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Edward Snowden : „Wir haben ein feindliches Internet bekommen“

Edward Snowden wurde beim Technologie-Festival „South by Southwest“ im texanischen Austin per Videoübertragung zugeschaltet. Bild: AP

In Texas feiert die Tech-Szene ihren Helden Edward Snowden, der sich beim Technologie-Festival „South by Southwest“ per Video-Schaltung erstmals aus seinem Exil live vor amerikanischem Publikum gezeigt hat. Seine Botschaft war ein Aufruf zum Widerstand.

          Internetkonzerne wie Google und Facebook stellen sich in der Affäre um Überwachungsprogramme des amerikanischen Geheimdienstes NSA und anderer Behörden gerne als Opfer dar. Der frühere Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, auf den die Serie von Enthüllungen zurückgeht, nimmt aber auch die Unternehmen in die Pflicht. Bei einer Podiumsdiskussion in Austin, zu der er sich aus seinem Exil in Russland zuschaltete, sagte er, Google und Facebook sollten Verantwortung im Umgang mit Daten zeigen. Snowden fügte hinzu, er sei nicht grundsätzlich dagegen, dass Unternehmen Daten ihrer Nutzer einsammeln. Aber es sei nicht notwendig, die Daten unbegrenzt lange aufzubewahren.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die NSA-Affäre hat Google, Facebook und einige andere Wettbewerber in Erklärungsnot gebracht, zumal diese Unternehmen selbst wegen ihres Umgangs mit der Privatsphäre ihrer Nutzer immer wieder in die Kritik geraten. Chris Soghoian von der Bürgerrechtsorganisation ACLU sagte, Verbraucher sollten ihre Beziehung zu Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf die Verwertung von Daten ausgerichtet ist, „überdenken“: „Wenn Sie nichts für einen Dienst bezahlen, dann dreht sich das Geschäft um das Sammeln von Daten.“  Soghoian warf den Internetkonzernen vor, dass sie erst nach den Snowden-Enthüllungen ihre Anstrengungen verstärkt hätten, Verschlüsselungstechnologien einzusetzen und damit die Daten sicherer zu machen.

          Snowden traf in Austin auf ein freundlich gesinntes Publikum, es gab wiederholt lautstarken Applaus, manche stehenden Ovationen und kaum kritische Fragen. Snowden sagte, er habe die Konferenz in Austin für sein erstes Live-Interview vor amerikanischem Publikum gewählt, da Antworten auf die Enthüllungen über Geheimdienstaktivitäten nicht nur von der Politik kommen sollten, sondern auch von der Technologiegemeinde: „Wir haben ein feindliches Internet bekommen. Etwas, was wir nie wollten. Und dagegen müssen wir uns wehren.“

          Wiederholt sprach Snowden von der Bedeutung und der Wirksamkeit von Verschlüsselungstechnologien. Der amerikanischen Regierung warf er vor, mit ihren Spionageprogrammen die falschen Prioritäten zu setzen. Dass zum Beispiel Anschläge wie beim Marathonlauf in Boston passiert seien, führte er darauf zurück, dass die NSA zuviel Energie darauf verwendet habe, Daten von den Unternehmen einzusammeln.

          In Austin ist auch Eric Schmidt aufgetreten, der Verwaltungsratsvorsitzende von Google. Schmidt hielt sich bei einer Podiumsdiskussion aber sehr bedeckt mit Blick auf die Frage, welche Verantwortung Google selbst mit Blick auf Datenschutz trägt. Er wolle dazu keine Position beziehen, wenngleich sein Unternehmen natürlich „Teil der Infrastruktur des Internet“ sei. Schmidt sprach nur allgemein von der Gefahr der „Datenpermanenz“ und verwies auf die Verantwortung des Einzelnen. „Mir tut das 16 Jahre alte Mädchen leid, deren Freundin ein Video auf Youtube publiziert hat, in dem sie betrunken ist und sich erbricht, denn das wird nie verschwinden. Ihre beste Hoffnung ist, dass es neben den anderen Sachen untergeht.“

          Daneben griff Schmidt auch die amerikanische Regierung wegen ihrer Geheimdienstaktivitäten scharf an. „2010 sind wir von den Chinesen attackiert worden, 2013 von der NSA.“ Google sah sich im Jahr 2010 im Visier von Hackerangriffen aus China, stellte daraufhin seine dortige Suchmaschine ein und leitete Nutzer auf seine Seite in Hongkong um. Im Zuge der NSA-Affäre tauchte der Name von Google im Zusammenhang mit mehreren Spionageprogrammen auf. Schmidt sagte, Google versuche den Geheimdiensten ihre Arbeit mit Verschlüsselungstechnologien zu erschweren. Dabei gebe es Fortschritte: „Wir sind uns ziemlich sicher, dass die Informationen innerhalb von Google sicher vor neugierigen Blicken sind, auch seitens der Regierung.“

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