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Elektronische Einladungen : Mit freundlichen Grüßen

  • -Aktualisiert am

Patrick von Ribbentrop Bild: Matthias Lüdecke

Über das Internet einzuladen gilt als unpersönlich. Patrick von Ribbentrop will das ändern - und kommt vom Papier doch nicht ganz los.

          Vielleicht würde Patrick von Ribbentrop heute etwas ganz anderes machen, wenn der Internetunternehmer nicht so gesellig wäre. „Ich lade gerne zu Feiern ein“, sagt der 41 Jahre alte Ribbentrop. Das war schon vor knapp sieben Jahren so, als der Unternehmer 120 Freunde und Verwandte zu seinem Geburtstag zusammenbringen wollte. Damals führte er schon sein eigenes Softwareunternehmen und entschloss sich, das Internet zu nutzen, um die Gäste über das bevorstehende Fest zu informieren. Weil ihm eine lapidare E-Mail zu wenig gewesen wäre, suchte er nach einem Angebot, um schön gestaltete digitale Einladungen zu versenden. Doch er fand nichts, was seinen Ansprüchen genügte. Nichts, mit dem er seine Gäste auch auf elektronischem Weg hätte „stilvoll einladen“ können, wie Ribbentrop es heute ausdrückt. Also fing er an, die digitale Einladung selbst zu gestalten.

          Fast sieben Jahre später ist daraus ein Unternehmen geworden. Zuerst als Nebenprodukt seines ursprünglichen Unternehmens geführt, firmiert das Geschäft mit digitalen Karten seit dem vergangenen Jahr als Eventkingdom GmbH. Nach eigenen Angaben betreute Ribbentrop gut 100 000 Veranstaltungen und verschickte mehr als eine Million Einladungen, Terminhinweise oder Dankeskarten.

          Gleichzeitig ist er quasi zum Leiter eines digitalen Postamts geworden. Ribbentrop verkauft digitale Briefmarken. Die ersten 20 der „Stamps“ genannten Marken sind kostenlos, wenn sich die Kunden auf der Internetseite des Unternehmens registrieren. Je nachdem, wie viele Gäste sie einladen und wie individuell sie die Einladungen gestalten, müssen sie weitere Marken erwerben. Die Designmöglichkeiten beginnen mit der Schrift, gehen über die Wahl des digitalen Briefpapiers oder des digitalen Umschlags und enden bei der persönlichen Ansprache der Empfänger.

          Auf die für solche Einladungen notwendigen Marken gewährt Ribbentrop Mengenrabatt: In der kleinsten Abnahmemenge von 30 Stück kostet eines seiner Wertzeichen rund 17 Cent. Wer ihm 5000 Marken abnimmt, zahlt für jedes Stück 5 Cent. Ribbentrop schweigt sich zu konkreten Umsatzzahlen aus, spricht aber immerhin von bisher mehr als 3 Millionen verkauften Marken. Je nach gewährtem Rabatt würde dies bisherigen Gesamterlösen zwischen 150 000 und 510 000 Euro entsprechen.

          Das ist offenbar genug, um bekannte Investoren anzulocken. Im vergangenen Sommer hat unter anderen der amerikanische Wagniskapitalgeber Founders Fund über seine Investmentsparte für Jungunternehmen, FF Angel, zusammen mit anderen Investoren eine niedrige siebenstellige Summe in Eventkingdom investiert. Hinter Founders Fund steht unter anderen der einflussreiche Internetunternehmer Peter Thiel, seines Zeichens Mitgründer des Online-Bezahldienstes Paypal und erster Finanzier des sozialen Netzwerks Facebook.

          Investoren aus den Vereinigten Staaten

          Mit Thiel gemein hat Ribbentrop seine Wurzeln in Deutschland. Während Thiel in der Nähe von Frankfurt geboren wurde, ist Ribbentrop in New York zur Welt gekommen und dort aufgewachsen. Er ist der Enkel von Joachim von Ribbentrop, dem einstigen Weinhandelsreisenden, der 1938 unter Adolf Hitler deutscher Außenminister wurde und 1946 als Kriegsverbrecher in Nürnberg zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Patrick von Ribbentrop geht mit der Familiengeschichte unaufgeregt um. Er lebe ganz normal mit diesem Nachnamen, hat er vor Jahren in einem Interview gesagt. Er könne die Vergangenheit nicht ändern, wolle aber alles tun, damit sie sich nicht wiederhole.

          Im Alter von 14 Jahren kam Ribbentrop nach Deutschland, studierte später an der Humboldt-Universität zu Berlin Betriebswirtschaftslehre. An der Hochschule tat er auch seine ersten unternehmerischen Schritte. Auch damals spielte ein persönlich empfundener Mangel eine Rolle. Weil die Humboldt-Universität zwar ein Logo hatte, aber anders als zum Beispiel amerikanische Hochschulen keine T-Shirts oder Pullover mit dem Signet produzierte, fehlte dem Studenten etwas. Er überzeugte den Uni-Präsidenten, ihm die Lizenzrechte zu überlassen, und startete mit drei T-Shirts. „Ein paar Jahre später verkauften wir mehr als 200 Produkte“, schildert Ribbentrop die rasante Entwicklung.

          Handschrift und Papier

          Ähnlich schnell soll es nun mit Eventkingdom vorangehen. Von 2012 auf 2013 habe sein Unternehmen den Umsatz verdreifacht. In diesem Jahr will er die Erlöse verfünffachen. Dabei helfen soll auch eine Vermarktungspartnerschaft mit dem amerikanischen Online-Ticketing-Service Eventbrite. Wenn sie wollen, können die Nutzer des Dienstes nun ihre elektronischen Einladungen für Veranstaltungen mit den Mitteln von Eventkingdom umgestalten und ihnen so eine eigene Note geben.

          An verstärkter Individualisierung seiner eigenen Produkte werkelt aber auch Ribbentrop selbst. „Dass Kunden ihre eigene Handschrift für die digitalen Einladungen nutzen, ist derzeit noch nicht möglich, aber wir arbeiten dran“, sagt Ribbentrop. Eine weitere Zukunftsvision ist mit roten und grünen Pfeildiagrammen und vielen Worten auf einer großen Wandtafel im Fünf-Mitarbeiter-Büro in Berlin-Charlottenburg skizziert: „Wir sind als Papieralternative gestartet“, sagt Ribbentrop. Doch nun kämen immer mehr Kunden auf ihn zu, weil sie zumindest einen Teil der Einladungen auf herkömmliche Weise verschicken wollen: auf Papier.

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