https://www.faz.net/-gqe-8nee9

Kampf gegen Falschmeldungen : Facebook-Mitarbeiter fordern Mark Zuckerberg heraus

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter wenden sich gegen den Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Bild: AP

Millionen Amerikaner haben während des Wahlkampfes auf Facebook Falschmeldungen gelesen. Der Facebook Chef findet das nicht schlimm, einige Mitarbeiter schon und handeln.

          2 Min.

          Um das Verbreiten von Falschmeldungen über Netzwerke wie Facebook oder Suchmaschinen wie Google ist ein heftiger Streit entbrannt. Facebook-Mitarbeiter wollen offenbar gegen den Willen ihres Chefs Mark Zuckerberg die Rolle der eigenen Firma untersuchen, die das Unternehmen während des jüngst zu Ende gegangenen amerikanischen Wahlkampfes gespielt hat. Das berichten das Internetportal Buzzfeed und die Zeitung „The Guardian“. Zur Zeit gibt es in den Vereinigten Staaten eine Debatte, da anscheinend etwa 150 Millionen Amerikaner während des Kampfes Clinton versus Trump falsche Nachrichten via Facebook gelesen hätten. Nach Angaben des Pew Reseach Center beziehen 62 Prozent der Amerikaner ihre Nachrichten aus sogenannten sozialen Netzwerken, wovon Facebook einen großen Anteil habe.

          Inzwischen wurde bekannt, dass Google und Facebook reagiert haben. Das berichtet die New York Times. Der Suchmaschinenkonzern wolle Internetseiten, so schreibt das Blatt, die falsche Nachrichten verbreiteten, von seiner Maschine verbannen, sofern sie über Google Werbeservices auffindbar seien. Stunden später wurde bekannt, dass auch Facebook dem Treiben nicht länger zusehen möchte und änderte die Tonalität in seinen AGBs. So will auch das Netzwerk keine Anzeigen mehr erlauben, die Internetseiten mit offensichtlich nicht korrekten Informationen bewerben würden.

          Noch vor einer Woche hatte der Vorstandsvorsitzende von Facebook, Mark Zuckerberg, den Vorwurf, das Unternehmen hätte damit indirekt Einfluss auf die Wahl genommen, als „ziemlich verrückt“ bezeichnet. Ein Mitarbeiter der neu eingerichteten Arbeitsgruppe bei Facebook sagte Buzzfeed hingegen: „Das ist keine verrückte Idee. Es ist eher verrückt von ihm, diese Entwicklung einfach so abzutun. Wir als Mitarbeiter wissen, dass falsche Nachrichten sich während des Wahlkampfs wie wild auf Facebook verbreitet haben“. Die vier Mitarbeiter, die Mitglied der Arbeitsgruppe sind und mit denen Buzzfeed gesprochen hat, wurden dem Bericht zufolge von ihren Vorgesetzten eingeschüchtert, damit sie nicht über diese Aktion mit der Presse sprechen.

          Hasskommentare auf Facebook : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Zuckerberg

          Die Treffen der Gruppe fände momentan geheim statt, damit jeder offen reden könne, heißt es in dem Bericht. Später sollen eventuell Empfehlungen an das Senior-Management ausgesprochen werden. Angeblich stünden hunderte Facebook-Mitarbeiter hinter der Aktion. Das Unternehmen wollte dazu aktuell keine Stellung nehmen, schreibt Buzzfeed. In einer älteren Stellungnahme teilte Facebook mit, dass es sich lediglich als eine Quelle von vielen bezeichnet.

          Die Zeitung Guardian berichtete, dass im Hintergrund schon seit längerem über das Problem im Unternehmen diskutiert werde. Nach Angaben des Portals Gizmodo hätten Führungskräfte von Facebook selbst schon die Fehler analysiert und seien zum Schluss gekommen, dass von einer Änderung des Geschäftsmodell bezüglich falscher Nachrichten hauptsächlich rechtskonservative Internetseiten betroffen gewesen wären. Daraufhin sei eine Überarbeitung des Website von Facebook nicht weiterverfolgt worden. Facebook dementiert dies.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klinische Phase: Wie hier in Indonesien laufen inzwischen zahlreiche Studien, in denen potentielle Impfstoffe gegen Corona an Freiwilligen getestet werden.

          Viele Fragen offen : Corona-Impfung mit Fragezeichen

          Weltweit wird in Rekordtempo an einem Corona-Impfstoff geforscht. Doch die Zulassungsstudien werden von einem Todesfall und quälenden Unsicherheiten überschattet.

          Trump gegen Biden : Die Höhepunkte der Debatte im Video

          Die zweite und letzte Debatte zwischen Amerikas Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden lief deutlich ruhiger als die erste. Dennoch zeigten sich beide Kandidaten angriffslustig. Sehen Sie hier die Analyse im Video.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.