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Foto-App : So funktioniert Snapchat

Die Apps verschiedener sozialer Netzwerke auf einem Smartphone Bild: Finger, Stefan

Der Gründer der Smartphone-App Snapchat hat ein Übernahmeangebot von Facebook abgelehnt. Snapchat ist der Hit unter Amerikas Teenagern und ein Kontrastprogramm zu Facebook.

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          Bei immer mehr Nutzern verstärkt Facebooks Datenhunger das Gefühl, dass alles, was preisgegeben wird, einen später einmal einholen könnte. Genau auf diese offene Flanke zielt das Unternehmen Snapchat aus Los Angeles ab, das ein Übernahmeangebot von Facebook abgelehnt hat. Drei Milliarden Dollar soll Mark Zuckerberg dem Vernehmen nach angeboten haben.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Mit seiner Smartphone-App sorgt Snapchat für Furore, denn die Plattform hat einen eingebauten Selbstzerstörungsmechanismus: Die hier ausgetauschten Fotos und Videos sind für den Empfänger nur bis zu zehn Sekunden lang sichtbar, dann verschwinden sie wie von Geisterhand und können nicht gespeichert werden (entsprechend ist auf dem Logo ein Gespenst zu sehen). „Vergänglichkeit hat einen Nutzen,“ heißt es im Blog des Unternehmens.

          60 Millionen Fotos pro Tag

          Die Idee hat in Amerika eingeschlagen, vor allem bei Teenagern. Seit Monaten ist Snapchat hier unter den zwanzig am meisten heruntergeladenen Gratisapplikationen für das iPhone und liegt sogar vor dem populären Fotodienst Instagram, der seit 2012 zu Facebook gehört. Über Snapchat werden mittlerweile 60 Millionen Fotos am Tag verschickt, 20 Millionen mehr als auf Instagram (Facebook selbst lag zuletzt bei 350 Millionen Fotos am Tag). Der Erfolg von Snapchat hat Facebook offenbar alarmiert. Vor ein paar Monaten brachte das Unternehmen eine Konkurrenz-Applikation mit dem Namen „Poke“ heraus, die ebenfalls eine Selbstzerstörungsfunktion hat, bisher aber nicht annähernd so populär ist. Daneben sind andere Unternehmen wie zum Beispiel Wickr entstanden, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen.

          Das Prinzip der Kurzlebigkeit animiert die Nutzer, offenherziger Inhalte auszutauschen. Es scheint gefahrloser als bei Facebook, auch unschmeichelhafte oder anzügliche Fotos zu verschicken. Nicht umsonst eilt Snapchat in Amerika der Ruf einer „Sexting“-Applikation voraus, die sich vor allem um Schlüpfrigkeiten dreht. Das wollen die beiden Gründer Evan Spiegel und Bobby Murphy freilich nicht gelten lassen. Für sie ist Snapchat ein Instrument für eine authentischere Kommunikation jenseits des weichgezeichneten Bildes, das Facebook-Nutzer oft von sich vermitteln. Spiegel schrieb in dem Unternehmensblog, Snapchat sei eben nicht für den „traditionellen Kodak-Moment“ gedacht, und es gehe nicht nur darum, „hübsch oder perfekt“ zu wirken. Dagegen seien auf Snapchat lustige Bilder gut aufgehoben, auf denen man vielleicht nicht im besten Licht erscheint, etwa weil man eine Grimasse schneidet. Inspiration für Snapchat seien Geschichten von Facebook-Nutzern gewesen, die vor Bewerbungsgesprächen in Notaktionen hastig namentliche Markierungen („Tags“) von Fotos entfernt hätten.

          Über Umwegen doch behalten

          Der Selbstzerstörungsmechanismus ist freilich nicht ganz wasserdicht. So kann der Empfänger ein Snapchat-Foto vom Bildschirm seines Smartphones mit einem „Screenshot“ festhalten, bevor es verschwindet. In dem Fall wird der Versender allerdings benachrichtigt, was als Abschreckungsmechanismus wirken könnte. Es gab allerdings Berichte, wonach eine solche Screenshot-Benachrichtigung mit ein paar Kniffen umgangen werden kann. Gänzlich machtlos ist Snapchat zudem, wenn ein empfangenes Bild mit einem zweiten Gerät abfotografiert wird. Auf diese Gefahr weist das Unternehmen auch in seinen offiziellen Privatsphärerichtlinien hin. Dort heißt es auch, dass Snapchat die versendeten Bilder und Videos nur vorübergehend auf seinen eigenen Rechnern speichere. Das Unternehmen versuche, die Daten „so bald wie möglich“ zu löschen, könne aber nicht garantieren, dass dies auch in jedem Fall geschehe. „Deshalb sendet der Nutzer Nachrichten auf eigenes Risiko.“

          Der Verzicht auf das Datensammeln schränkt die Optionen von Snapchat bei der Kommerzialisierung des Dienstes ein. Bislang erzielt das 2011 gegründete Unternehmen keine Umsätze.Doch die Aussichten sind gut: Nach einem Bericht der „New York Times“ hat Snapchat kürzlich in einer von der Wagniskapitalgesellschaft Benchmark Capital angeführten Finanzierungsrunde 13,5 Millionen Dollar eingesammelt und wurde dabei mit bis zu 70 Millionen Dollar bewertet. Benchmark-Partner Mitch Lasky sagte: „Wir glauben, dass Snapchat eines der wichtigsten Unternehmen für mobile Dienste in der Welt werden kann.“

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