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Expedia, Tripadvisor, Booking : Reiseportale unter Verdacht

Online-Reiseportale sind ins Visier der italienischen Behörden geraten. Bild: picture alliance / ZB

Italienische Wettbewerbsaufseher gehen gegen Tripadvisor, Expedia und Booking vor. Es geht um günstige Hotelzimmer und Marktmissbrauch. Auch in Deutschland ist das ein Thema.

          Italiens Wettbewerbsaufseher knöpfen sich die Reise-Internetplattformen Booking, Expedia und Tripadvisor vor: Im Fall von Tripadvisor, einer Plattform für die Bewertung von Hotels und Restaurants, untersuchen sie, ob es genügend Vorkehrungen gibt, um zu verhindern, dass falsche Informationen verbreitet werden.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Behörden verdächtigen „Booking“ und „Expedia“, ihre Marktmacht im Bereich der Vertragskonditionen für Internetbuchungen für Hotels missbraucht zu haben. Nach Darstellung der italienischen Wettbewerbsaufseher laufen über die italienischen Tochtergesellschaften der Booking BV mit Sitz in Amsterdam und der amerikanischen Expedia Inc. mit Sitz in Bellevue im amerikanischen Westküsten-Bundesstaat Washington rund 75 Prozent aller Internetbuchungen von Hotels.

          Ähnliche Verfahren in Deutschland

          Die Wettbewerbsaufseher begründen ihren Verdacht damit, dass Booking und Expedia mit ihren Vertragskonditionen zum einen den Marktzugang für Konkurrenten behindern und zudem auch ungebührlichen Einfluss auf andere Teilmärkte für Hotelbuchungen ausüben. Denn die Vertragsklauseln enthielten jeweils die Kondition, dass Booking oder Expedia im Partnerhotel den günstigsten Zimmerpreis des jeweiligen Hotels erhielten. Auch die Gäste, die direkt beim Hotel buchen oder als Laufkundschaft nach einem Zimmer verlangen, dürfen keine günstigeren Preisangebote erhalten. Die italienischen Wettbewerbsaufseher vermuten hingegen, dass der Markt für direkte Hotelbuchungen oder für Laufkundschaft getrennt gesehen werden könne oder müsse.

          Untersuchungen gegen derartige Vertragspassagen – auch Bestpreisklauseln genannt – laufen ebenso in Deutschland. Das Bundeskartellamt leitete im Dezember des vergangenen Jahres deshalb Verfahren gegen Booking und Expedia ein. Zuvor hatte die deutsche Behörde dem Hotelbuchungsportal HRS untersagt, von Hoteliers vertraglich Bestpreisgarantien zu verlangen.

          „Letztlich verhindern die Klauseln, dass an anderer Stelle niedrigere Hotelpreise angeboten werden können“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt damals zur Begründung.
          In Italien ist daher nun auch Thema, ob Gäste, die direkt beim Hotel buchen oder als Laufkundschaft ein Zimmer verlangen, keine günstigeren Preisangebote erhalten.

          Sowohl Booking, als auch Expedia behalten sich in den Vertragskonditionen vor, dass die Vertragshotels die Differenz zu etwaigen günstigeren Preisen an ihre Kunden zurückbezahlen müssen. Außerdem würden Hotels, die diese Klausel verletzten, in der Internetpräsentation nicht in die hinteren Ränge abgeschoben.

          Auch jenseits der Reisebranche standen derartige Vertragsbestimmungen schon in der Kritik. Der Internetkonzern Amazon wollte freie Händler, die das Portal als Verkaufsplattform nutzen, verpflichten, dort Produkte am günstigsten anzubieten. Amazon strich die beanstandete Bestimmung aber schon, bevor das deutsche Kartellamt entscheiden konnte.

          In einem weiteren Verfahren wird „Tripadvisor“ unter die Lupe genommen. Über diese Internetplattform für die Bewertungen von Hotels und Restaurants hatten sich italienische Verbraucherorganisationen, Hoteliers und Restaurantbetreiber beschwert, dass anonym Falschinformationen verbreitet worden seien. Tripadvisor gebe einzelnen Personen die Möglichkeit, den Markt zu verzerren, kommentiert der italienische Hotelierverband Federalberghi. Die Konsumenten hätten das Recht auf zuverlässige und zutreffende Informationen.

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