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Künstliche Intelligenz : „Hier schießt Elon Musk über das Ziel hinaus“

Wolfgang Wahlster leitet das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Bild: Helmut Fricke

Wie gefährlich ist KI? Der Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz weist die dramatische Warnung des Tesla-Gründers zurück. Und kritisiert ihn noch in einem anderen Punkt.

          Der Präsident des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) weist die drastische Mahnung des Technologieunternehmers Elon Musk vor dem Voranschreiten Künstlicher Intelligenz zurück. „Elon Musk erklärt, dass Roboter alles werden besser machen können als wir - als jeder von uns. Aber damit unterschätzt er den Menschen und die Komplexität, die Menschen tagtäglich dank ihrer sozialen und emotionalen Intelligenz bewältigen“, sagte Wolfgang Wahlster gegenüber FAZ.NET.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Musk hatte unlängst in einer Rede vor Gouverneuren amerikanischer Bundesstaaten seine Warnung bekräftigt, Künstliche Intelligenz sei die „größte Bedrohung, der wir als Zivilisation gegenüberstehen“. Er löste damit eine durchaus kontroverse Debatte aus, in der sich zahlreiche Fachleute zu Wort meldeten.

          Viele teilen gerade die Dramatik seines Appells nicht. Sogar der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg schaltete sich ein, als er - während einer Facebook-Live-Unterhaltung auf Musks Äußerungen angesprochen - sagte: „Wer gegen künstliche Intelligenz argumentiert, argumentiert gegen sicherere Autos und gegen bessere Diagnosen für Kranke. Ich sehe einfach nicht, wie jemand guten Gewissens das tun kann.“ „Hut ab, Mark Zuckerberg, dafür dass du dich gegen Künstliche-Intelligenz-Panikmache ausgesprochen hast“, teilte daraufhin Andrew Ng über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

          Er gehört zu den angesehensten Fachleuten für Künstliche Intelligenz auf der ganzen Welt. „Ich denke, dass Arbeitsplatzverluste ein großes Problem sind und wünschte mir, dass wir uns eher darauf fokussieren als abgelenkt zu sein von diesen dystopischen, science-fiction-ähnlichen Elementen“, sagte er  während eines Vortrags für die „Harvard Business Review“.

          Gerade die Auswirkungen auf die Arbeitswelt nehmen auch die führenden KI-Leute sehr ernst. „Die Herausforderungen, mit denen die Gesellschaften umgehen müssen, sind erstens die Beschleunigung des technischen Fortschritts, welche die Zahl derjenigen erhöhen wird, die umlernen müssen, um neues Wissen und neue Stellen zu bekommen. Und zweitens die Tatsache, dass der Wohlstand, der durch technischen Fortschritt entsteht, mit der gesamten Gesellschaft geteilt werden sollte“, sagte Yann LeCun, Facebooks KI-Forschungschef, gerade in einem Interview mit FAZ.NET.

          „Selbstlernende Softbots“

          DFKI-Präsident Wahlster sieht das ähnlich differenziert.„Im Februar dieses Jahres habe ich im Nobelpreis-Dialog 2017 in Tokio die Zukunft der KI zusammen mit Nobelpreisträgern als Mitglied der königlich-schwedischen Akademie diskutiert: Das Ergebnis war eindeutig - mit Künstlicher Intelligenz wird menschliche Arbeit in Zukunft stark unterstützt, aber nicht völlig ersetzt“, sagte er.

          Und er bekräftigt dabei: „Dies gilt sowohl für körperliche Arbeit zusammen mit kollaborativen Robotern als auch vermehrt für geistige Arbeit zusammen mit selbstlernenden Softbots. Neue Berufsbilder werden entstehen und alte Berufsbilder werden verschwinden wie bei jeder technischen Revolution.“ Die Arbeit werde jedoch „insgesamt flexibler und die Ausbildung wir durch intelligente Tutorsysteme stärker individualisiert“.

          Und noch in einem anderen Punkt widerspricht Wahlster Musk: „Er votiert für eine proaktive Regulierung von KI, präzisiert dabei aber nicht, welche konkreten KI-Systeme oder KI-Entwicklungen er meint. Und er möchte den wissenschaftlichen und erkenntnisorientierten Wettbewerb einschränken, obwohl die Ergebnisse noch nicht vorliegen, die es zu evaluieren und zu reflektieren gilt. Mit diesen Aussagen schießt er über das Ziel hinaus.“

          KI-Forschung dürfe jedoch keinesfalls reguliert werden, so Wahlster, „sie muss im Gegenteil stark ausgebaut werden und durch Begleitforschung müssen frühzeitig mögliche gesellschaftliche Auswirkungen analysiert und gemeinsam mit Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutiert werden“.

          Musk hatte im Gespräch mit den amerikanischen Gouverneuren gesagt: „Künstliche Intelligenz ist einer der seltenen Fälle, in denen ich denke, dass wir eine proaktive Regulierung brauchen eher als eine reaktive.“ Diese Äußerung ist in der Fachwelt wiederum aber auch als warnender Hinweis verstanden worden, dass sich seiner Ansicht nach die Verantwortlichen in der Gesellschaft noch zu wenig mit Künstlicher Intelligenz befassen und auskennen.

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