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Einkaufssender QVC : „Wir zählen nur die Käufer, nicht die Zuschauer“

24 Stunden live: QVC-Studio Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Teleshopping boomt. In diesem Jahr setzen die Einkaufssender erstmals mehr als 1 Milliarde Euro um. Marktführer QVC gehört zu den vier größten Schmuckhändlern Deutschlands - und würde künftig gerne Tiefkühlkost vertreiben.

          Die Preisverleihung war nur das Tüpfelchen auf dem "i". Die Entscheidung, Deutschlands größten Einkaufskanal QVC zum Versender des Jahres 2005 zu küren und damit erstmals in der Geschichte des wichtigsten Branchenpreises keinen klassischen Katalogversender zu ehren, hat nur nachvollzogen, was die Verbraucher längst entschieden hatten.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Die Einkaufssender gewinnen Marktanteile. Immer mehr Menschen gehen zum Einkaufen nur noch ins Wohnzimmer und schalten den Fernseher ein. Da mögen Politiker, die Vertreter des Handels, der Kommunen und der Kirchen noch mächtig streiten über die Ladenöffnungszeiten rund um die Uhr. Die Verbraucher haben längst die Möglichkeit dazu - und nutzen sie immer stärker.

          Nicht nur ein auf den Bildschirm übertragener Katalog

          QVC, im Dezember 1996 in Deutschland gestartet, hat im abgelaufenen Jahr erstmals die Umsatzmarke von einer halben Milliarde Euro überschritten. Der Gesamtmarkt der Einkaufssender wird in diesem Jahr erstmals mehr als 1 Milliarde Euro umsetzen. Konservative Prognosen gehen davon aus, daß der Markt weiterhin um 11 Prozent im Jahr zunehmen werde.

          Versender des Jahres: QVC-Chef Flatten mit Nina Ruge

          Es war um den Markt ruhig geworden. Die Versuche selbst großer Versandhandelsunternehmen wie Otto oder Quelle sind aus dem Versuchsstadium nie wirklich herausgekommen. Für Ulrich Flatten, Vorsitzender der Geschäftsführung der QVC Deutschland GmbH, Düsseldorf, ist das auch nicht überraschend. Das Teleshopping sei eben nicht nur ein auf den Bildschirm übertragener Katalog, wie es immer wieder versucht werde. Erst vor wenigen Wochen hat auch der Elektronikspezialist Pro Markt versucht, mit einem Standbild Produkte zu verkaufen.

          516 Millionen Euro Jahresumsatz

          Erfolgreiches Teleshopping ähnelt nach Flattens Überzeugung viel stärker einem Einzelhandelsgeschäft als einem traditionellen Versender. Das Produkt wird „24 Stunden live“ ausführlich im Fernsehen erklärt, der Kunde kennt jederzeit den Lagerbestand, über Call-Center kann der Kunde jederzeit weitere Fragen zum Produkt stellen, und jede präsentierte Ware ist sofort lieferbar. Das Zusammenspiel dieser Faktoren macht für Flatten den Erfolg von QVC aus.

          Das Teleshopping-Unternehmen ist mit 516 Millionen Euro Jahresumsatz 2004 eindeutig Marktführer in Deutschland - vor dem etwas älteren Mitbewerber HSE24, der auf 275 Millionen Euro kam, und vor RTL-Shop mit 80 Millionen Euro Umsatz im abgelaufenen Jahr. Kundenorientierung und Service kommen Flatten immer wieder über die Lippen, wenn er sein Konzept beschreibt. QVC sei kein Billiganbieter. Aber inzwischen habe man eine Größe, bei der QVC auch im Einkauf gute Konditionen - sprich niedrige Preise - durchsetzen kann.

          Jedes Produkt wird acht bis zwölf Minuten erklärt

          Von einem Tagesangebot verkaufe man schon zwischen 30.000 und 40.000 Stück. In erster Linie gehe es aber um Qualität, betont Flatten und belegt das damit, daß QVC eine ungewöhnlich niedrige Rücksendequote habe, obwohl man die gesetzliche Rücksendezeit von zwei freiwillig auf vier Wochen verlängert habe.

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