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Fluggastrechte : Wenn der Flieger ausfällt, kann das Internet helfen

Vielleicht gibt es Geld zurück Bild: Röth, Frank

Nicht immer ist es für Reisende einfach, bei Verspätungen oder Flugausfällen ihre Ansprüche gegenüber Fluggesellschaften durchzusetzen. Mehrere Anbieter haben sich darauf per Website oder App spezialisiert.

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          Der Jurist war empört. Eigentlich wollte er an einem späten Freitagabend von Berlin über Istanbul nach Südafrika fliegen. Am Schalter angekommen, stellte sich heraus, dass der Flug überbucht war. Weil an diesem Herbstabend kein anderer Flieger mehr Richtung Türkei aufbrach, mutete die Fluggesellschaft dem erzürnten Fluggast eine Verspätung von mehr als zwölf Stunden zu. Doch der promovierte Rechtswissenschaftler kannte seine Rechte und forderte wegen Nichtbeförderung laut der Verordnung 261/2004 der Europäischen Union noch direkt am Schalter seinen Anspruch auf Entschädigungsleistung ein: 600 Euro und zwei Taxigutscheine, um für die Nacht zur eigenen Wohnung zurückzukehren.

          Nicht immer ist es für Fluggäste so einfach, gegenüber Fluggesellschaften ihre Ansprüche durchzusetzen, wenn sich Flüge verspäten, ganz ausfallen oder wenn die Reisenden nicht befördert werden. Sofern keine außergewöhnlichen Umstände - wie ein heftiger Wintereinbruch oder eine Vulkanaschewolke - vorliegen, sieht die Verordnung je nach Entfernung und Verspätung Ausgleichszahlungen zwischen 250 und 600 Euro vor.

          Im Internet haben sich inzwischen mehrere Forderungsmanagement-Anbieter darauf spezialisiert, die Rechte von Fluggästen durchzusetzen. Sie alle wollen von den Ausgleichszahlungen profitieren. Auf Internetseiten können Fluggäste erst einmal kostenfrei prüfen lassen, ob ihr verspäteter Flug tatsächlich unter die Fluggastrechteverordnung fällt oder nicht. Wenn der Fluggast sie dann beauftragt, übernehmen die Unternehmen die Verhandlungen mit den Fluggesellschaften. Im Falle eines erfolgreichen Ausgleichs erhalten diese Anbieter eine Provision. Die Internetseite Fairplane.de behält etwa 24,5 Prozent der Erstattung ein, dazu kommt die Mehrwertsteuer. Die Anbieter der Seite EUclaim.de kassieren 27 Prozent und eine Bearbeitungsgebühr von 25 Euro, dort ist die Mehrwertsteuer allerdings bereits enthalten.

          Die Potsdamer Internetunternehmerin Eve Büchner hat dieses Prinzip nun in eine App umgesetzt. Ihr Unternehmen Refund.me bietet Anwendungen für iPhones und Android-Smartphones, die zum Beispiel auf Wetterdaten zugreifen und auch versuchen, die in der Verordnung festgesetzten Regeln per Software auf die jeweiligen Fälle anzuwenden. Beispiel Verjährungsfrist: Sie ist in der Verordnung nicht für jedes EU-Land einheitlich geregelt. In Deutschland beträgt sie derzeit drei Jahre, in anderen EU-Mitgliedsstaten kann sie bis zu zehn Jahre dauern. Ihre Anwendung könne mit speziellen Algorithmen prüfen, ob ein Anspruch tatsächlich auch besteht, sagt Büchner. Derzeit erhält sie nach eigenen Angaben rund 300 Anfragen am Tag.

          Die beiden größten deutschen Fluggesellschaften haben sich nach Angaben ihrer Sprecher auf die neuen Forderungsabwickler eingestellt. „Generell nimmt Air Berlin jegliche Beschwerde sehr ernst und ist stets bemüht, eine für den Gast zufriedenstellende Lösung zu finden“, teilt eine Firmensprecherin mit. „Dabei ist es für uns unerheblich, ob sich der Fluggast auf direktem Weg oder über einen Anbieter einer App-Lösung an uns wendet.“ Und bei der Lufthansa heißt es: „Ob sich ein Kunde direkt über einen Anwalt oder einen anderen Auftragnehmer an uns wendet, hat für die individuelle Beurteilung des Sachverhalts keinen Einfluss.“

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