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Fernseher : Größere Wohnzimmer!

  • -Aktualisiert am

Nur bedingt wohnzimmertauglich - der Sharp Riesen-Bildschirm Bild: AP

Hauptsache groß und breit: Die Fernsehhersteller setzen auf immer riesigere Bildschirme. Die sind für den Hausgebrauch allerdings gänzlich ungeeignet.

          Riesig muss es sein. Diesen Eindruck vermittelten jedenfalls die Hersteller von Fernsehern auf der Consumer Electronic Show in Las Vegas. Dabei treibt der Wettlauf um die größte Bildschirmdiagonale inzwischen seltsame Blüten.

          Das derzeit größte in Serie hergestellte Gerät ist ein LCD-Fernseher von Sharp. Er stellt mit einer Bildschirmdiagonalen von 108 Zoll oder 261 Zentimetern jede Schrankwand locker in den Schatten und lässt die bisherigen Spitzenreiter um einige Zoll hinter sich.

          Bisher lagen auf der Computermesse Cebit 2006 gezeigte Plasmageräte von Panasonic (261 Zentimeter) und Samsung (259 Zentimeter) an der Spitze der Entwicklung. Eine solche Größe hat natürlich ihren Preis. Für all diese Geräte muss der Kunde fünfstellige Euro-Beträge auf den Tisch legen.

          Lust auf mehr

          Das Wettrennen um die Größe der Bildschirme hat einen Grund - auch wenn die Riesengeräte wohl nie in den Wohnzimmern der Verbraucher landen werden, die dafür viel zu klein sind. Sie machen aber generell Lust auf größere Formate auch in den eigenen vier Wänden. Damit versuchen die Hersteller Teile des Preisverfalls zu kompensieren, der diese Produktkategorie in der Unterhaltungselektronik prägt wie keine andere.

          Bis zu 30 Prozent fallen die Preise - jährlich. Die Abwehrstrategie der Hersteller geht offenbar auf. So haben die Anbieter zum Beispiel in Deutschland im Weihnachtsgeschäft tendenziell größere Geräte, zu einem etwa 20 Prozent höheren Durchschnittspreis und mit einer entsprechend wachsenden Marge verkauft. Auch auf den anderen internationalen Märkten tendieren die Käufer zu größeren Bildschirmdiagonalen und damit zu teureren Geräten.

          Der Kunde sollte dabei allerdings darauf achten, dass er die Dimension des Fernsehers der Größe seines Wohnzimmers anpasst. So hat der Abstand des Betrachters zum Bildschirm einen großen Einfluss auf die subjektive Wahrnehmung der Bildqualität. Eine grobe Faustformel lautet bisher, dass man mindestens die zweifache Bildschirmdiagonale als Entfernung zum Fernseher einhalten sollte.

          Wischeffekte

          Sonst kann es dazu kommen, dass man das Bild als grob empfindet und auch Wischeffekte bei schnelleren Bewegungen deutlicher wahrgenommen werden. Die größten Geräte sind daher wohl eher für Schlossbesitzer denn für die normale Mietwohnung geeignet. Dies aber soll sich jetzt ändern.

          Die Branche setzt ihre Hoffnungen auf das hochauflösende Fernsehen, bei dem die Bilder aus etwa fünf mal mehr Bildpunkten zusammengesetzt werden als bisher. Theoretisch spielt der Abstand zum Bildschirm dann kaum noch eine Rolle - auch wenn nachher am Bild wahrscheinlich bei den Riesenformaten etwas die Übersicht verlorengeht.

          Das hochauflösende - auch HDTV genannte - Signal ist in den Vereinigten Staaten schon sehr viel weiter verbreitet als in Europa. Auch deshalb setzen die Hersteller gerade dort auf die großen Bildschirmdiagonalen. Aber auch hierzulande sind die meisten flachen Fernseher schon für die Darstellung der HD-Signale vorbereitet.

          Scheiben-Streit

          Dies wird bis auf wenige Ausnahmen allerdings eher von den HD-fähigen Abspielgeräten geliefert, die seit rund einem halben Jahr auf dem Markt sind und die klassische DVD in wenigen Jahren ersetzen sollen. Da die DVD nicht über genug Speicherkapazität verfügt, sind diese neuen Speichermedien erforderlich.

          Hier aber tobt bisher noch ein Streit um die Formate der neuen Scheiben. Auf der einen Seite steht HD-DVD, favorisiert unter anderem von Intel, IBM oder Microsoft und Toshiba. Das zweite Lager setzt auf einen Blu-Ray genannten Standard und wird von Panasonic, Philips und auch Sony vorangetrieben. Bisher stehen sich die zwei Formate unversöhnlich gegenüber. Ein Umstand, der vielfach für den bisher eher schleppenden Absatz von Abspielgeräten und Filmen im hochauflösenden Format verantwortlich gemacht wird.

          Entsprechend wollen viele Anbieter von Inhalten diese Konfrontation nicht länger hinnehmen. So hat der Medienkonzern Time Warner während der CES angekündigt, seine Filme auf Scheiben mit dem Titel ,Total HD' auf den Markt zu bringen. Diese sollen dann von Abspielgeräten beider Formate gelesen werden können. Allerdings halbiert sich dadurch wahrscheinlich auch die Speicherkapazität auf den neuen Silberlingen, die normalerweise bis zu 50 Gigabyte betragen wird.

          Der koreanische Weg

          Einen anderen Weg geht hingegen der koreanische Konzern LG. Dieser stellte während der CES ein Abspielgerät vor, das beide Formate lesen kann. Dies ist nach Ansicht von Carl Gressum, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Ovum, ein guter Weg, der zu mehr Vertrauen der Verbraucher in die neue Technik führen kann. "Die Verbraucher wollen das Gerät auspacken, anschließen und Filme schauen", sagte Gressum. "Bei solchen Kombigeräten ist das möglich, da sich der Kunde nicht mehr mit technischen Details auseinandersetzen muss."

          Gressum weist aber auch darauf hin, dass diese Geräte zunächst tendenziell teurer sein werden als ihre Konkurrenten, die nur ein Format abspielen können. "Der Hersteller muss die Lizenzgebühr für zwei Formate zahlen. Das erhöht zumindest die Kosten für die Geräte."

          LG hat angekündigt, seinen Hybridspieler für 1199 Dollar auf den Markt zu bringen. Viel zu viel, wie Gressum findet. "Der Preispunkt, bei dem solche Player für den wirklichen Massenmarkt attraktiv werden liegt bei rund 200 Dollar."

          Davon sind die Hersteller der Abspieler selbst mit einem Format aber noch weit entfernt. Es kann aber damit gerechnet werden, dass der Preiskampf auch um diese Geräte keinen Bogen macht und die Preise in den kommenden Monaten deutlich sinken werden. Spätestens zum Weihnachtsgeschäft sollten sich die Kunden dann noch einmal mit dem Thema beschäftigen, wenn sie ihren HD-Fernseher wirklich ausreizen wollen. Egal in welcher Größe.

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