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E-Mail-Aufkommen : 625 Milliarden Nachrichten im Posteingang

„Nee, näh?“: Im Jahr 2000 waren E-Mails noch etwas ganz Besonderes, auch für Wimbledon-Sieger Boris Becker Bild: dpa

Trotz Whatsapp und Co: Die als altmodisch geltende E-Mail stirbt nicht aus, im Gegenteil. Hierzulande werden so viele E-Mails verschickt wie nie zuvor. Wieso?

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          Kaum ein Geräusch gehört so selbstverständlich zum Arbeitsalltag wie das Klingeln, wenn eine neue E-Mail eintrifft. Seit Jahren versuchen Unternehmen - unterstützt von findigen Start-ups und aufstrebenden sozialen Netzwerken - die E-Mail-Flut zu beschränken. Glaubt man den Facebooks, Googles und Amazons dieser Welt, ist die schriftliche Kommunikation mit der E-Mail eigentlich überholt. Der sagenhafte Erfolg von Kurzmitteilungsprogrammen wie dem Messenger von Facebook oder dem ebenfalls zu dem sozialen Netzwerk gehörenden Dienst Whatsapp macht den Anschein, als würde heutzutage vermehrt über Chatprogramme kommuniziert. Mehr als eine Milliarde regelmäßiger Nutzer zählen allein die beiden Facebook-Dienste. Andere Unternehmen entwickeln dafür sogenannte Chatbots, automatisierte Programme, die zum Beispiel Flugbuchungen über ein vermeintliches „Gespräch“ in einem Chatprogramm möglich machen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Trotzdem führen alle diese Programme nicht dazu, dass die E-Mail verschwindet. Zwar hat die Zahl der SMS abgenommen, doch häufig sind die Gespräche in sozialen Netzwerken zusätzliche Kommunikation. Lustige Animationen oder Emoticons, kurze Nachfragen unter Freunden oder Kollegen, sind keine klassischen Mail-Inhalte. So ist das E-Mail-Aufkommen allein in Deutschland im vergangenen Jahr auf 625,8 Milliarden gestiegen. Das ergibt eine Auswertung von GMX und Web.de, den beiden größten E-Mail-Anbietern in Deutschland, die zum Unternehmen 1&1 gehören. Durch die kostenlosen E-Mail-Angebote decken die Anbieter gut die Hälfte des Marktes in Deutschland ab und rechnen das mit Statistiken der Radicati Group und Markterhebungen hoch. Die Zahl der verschickten E-Mails hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht, mit der eigenen Prognose für das Jahr 2016 lagen GMX und Web.de sogar deutlich unter der tatsächlichen Zahl. Für das laufende Jahr rechnen die Marktforscher mit einem abermaligen Anstieg auf 732,2 Milliarden Nachrichten (siehe Grafik).

          Bild: F.A.Z.

          Die sozialen Netzwerke verringern die E-Mail-Flut nicht, sondern vergrößern sie sogar. Denn nach der Auswertung der E-Mail-Anbieter sind sie für einen großen Teil der versendeten Nachrichten verantwortlich. Unternehmen wie Facebook, Twitter, Xing oder Linkedin schicken ihren Nutzern regelmäßig Benachrichtigungen oder Erinnerungen. Wenn den Nutzern nämlich langweilig wird im Netzwerk und sie es weniger besuchen, wird das dort registriert. Wer seine Benachrichtigungen nicht ordentlich konfiguriert hat, bekommt ständig Hinweise auf vermeintlich spannende Inhalte oder Nachrichten, die man verpasst, wenn man sich nicht anmeldet.

          Spam-Niveau so hoch wie seit 2010 nicht mehr

          Die sozialen Netzwerke möchten, dass man so viel Zeit wie möglich in ihrem Angebot verbringt, deshalb betteln sie geradezu um Aufmerksamkeit. „Die E-Mail ist weiterhin das Kommunikationsmittel Nummer eins für die Reaktivierung“, sagt Jan Oetjen, Geschäftsführer von Web.de und GMX. Auch Online-Händler wie Amazon oder Ebay nutzen die E-Mail für Bestellbestätigungen, Sonderangebote oder Zahlungserinnerungen. „Zu einem noch höheren Anstieg des E-Mail-Aufkommens könnte der große Trend führen, die Briefpost zunehmend elektronisch zu ersetzen“, sagt Oetjen. Doch werden gerade in Deutschland immer noch viele Briefe verschickt, die Deutsche Post stellt jeden Tag 61 Millionen von ihnen zu. Gerade geschäftliche Kommunikation wird zum großen Teil noch in echte Briefumschläge verpackt, auch wenn nicht nur die Post, sondern auch die E-Mail-Anbieter daran arbeiten, diesen Bereich zu digitalisieren.

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