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Facebook-Gründer Zuckerberg : Der Streber

Mark Zuckerberg Bild: AFP

Er ist 23 und misst sich an Bill Gates. Seine Internetfirma Facebook taxiert er auf 10 Milliarden, und bei öffentlichen Auftritten schwankt er zwischen Übermut und Schüchternheit. Sein Markenzeichen sind Badelatschen. Ein Porträt von Roland Lindner, New York.

          5 Min.

          Die amerikanische Internetbranche lieferte zuletzt jedes Jahr eine große Aufsteigergeschichte. Im Jahr 2005 wurde Myspace zu einem Phänomen und zur ersten erfolgreichen Online-Gemeinschaft. 2006 erreichte die Videoseite Youtube innerhalb kürzester Zeit Kultstatus. In diesem Jahr heißt der Aufsteiger Facebook. Ihr Gründer Mark Zuckerberg ist schon jetzt ein Medienstar. In seinen Auftritten schwankt er zwischen Übermut und Schüchternheit.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ebenso wie Myspace ist Facebook ein soziales Netzwerk, nur mit etwas anderem Ansatz - und mit viel größeren Ambitionen. Während Myspace sich an Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp. verkauft hat und Youtube an den Internetgiganten Google ging, hat Facebook Übernahmeangebote in Milliarden-Dollar-Höhe ausgeschlagen. Zuckerberg will höher hinaus und ist der Meinung, Facebook sei zehn Milliarden Dollar oder mehr wert - ein atemberaubend hoher Betrag für ein nicht einmal vier Jahre altes Unternehmen, das kaum Umsätze macht.

          Computerfreak wie aus dem Bilderbuch

          Zuckerberg ist ehrgeizig. Der Wert, den er für sein Unternehmen ansetzt, sprengt bei weitem die Dimensionen, die für Myspace (580 Millionen Dollar) und Youtube (1,65 Milliarden Dollar) gezahlt wurden. Aber Zuckerberg äußert öffentlich, er wolle nicht verkaufen, sondern höchstens einen Minderheitsaktionär ins Boot lassen. Große Adressen wie der Softwarekonzern Microsoft oder Google reißen sich darum: In den vergangenen Wochen war die Rede davon, dass Microsoft einen Anteil von fünf Prozent an Facebook kauft und dafür bis zu 500 Millionen Dollar zahlt. Das entspricht genau der Bewertung von zehn Milliarden Dollar für das gesamte Unternehmen, die Zuckerberg vorschwebt.

          Bei so viel Selbstbewusstsein möchte man kaum glauben, was für ein blutjunger Kerl der Unternehmensgründer ist. Zuckerberg ist 23 Jahre alt und sieht auch keinen Tag älter aus. Im Gegenteil: Er macht den Eindruck eines Schuljungen. Er ist ein Computerfreak wie aus dem Bilderbuch, der derart wenig Wert auf sein Aussehen legt, dass er in einer Fernseh-Talkshow vor ein paar Monaten in Adidas-Badelatschen aufgetreten ist. Und das war schon ein Fortschritt, denn immerhin hatte er dabei Socken an. Vor einem Jahr bei einer Konferenz mit hochkarätigen Medienmogulen und Investmentbankern im Manhattaner Nobelhotel Pierre verblüffte er das Publikum damit, dass er Adiletten ohne Socken trug (dazu Jeans, ein weißes Hemd und ein dunkles Jackett).

          Studium in Harvard hingeschmissen

          Zuckerberg ist das Gegenstück zu den szenigen und kameratauglichen Myspace-Gründern Tom Anderson und Chris DeWolfe. Man kann nicht umhin, sich bei ihm an Bill Gates zu erinnern, Gründer von Microsoft und so etwas wie der Ur-Streber der Technologiebranche. Sieht man sich alte Bilder von Gates aus frühen Microsoft-Tagen an, kann man optische Parallelen erkennen. Weitere Gemeinsamkeiten: Beide waren 19 Jahre alt, als sie ihre jeweiligen Unternehmen gegründet haben. Und beide haben danach ihr Studium an der Eliteuniversität Harvard hingeschmissen.

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