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Erfolgsspiel : Die Angry Birds bauen ein Imperium

  • -Aktualisiert am

Das Handyspiel Angry-Birds ist weltweit bekannt. Bild: Archiv

Angry Birds ist das meistverkaufte Handy-Spiel der Welt und kommt aus Finnland. Jetzt sollen die Vögel mit Filmen und Freizeitparks noch mehr Geld verdienen. Micky Maus ist das Vorbild.

          3 Min.

          Peter Vesterbacka weiß, wie man auffällt. Wo er auch auftaucht, er trägt einen Kapuzenpulli in der Farbe Grellrot. Vornedrauf gedruckt ist ein Cartoon-Vogel, den Hunderte Millionen Menschen in der Welt kennen, weil sie ihn täglich in ihrem Handy bei sich tragen: Es ist das Logo von Angry Birds, dem bekanntesten Spiel für Smartphones. Vesterbackas Firma Rovio hat es erfunden und in die App-Stores gebracht. Im Dezember 2009 war das. Kurz darauf führte Angry Birds 300 Tage lang die Hitliste der Applikationen fürs iPhone an. Bis heute ist Angry Birds die meistverkaufte bezahlte App. Insgesamt wurden alle Angry-Birds-Spiele zwei Milliarden Mal heruntergeladen.

          Die Firma, die dieses Spiel entwickelt hat, kommt nicht aus dem Silicon Valley und auch nicht aus Berlin, wo die Deutschen gerne das europäische Zentrum der neuen digitalen Welt vermuten. Sie kommt aus Finnland, genauer: aus Espoo nahe Helsinki. Ein Ort mit 256000 Einwohnern, der eigentlich nur dafür bekannt ist, der Hauptsitz des taumelnden und mittlerweile größtenteils verkauften Handyherstellers Nokia zu sein – einst der Stolz Finnlands, nun seine größte Tragödie.

          „Der Erfolg von Angry Birds war kein Zufall, kein Glück“

          Knapp anderthalb Kilometer vom Nokia-Glaspalast entfernt residiert Rovio – und es überrascht nicht, dass die kleine Firma zunächst viele Spiele für Nokia-Handys entwickelte, bevor sie sich dem iPhone und Android-Handys zuwandte. Insgesamt 51 Spiele hatten Vesterbacka und Konsorten entwickelt, bevor sie mit den wütenden Vögeln, die von bösen grünen Schweinen ihre Eier zurückerobern wollen, den Durchbruch schafften. Deshalb betont Vesterbacka bei jeder Gelegenheit: „Der Erfolg von Angry Birds war kein Zufall, kein Glück.“ Allein 30 Entwürfe für das Logo der App hätten sie gehabt – bis sie sich für den grellroten Vogel entschieden.

          Vesterbacka gehört nicht zu den jungen Hüpfern in dem Geschäft. Er ist 45 Jahre alt und hat Marketing studiert. Beides merkt man – vor allem daran, wohin die Firma steuert, obgleich nicht er der Chef ist, sondern Mikael Hed, der schweigsame Cousin eines der drei Gründer. Rovio versucht nicht nur neue Spiele zu kreieren. Es setzt vor allem alles darauf, das alte Spiel zu einem Dauerbrenner zu machen – und zu einer Marke, die man auf beinahe alles drucken kann, um es besser zu verkaufen. Deshalb expandiert Rovio mit den wütenden Vögeln in alle Richtungen. Im vergangenen Jahr etwa brachte Angry Birds eine Cartoon-Serie auf dem Markt, die im Web lief, aber auch auf Super RTL waren einige Folgen zu sehen. Die Youtube-Premiere des ersten Filmchens hat mehr als sechs Millionen Abrufe. Einen Kinofilm soll es 2016 geben. Dazu kommen: Kuscheltiere, Adventskalender, Gesellschaftsspiele mit den Vögeln und eben Kapuzenpullis, Baby-Bodys, Fruchtgummi. In Finnland gibt es sogar Kosmetik mit Angry Birds. Im vergangenen Jahr eröffnete ein Freizeitpark auf Gran Canaria, der komplett mit wütenden Vögeln dekoriert ist. In Finnland gibt es so einen Park natürlich schon länger. „Angry Birds hat Finnland gefressen“, kommentierte das ein finnischer Analyst.

