gibt es nicht, es gelten andere Regeln als bei Versteigerungen im Internet. Die Auktion ist erst beendet, wenn keiner mehr bietet. Das kann mehrere Tage, vielleicht sogar mehrere Wochen dauern.

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