https://www.faz.net/-gqe-xp5c

Echtzeit-Werbesysteme : Werbung verfolgt den Nutzer im Netz

  • -Aktualisiert am

Mit der Brechstange: Im Internet ist der Grad zwischen sinnvoller und nervender Werbung schmal Bild: Yahoo

„Retargeting“ ist die neueste Mode in der Online-Werbung: Wer einen Online-Shop besucht, aber nichts kauft, bekommt anschließend überall im Netz Werbung für das gleiche Produkt eingeblendet. Das kann schnell nerven.

          2 Min.

          Man stelle sich folgende Situation vor: Ein Ladenbesitzer, dessen Geschäft ein Kunde ohne Kauf wieder verlassen hat, verfolgt den Kunden anschließend. Er bietet ihm in den folgenden Tagen dasselbe Produkt 10 Prozent billiger an. Oder er versucht, ihm beim nächsten Besuch des Einkaufszentrums ein ähnliches, aber beliebteres Produkt zum selben Preis schmackhaft zu machen. In der „Offline“-Welt ist dieses Szenario kaum vorstellbar, im Internet inzwischen aber üblich.

          „Retargeting“ heißt das Verfahren, mit dem Online-Händler den Menschen anschließend eine Werbung einblenden, die ihren Online-Shop ohne Kauf verlassen haben. Das Potential ist groß, denn rund 95 Prozent aller Besucher, die sich für ein Produkt interessieren, kaufen am Ende dann doch nicht.

          Ein Netzwerk der Werbung

          Weil sich die Menschen ganz offenbar für das Produkt interessieren, wirkt die Werbung. „Die Werbemittel werden etwa fünf- bis zehnmal so häufig angeklickt wie normale Werbung“, sagt Robert Lang, Deutschland-Chef des französischen Unternehmens Criteo, das sich auf das Retargeting spezialisiert hat. Das Unternehmen hat dafür einen Algorithmus für Produktempfehlungen entwickelt, der zum Beispiel ein Produkt vorschlägt, das viele andere Interessenten am Ende gekauft haben. Reagiert der Kunde nicht auf die Werbung, wird ihm beim nächsten Mal ein anderes Produkt gezeigt. Nahezu alle großen Online-Händler setzen diese Methode inzwischen ein, um Kunden zurückzuholen. In Deutschland setzen 200 Online-Händler auf die Software von Criteo.

          Damit das Retargeting funktioniert, spielen die Händler ihren Kunden ein sogenanntes Cookie auf die Festplatte. In dem kleinen Datenpaket wird unter anderem gespeichert, für welche Produkte sich der Nutzer bei seinem Besuch im Online-Shop interessiert hat. Selbst wenn der Nutzer die Seite des Shopbetreibers anschließend nicht mehr besucht, erhält er die passende Werbung auf anderen Seiten im Internet eingeblendet, die zum Netzwerk von Criteo gehören. Wird der Nutzer dann irgendwo im Netz wiedergefunden, wird die Werbung in Echtzeit zusammengesetzt und eingeblendet.

          Instrument der Kundenbindung

          Die Händler finden Retargeting gut, weil sie potentielle Kunden wieder zurückholen, die Effizienz der Werbung leicht messen und den Einsatz gut steuern können. „Viele Händler entdcken Retargeting erst jetzt für sich. 2011 und 2012 werden wir einen Hype um das Thema erleben“, erwartet Dirk Klose, Geschäftsführer des deutschen Retargeting-Spezialisten Newtention. Das Unternehmen hat inzwischen ein Netzwerk aufgebaut, mit dem sich 80 bis 90 Prozent der Nutzer später an anderen Stellen im Internet wiederfinden lassen.

          Als alleinige Werbeform taugt Retargeting allerdings nicht, denn es ist eher ein Instrument der Kundenbindung, mit dem sich aber keine neuen Kunden anlocken lassen. Retargeting kann auch leicht überdreht werden. „Einige Nutzer sind genervt, wenn die Werbung zu oft eingeblendet wird. Daher muss die Frequenz begrenzt werden“, sagt Marko Klimkeit, der Newtention aufgebaut, aber im vergangenen Jahr verlassen hat. Die Retargeting-Anbieter können zudem nicht wissen, ob der Kunde das gewünschte Produkt inzwischen in einem stationären Laden oder bei einem anderen Online-Händler gekauft hat. Eine Werbung für einen Last-Minute-Urlaub ist zum Beispiel nur eine begrenzte Zeit relevant. Wenn es zu diesem „Stalker-Effekt“ kommt, kann die Werbung auch schnell nerven.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Astra-Zeneca ist Hersteller eines schon in mehreren Ländern zugelassenen Impfstoffs gegen Covid-19.

          Impfstoff-Hersteller : Chef von Astra-Zeneca weist Vorwürfe der EU zurück

          Die EU habe keinen Grund, über Lieferengpässe zu klagen, sagt Pascal Soriot. Brüssel habe erst spät unterschrieben, es gebe keine Pflicht für eine bestimme Menge. Meldungen, wonach der Astra-Zeneca-Impfstoff nicht bei Älteren wirke, bezeichnete er als „dummes Zeug“.
          Eine überwältigende Mehrheit der Republikaner im Senat steht hinter Donald Trump und hat gegen die Fortsetzung des Amtsenthebungsverfahren gegen ihn gestimmt.

          Verfahren gegen Trump : Fast alle Republikaner im Senat gegen Impeachment

          Nur fünf republikanische Senatoren stimmen mit den 50 Demokraten für den Fortgang des Amtsenthebungsverfahrens gegen den früheren amerikanischen Präsidenten. Die anderen halten es für verfassungswidrig. Damit wird eine Verurteilung extrem unwahrscheinlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.