          „Wir wollen Teil der Popkultur sein“, sagt Vesterbacka, der Mann mit dem roten Pulli. Und freut sich im kommenden Jahr vor allem auf ein Projekt: ein Spaß-Lernprogramm, das zunächst in China startet. „Das ist etwas, das mir persönlich als Vater und als Finne sehr gut gefällt“, sagt Vesterbacka. „Wenn wir die Bildung ein wenig lustiger und besser machen können, verbessern wir auch die Welt.“

          Auf der Suche nach Innovationen

          So mancher vergleicht diese Expansion schon mit den Anfängen von Disney und seiner Micky Maus. Allerdings ist das noch ganz schön hoch gegriffen für eine Firma, die zurzeit rund 800 Mitarbeiter hat und im Jahr 2012 gerade einmal 150 Millionen Euro Umsatz machte – auch wenn das doppelt so viel war wie im Jahr zuvor. Immerhin aber war Rovio in den letzten Jahren profitabel, das können sehr viele andere Firmen, die mit Internet oder Smartphones zu tun haben, nicht von sich behaupten.

          Der heiße Newcomer allerdings sind die Angry Birds nicht mehr, die Firma muss sich etwas einfallen lassen, um im Gespräch zu bleiben – sonst will irgendwann niemand mehr die Werbeprodukte kaufen. So haben sie im Dezember ein neues Spiel aufs Smartphone und Tabletcomputer gebracht, in dem die Vögel Auto fahren, statt sich durch die Luft katapultieren zu lassen wie im Klassiker. Das Spiel steht noch immer in den Charts, ist allerdings auch kostenlos im Gegensatz zum Ursprungsspiel – doch viele Nutzer ärgern sich, dass man dann im Spiel trotzdem ständig bezahlen muss: für neue Fahrzeuge oder mehr Energie.

          Es läuft also nicht gerade herausragend mit den Spielen – und auch die Cartoon-Serie wurde zwar oft geklickt, aber ein Hit im Fernsehen wurde sie nicht. Dass Rovio bislang stark wächst, hat deshalb viel mit den Konsumprodukten zu tun wie mit den Kuscheltieren oder den Limo-Dosen mit Vogelaufdruck – die verkauften sich in Finnland besser als Cola oder Pepsi. Fast die Hälfte der Einnahmen stammten 2012 aus diesem Bereich. Manchem Fan wird das zu viel. Aber Vesterbacka findet es genau richtig so: „Viele Firmen lassen sich vom Erfolg mitreißen und beginnen zu glauben, dass es einfach ist, einen Hit zu erschaffen.“ Nicht so Rovio – die ja immerhin 51 Spiele machten, bevor das 52. ein Hit wurde. „Wir wissen, es ist nicht einfach.“ Für Rovio sei es deshalb „genau die richtige Sache, Angry Birds auf alle Bildschirme und in allen Formen zu bringen.“

          Und dass sie das gerade in Finnland tun, hält er auch für keinen Nachteil. Die Jammerei über Europa kann er nicht verstehen. „Wenn wir es geschafft haben, schaffen es andere auch“, sagt er. Skandinavien jetzt aber als neues Silicon Valley der Handyspiele zu sehen (das gerade sehr beliebte Quizduell etwa stammt aus Schweden), hält er ebenfalls für übertrieben. „Ich hasse es. Jeder will das nächste Silicon Valley sein. Aber man sollte nicht etwas kopieren, das es schon gibt. Man muss etwas anderes tun.“

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