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Digitalkonferenz in Austin : Deutschland zeigt Flagge auf der SXSW

Auf der SXSW gibt’s viel zu sehen und zu fotografieren. Bild: Reuters

Auch die Flüchtlingskrise ist ein Thema auf der Digitalkonferenz in Austin. Das liegt nicht zuletzt an dem Projekt eines Hamburger Unternehmers. Auch andere deutsche Start-ups machen von sich reden.

          Auf der „South by Southwest“ wird in diesem Jahr viel über Politik gesprochen. Dafür sorgt vor allem der jüngste Regierungswechsel in den Vereinigten Staaten. Aber nicht alles dreht sich hier um Donald Trump. In Austin wird auch die Flüchtlingskrise thematisiert, und dabei hat ein Deutscher eine prominente Rolle gespielt. Auf einer Veranstaltung, die sich darum drehte, wie Technologie für gute Zwecke eingesetzt werden kann, stellte der Hamburger Harald Neidhardt ein Projekt vor, mit dem er Flüchtlingen helfen will.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zusammen mit Mirko Bass, der für den amerikanischen Netzwerkausrüster Cisco Systems arbeitet, hat er ein Konzept entwickelt, das die medizinische Versorgung von Flüchtlingen verbessern soll, indem es Sprachbarrieren eliminiert. Neidhardt hat dabei Schiffscontainer in mobile Ambulanzzentren verwandelt, die zum einen mit medizinischer Ausrüstung ausgestattet sind, zum anderen aber auch mit Internettechnologie, die sie mit einem Netzwerk von Dolmetschern verbindet.

          Diese Dolmetscher können dann die Kommunikation zwischen Flüchtlingen und Ärzten erleichtern. In Neidhardts Heimatstadt Hamburg stehen heute schon zehn dieser Container, daneben hat er schon jeweils eine solche vernetzte Medizinstation nach Griechenland und in den Libanon gebracht. Sein Ziel ist es, 100 solcher Container aufzustellen.

          Gut aufgestellt beim Start-up-Wettbewerb

          Neidhardt ist ein Serienunternehmer. Er führt die von ihm gegründete Hamburger Agentur MLove, die auf Medien und Veranstaltungen spezialisiert ist. Er hat auch einige Jahre in den Vereinigten Staaten verbracht und dort zum Beispiel das Unternehmen Smaato mitgegründet, eine Plattform für Werbung auf Smartphones. Smaato wurde erst im vergangenen Jahr an einen chinesischen Investor verkauft.

          Neben Neidhardts Initiative zeigt Deutschland in Austin auch noch anderweitig Flagge. Die Musikkneipe „Barracuda“ wurde für das Festival in das „German Haus“ verwandelt, wo Konzerte und Podiumsdiskussionen stattfinden. Deutschland war auch wieder beim Start-up-Wettbewerb „Accelerator“ vertreten, wo es in den vergangenen Jahren einige Erfolge gab.

          2016 hatte der Wettbewerb drei deutsche Teilnehmer, und einer davon, das auf eine Smartphone-Anwendung rund um „virtuelle Realität“ spezialisierte Berliner Unternehmen Splash, gewann in seiner Kategorie. Im Jahr zuvor war schon Sonormed aus Hamburg mit der Musiktherapie „Tinnitracks“ für Menschen mit Ohrensausen unter den Gewinnern.

          Hilfe für die amerikanischen Pfere

          Diesmal nahm das Unternehmen Horse Analytics aus Hannover teil, ein Anbieter von Fitnessmessgeräten und zugehörigen Dienstleistungen für Pferde. Es war der erste deutsche Vertreter in der Geschichte des Wettbewerbs, der von einer Frau gegründet wurde, der 26 Jahre alten Enri Strobel, die auch als Vorstandsvorsitzende fungiert.

          Strobel übernahm die Präsentation vor der Jury und erzählte zum Beispiel, dass sie selbst reitet, seit sie sieben Jahre alt ist. Sie habe Springreiten und Dressur betrieben und auch Polo gespielt. Sie spulte diverse Statistiken über den Markt ab, etwa, dass allein in Deutschland 1,2 Millionen Pferde gehalten und je Tier 550 Euro im Monat ausgegeben würden.

          In den Vereinigten Staaten seien es sogar 9,2 Millionen Pferde. Sie begann ihre Präsentation damit, wie viele Pferde jedes Jahr allein in Amerika an Koliken sterben. Ihr Gerät soll dabei helfen, Warnsignale für Krankheiten zu erkennen. Am Ende hat es für Horse Analytics nicht zum Sieg gereicht. Allerdings war allein die Teilnahme schon ein Erfolg, um die 50 Plätze in dem Wettbewerb hatten sich mehr als 500 Unternehmen beworben.

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