https://www.faz.net/-gqe-8e0ny

Bundesverwaltungericht : Sind Unternehmen für die Daten ihrer Facebook-Fans verantwortlich?

  • Aktualisiert am

Facebook steht wegen der Datenverarbeitung in der Kritik. Nun sollen auch die Unternehmen, die im Netzwerk Fanseiten betreiben, in die Verantwortung genommen werden. Bild: dpa

Die Geschäftspolitik von Facebook ist deutschen Datenschützern ein Dorn im Auge. Doch das Bundesverwaltungsgericht findet keine abschließende Lösung und gibt den Fall an den EuGH weiter.

          1 Min.

          Ein Streit über den Datenschutz bei Facebook-Fanseiten wird den Europäischen Gerichtshof (EuGH) beschäftigen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat den Luxemburger Richtern am Donnerstag nach mündlicher Verhandlung eine Reihe von „unionsrechtlichen Zweifelsfragen“ zur Beantwortung vorgelegt. Ausgangspunkt ist ein Rechtsstreit zwischen dem schleswig-holsteinischen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) und der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein, einem Bildungsunternehmen der Industrie- und Handelskammern (IHK). (Az.: BVerwG 1 C 28.14)

          Das ULD hatte 2011 von dem Bildungsträger die Deaktivierung der Fanpage verlangt und 50.000 Euro Bußgeld angedroht. Das Unternehmen nutze die Angebote von Facebook - die technische Infrastruktur und das Kundenpotenzial, sagte ULD-Anwalt Udo Kauß. „Nun ist Facebook kein karitatives Unternehmen, das etwas umsonst gibt. Es wird gezahlt, nicht mit Geld, sondern es wird gezahlt mit den Daten der Nutzer. Das ist problematisch.“

          Ein Fanpage-Betreiber ist nach Auffassung der Datenschützer mitverantwortlich für die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Facebook - und damit auch für eventuelle datenschutzrechtliche Verstöße. In den beiden Vorinstanzen hatte sich das ULD mit dieser Auffassung allerdings nicht durchsetzen können.

          Klärungsbedarf bei wichtigen Grundsatzfragen

          Der EuGH soll nun unter anderem klären, inwieweit die deutschen Datenschützer überhaupt für die Überprüfung und Kontrolle von Facebook zuständig sind. Das Europageschäft des US-Konzerns verantwortet die Facebook Ireland Limited. Sie unterliege dem irischen Datenschutzrecht, betonten die Facebook-Anwälte. Die irische Datenschutzbehörde habe die Geschäftspraxis zweimal überprüft - und keinerlei ernsthafte Beanstandungen gehabt.

          Schleswig-Holsteins oberste Datenschützerin Marit Hansen, deren Vorgänger Thilo Weichert das Verfahren in Gang gebracht hatte, sagte in Leipzig, sie habe auf mehr Klarheit gehofft. Nun werde bis zur endgültigen Entscheidung wieder Zeit verstreichen. Der Vorlagebeschluss an den EuGH zeige aber, dass es Klärungsbedarf bei wichtigen Grundsatzfragen gebe.

          Auch die IHK Schleswig-Holstein sei „nicht hundertprozentig zufrieden, weil es keine abschließende Entscheidung gibt“, sagte Sprecher Can Özren. Es sei jedoch zunächst einmal erreicht worden, dass deutsche Unternehmen ihre Facebook-Fanseiten nicht abschalten müssen. „Alles Weitere wird der EuGH entscheiden.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die SPD-Führung am Sonnabend in Berlin

          SPD für Koalitonsvertrag : Diese Koalition wird kein Selbstläufer

          Der baldige Kanzler Scholz hat die Rückendeckung seiner Partei. Aber es lauern Gefahren: Die SPD verklärt die Regierungsjahre mit der Union als Zeit der sozialen Kälte. Und die erfolgreiche Geschlossenheit könnte rissig werden.

          Kommunikationskrise in München : Wie Nagelsmann die Bayern steuert

          Corona, Impfen, Qatar: Cheftrainer Julian Nagelsmann ist in München auch Außenminister und Feuerwehrmann. Das wirft vor dem Topspiel in Dortmund die Frage auf: Was machen eigentlich seine Vorgesetzten?
          Winfried Kretschmann am Sonnabend in Heidenheim

          Debatte angestoßen : Kretschmann wirbt für Impfpflicht

          Der baden-württembergische Ministerpräsident sieht das Impfen als einzigen Ausweg aus der Pandemie. Nur außergewöhnliche Maßnahmen böten einen Weg aus dem „Teufelskreis“. Außerdem will er die Legislaturperiode zu Ende bringen.