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Mehr Arbeitsplätze : Kleine Apps, große Hoffnungen

Zugang zur Welt der Apps: Icons auf einem Smartphone Bild: AFP

In der App-Wirtschaft sind im vergangenen Jahr rund um die Welt eine Million neue Stellen entstanden. Doch viel Geld verdienen damit nur die wenigsten Entwickler.

          Bei Apps handelt es sich oft um kleine Zusatzprogramme für das Smartphone, doch ziehen sie die beruflichen Hoffnungen von immer mehr Menschen an. Nach am Montag veröffentlichten Daten des Londoner Marktforschungsinstituts Vision Mobile arbeiten inzwischen rund um die Welt 5,7 Millionen Menschen in der App-Wirtschaft, um dort im besten Falle Geld mit den Zusatzprogrammen für Smartphones oder Tabletrechner zu verdienen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Wachstum um etwa eine Million Personen. In der europäischen Union suchen demnach 1,3 Millionen Menschen ihr Glück in der App-Entwicklung.

          Innerhalb von rund sieben Jahren nach der Einführung des App-Stores des amerikanischen Technologiekonzerns Apple ist damit eine ganz neue Industrie entstanden. Deren wirtschaftlicher Einfluss betrifft den Daten zufolge noch mehr Menschen als die unmittelbar damit befassten.

          Laut Vision Mobile hängen an der App-Wirtschaft zusätzlich zu den direkt damit verbundenen Arbeitsplätzen noch einmal rund 651.000 Stellen, die indirekt mit der noch jungen Industrie zusammenhängen. Als Beispiel nennen die Marktforscher Produkte und Dienstleistungen, die über Smartphone- oder Tablet-Applikationen an die Konsumenten gebracht werden – von Medieninhalten über Finanzdienstleistungen bis hin zu Gesundheitsprodukten.

          Europäische App-Entwickler verdienten 6,6 Milliarden Euro

          Heruntergebrochen auf die einzelnen Betriebssystemanbieter zieht der Apple-Konzern die meisten Entwickler an. Innerhalb von Europa sind rund 540.000 direkte Stellen mit dem Apple-Betriebssystem iOS verbunden. Für das konkurrierende Android-Betriebssystem des Suchmaschinenkonzerns Google kommen die Marktforscher auf 439.000 Arbeitsplätze.

          Das deckt sich auch mit anderen Zahlen, die das amerikanische Unternehmen Apple am Montag selbst veröffentlichte. Demnach nehmen zum Beispiel allein in Deutschland mehr als 53.000 Menschen am hauseigenen und kostenpflichtigen Entwicklerprogramm teil, um Anwendungen zu erstellen, zu testen und schließlich über den App-Store zu vertreiben.

          Die Mitgliedschaft kostet derzeit umgerechnet rund 88 Euro im Jahr. Nach eigenen Angaben hat Apple bisher an Entwickler rund um die Welt 22 Milliarden Euro an Erlösen ausgeschüttet. Europäische App-Hersteller verdienten demnach bisher 6,6 Milliarden Euro, davon allein rund 900 Millionen Euro in den vergangenen sechs Monaten.

          Die meisten Programmierer arbeiten nicht kostendeckend

          Allerdings fließen diese Einkünfte an eine relativ kleine Zahl von Entwicklern. Die Daten von Vision Mobile zeigen, dass mit 48,7 Prozent weniger als die Hälfte der Entwickler rund um die Welt mehr als 500 Dollar oder umgerechnet 441 Euro im Monat und je Anwendung verdient.

          Zwar gehören zu dieser Einkommensklasse auch Entwickler, die Anwendungen als Hobby oder als Nebenerwerbsprojekte programmieren, schreiben die Marktforscher. Dennoch sei es wahrscheinlich, dass die Mehrheit der Anwendungen nicht ihre Entwicklungskosten tragen können.

          Immerhin verdienen innerhalb der Europäischen Union 51,4 Prozent der Entwickler mehr als 500 Dollar – und damit leicht mehr als im Vergleich zur globalen Zahl. Gleichzeitig liegt aber auch der Anteil der besser verdienenden Entwickler recht hoch. Mehr als ein Drittel, nämlich 36 Prozent erwirtschaften mit ihren Anwendungen 4400 Euro oder mehr im Monat.

          Besonders erfolgreich mit Blick auf die Erlöse sind den Erkenntnissen der Marktforscher zufolge deutsche App-Entwickler. Hierzulande erlösen 27 Prozent von ihnen mehr 10.000 Dollar oder umgerechnet gut 8800 Euro im Monat. Das mache die deutschen Vertreter der App-Wirtschaft zu den erfolgreichsten in Europa. Zum Vergleich: In Frankreich erreichen lediglich 20 Prozent der Anwendungsprogrammierer Erlöse von mehr als 8800 Euro im Monat, in Großbritannien sind es 24 Prozent.

          Dabei nehmen App-Entwickler hierzulande noch einen vergleichsweise geringen Stellenwert am gesamten Arbeitsmarkt ein. In Deutschland arbeiten insgesamt 279.000 Menschen in dieser Industrie. Das macht laut den Markforschern einen Anteil von 0,7 Prozent an der Gesamtbeschäftigung aus. Die französische App-Wirtschaft erreicht mit insgesamt 194.000 Beschäftigten einen ähnlich hohen Anteil. In Großbritannien arbeiten demnach allerdings rund 339.000 Personen in dieser Branche, was umgerechnet 1,1 Prozent der berufstätigen Bevölkerung entspricht.

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