https://www.faz.net/-gqe-8z8xi

Erpressungs-Software : Die Rolle eines deutschen E-Mail-Anbieters im Hackerangriff

Vom Hackerangriff getroffen - ein Bankautomat in Kiew Bild: Reuters

Ein neuer Cyber-Angriff hat Unternehmen rund um die Welt teilweise lahmgelegt. Die Angreifen bezogen in ihre Erpressungs-Strategie auch diese deutsche Internetfirma ein.

          1 Min.

          Wer von der neuen Cyber-Attacke mit einer Erpressungs-Software betroffen war, hat in der Nachricht der Angreifer eine E-Mail-Adresse gefunden: An wowsmith123456@posteo.net sollten die Opfer der Schadsoftware eine Mail schreiben, wenn sie das geforderte Lösegeld von 300 Dollar in Bitcoin bezahlt haben. Über diese Mailadresse würden sie dann den Schlüssel erhalten, um die gesperrten Dateien wieder freizuschalten, so das Versprechen der Kriminellen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Doch der deutsche E-Mail-Anbieter Posteo wusste zu dem Zeitpunkt schon, dass ebenjene Adresse mit der Erpressung zusammenhängt. Deshalb sperrte das sogenannte Abuse-Team den Zugriff auf das Konto, noch bevor es überhaupt erste Berichte zu dem Angriff gab.

          Verschlüsselung hilft auch Kriminellen

          Nun arbeitet der Anbieter mit deutschen Sicherheitsbehörden wie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammen. Die Sperrung führt zu einer bizarren Situation: Opfer, die das Lösegeld schon bezahlt haben, bekommen den Schlüssel nicht. Wäre das Postfach aber noch erreichbar, würde das den Erpressern helfen - denn so überweist natürlich nahezu niemand mehr, weil kein Schlüssel mehr zu erwarten ist. Bislang haben die Erpresse insgesamt ungefähr 10.000 Dollar bekommen.

          Allerdings raten Sicherheitsfachleute schon lange dazu, kein Lösegeld zu zahlen. Es ist nämlich unklar, ob man überhaupt die Dateien wiederbekommt und ob man sich durch die einmalig gezeigte Zahlungsbereitschaft als attraktives Ziel für die Zukunft ausweist.

          Das Unternehmen Posteo hat mehr als 200.000 Kunden. Es weiß nicht, woher die Kunden stammen, es speichert keine personenbezogenen Daten oder IP-Adressen. Das macht den Anbieter vor allem für Kunden interessant, die sensibel sind, wenn es um Datenschutz geht. Doch ähnlich wie bei den verschlüsselten Kommunikationsdiensten wie Signal oder Telegram nützt der erhöhte Schutz der Privatsphäre auch Kriminellen.

          Posteos Mitarbeiter wollen das Argument aber nicht gelten lassen. „Wenn man als Anbieter die Meldungen zum Missbrauch von E-Mail-Konten ernst nimmt, kann man verhindern, dass man zum bevorzugten Rückzugsort für Kriminelle wird“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage von FAZ.NET mit.

          Weitere Themen

          Prinz Charles trifft Greta Thunberg Video-Seite öffnen

          Weltwirtschaftsforum Davos : Prinz Charles trifft Greta Thunberg

          In Sachen Klimaschutz ziehen sie am gleichen Strang. Der britische Thronfolger, der das Treffen in Davos zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder besuchte, schlug eine Initiative für Nachhaltigkeit vor.

          Berliner Wohnungssumpf

          Ultimatum bis Montag : Berliner Wohnungssumpf

          Baustadtrat Florian Schmidt galt als Robin Hood der Mieter. Nun soll er wichtige Akten manipuliert haben. Das kann auch für die Landesregierung gefährlich werden.

          Topmeldungen

          In Berlin wird fleißig gebaut: Die kommunalen Gesellschaften in Berlin haben 2019 4608 Wohnungen fertiggestellt und damit ein Viertel mehr als im Jahr zuvor.

          Ultimatum bis Montag : Berliner Wohnungssumpf

          Baustadtrat Florian Schmidt galt als Robin Hood der Mieter. Nun soll er wichtige Akten manipuliert haben. Das kann auch für die Landesregierung gefährlich werden.
          Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Mercedes-Stern dreht sich auf dem Daimler-Werk in Untertürkheim. Die weltweiten Rückrufe und Verfahren im Zusammenhang mit dem Dieselskandal kosten den Autobauer Daimler für 2019 nochmals bis zu 1,5 Milliarden Euro zusätzlich.

          Folgen des Diesel-Skandals : Nächster Tiefschlag für Daimler

          Analysten und Anleger sind nervös: Der Autokonzern muss einen weiteren Milliardenbetrag für Diesel-Altlasten zurückstellen. Und auch die Van-Sparte leidet unter einer ganzen Reihe hausgemachter Schwierigkeiten. Ein Beobachter spricht von „einem traurigen Tag für alle Beteiligten“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.