https://www.faz.net/-gqe-8k3zh

Facebook kupfert ab : Einfallslose Netzwerke

  • -Aktualisiert am

Für Jugendliche ist Instagram ein wichtiges Informationsmedium. Bild: dpa

Soziale Netzwerke klauen einander die besten Ideen, statt neues zu erfinden. Instagram und Snapchat sind nur das jüngste Beispiel.

          4 Min.

          Wenn die Großmutter sich mit Whatsapp anfreundet, um Nachrichten per Smartphone zu verschicken, müssen sich die Enkel allmählich etwas Neues überlegen. Im Zweifel wechseln sie zu Snapchat. Eine App, mit der man in der Urform Fotos verschicken konnte, die sich nach zehn Sekunden von selbst wieder löschten. Dieses Wissen nahm den überwiegend jungen Nutzern die Hemmungen. Sie snappten hin und her, was das Zeug hielt.

          28 Prozent der amerikanischen Jugendlichen geben laut Analysten der amerikanischen Investmentbank Jefferies bereits an, dass Snapchat ihr wichtigstes soziales Netzwerk sei. Mit 17 Prozent liegt Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt, in der Altersgruppe nur auf Platz vier – hinter Instagram und Twitter.

          Denn Snapchat lässt sich ähnlich wie Whatsapp auch als Messenger nutzen. Außer Fotos und Videos verschicken die Teenager damit Textnachrichten, die nach gewisser Zeit wieder verschwinden. Auch das neueste Update machte Snapchat massentauglicher. Nutzer können mittlerweile über die App telefonieren, einen Video-Chat starten und Audio-Nachrichten hinterlassen. Diese Funktionen gibt es auch bei Whatsapp. Weiteres Vorbild für Snapchat ist Instagram, ein anderer Bilderdienst. Beide, Whatsapp wie Instagram, gehören zu Facebook, der Mutter aller sozialen Netzwerke.

          2012 kaufte Facebook Instagram für eine Milliarde Dollar und Whatsapp zwei Jahre später für 20 Milliarden Dollar. Auch an Snapchat hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg Interesse. Drei Milliarden Dollar hat er dafür geboten, die Offerte lehnte Snapchat-Gründer Evan Spiegel ab. Zu Recht, mittlerweile wird sein Start-up mit 16 Milliarden Dollar bewertet.

          200 Millionen aktive Nutzer

          Dabei ist in absoluten Zahlen Snapchat immer noch weitaus kleiner als die anderen sozialen Netzwerke. Laut eigenen Angaben hat Snapchat 200 Millionen aktive Nutzer pro Monat, Instagram bringt es auf 500 Millionen und Twitter auf 332 Millionen.

          Facebook meldete zuletzt gar 1,71 Milliarden Nutzer und ist immer noch der Gigant unter den sozialen Netzwerken. Die Einnahmen des Konzerns stammen aus Werbeanzeigen, die auch auf Mobilgeräten gut funktionieren, sowie aus den Daten der Nutzer. An der Börse wird Facebook heute mit fast 370 Milliarden Dollar bewertet und ist damit Maßstab und Orientierungspunkt für Neuankömmlinge.

          Zunächst hatte sich Snapchat radikal von Instagram unterschieden. Auf Instagram posteten die Nutzer möglichst perfekt inszenierte Fotos, daraus entstand eine Bildergalerie für die Ewigkeit. Bei Snapchat dagegen geht es um spontane Momentaufnahmen. Die Fotos waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und wurden nur an einzelne Freunde verschickt, die sie kurz ansehen konnten. Deswegen war keine große Inszenierung der Schnappschüsse notwendig.

          Der nächste logische Schritt

          Während man auf Instagram gewisse Filter über die Fotos legen konnte, die einen in einem besseren Licht erscheinen ließen, durfte man sich auf Snapchat lustige Hasenohren oder Ähnliches verpassen.

          Weitere Themen

          Transportbranche warnt vor Lieferengpässen Video-Seite öffnen

          Fehlende Lkw-Fahrer : Transportbranche warnt vor Lieferengpässen

          Der allgemeine Fahrermangel wird durch eine zunehmende Zahl von Corona-Ausfällen verschärft. Ein Branchenverband fordert die Politik angesichts steigender Infektionszahlen dazu auf, schnell Vorkehrungen zu treffen: Wie wäre es zum Beispiel mit Impfangeboten auf Autobahnraststätten?

          Topmeldungen

          NATO-Kriegsschiffe fahren in Gefechtsformation im Rahmen der Militärübung „Sea Breeze 2021“

          Reaktion auf Russland : NATO verlegt mehr Militär nach Osteuropa

          Die Allianz schickt Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge an die Ostflanke. Amerikas Präsident erwägt, bis zu 50.000 Soldaten nach Europa zu verlegen, falls sich die Sicherheitslage weiter verschlechtert.
          Baerbock am Morgen in Brüssel

          Evakuierungspläne : Baerbock geht auf Distanz zu Washington

          Deutschland und andere EU-Staaten wollen derzeit noch nicht Personal aus Kiew abziehen. Man dürfe nicht zur Verunsicherung beitragen, warnt die deutsche Außenministerin in Brüssel.
          Hält sich momentan noch zurück: Die EZB

          Geldpolitik : Die Rückkehr der Inflation

          Immer mehr Zentralbanken gehen gegen die wachsenden Risiken für den Geldwert vor. Die Europäische Zentralbank in Frankfurt wird ihre zurückhaltende Politik wohl nicht durchhalten können.