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E-Commerce-Markt Russland : Multihändler kauft Schuhversender

Ozon-Vorstandschefin Maelle Gavet Bild: AFP

Ozon.ru gilt als russisches Amazon. Nun hat das Unternehmen den Internetschuhshop Sapato.ru gekauft - deutsche Wagniskapitalgeber reiben sich die Hände.

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          Bislang waren Schuhe auf der russischen E-Commerce-Plattform Ozon.ru eine von vielen Kategorien - im Auswahlmenü auf der Website eingezwängt  zwischen Schönheitsprodukten und Accessoires. Nun könnte Ozon ein Zukauf auf dem Heimatmarkt bei Fußbekleidung nach vorne bringen: Die als „russisches Amazon“ geltende Handelsplattform hat den führenden russischen Online-Schuhhändler Sapato.ru gekauft.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Über die Kaufsumme schweigen sich die beiden Unternehmen aus. Umso größer ist aber die Zufriedenheit über die Fusion. „Sapatos Erfahrung wird uns nützlich sein, weil Ozon früher nicht aktiv im Modemarkt gearbeitet hat“, ließ sich Maelle Gavet, die französische Vorstandsvorsitzende  von Ozon bei der Bekanntgabe der Fusion zitieren. Die Eingliederung Sapatos sei ein Schritt, als dessen Resultat Ozon seinen Kunden noch mehr Vielfalt anbieten könne.

          Weitere Investitionen geplant

          Der Ozon-Präsident, Bernard Lukey ergänzte: „Wir haben uns zusammen mit unseren Anteilseigner entschlossen, Sapato zu erwerben, weil wir gesehen haben, dass es die herausragende Plattform für Schuhverkauf im russischen Internet ist.“ Lukey kündigte an, weiter in das Projekt investieren zu wollen.

          Die Fusion von Ozon und Sapato ist auch ein Erfolg für den internationalen Frühphaseninvestor Eventure Capital Partners aus Hamburg. Eventure war bisher gemeinsam mit seinem Partner, dem russischen Wagnisfinanzierer Fast Lane Ventures, sowie anderen Finanziers an Sapato beteiligt. Die Investoren hatten zusammen 20 Millionen Dollar in die Hand genommen, um den russischen Onlineschuhhändler beim Aufbau seines Geschäfts zu unterstützen.

          Hohe Entwicklungsdynamik in Russland

          Die hundertprozentige Übernahme bestätige nun, das durch die Investoren Eventure und Fast Lane geprägte internationale Geschäftsmodell mit schnellem Wachstum, hieß es in einer Mitteilung von Eventure. In weniger als zwei Jahren habe sich Sapato mit 2,5 Millionen Seitenabrufen pro Monat zum drittgrößten Online-Shop in Russland entwickelt. Das Unternehmen beschäftige heute gut 100 Mitarbeiter und erwirtschafte einen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich.  „Der Verkauf ist der größte Exit im E-Commerce in Russland seit Monaten. Wir erleben eine bemerkenswerte Entwicklungsdynamik“, sagte Andreas Haug, Partner bei Eventure. Russland zähle zu den Märkten auf der Welt, die das größte Wachstumspotential im E-Commerce hätten.

          Nach einem Bericht des französischen Internet-Strategieentwickler Faber Novel hat der russische E-Commerce-Markt großes Aufholpotential in zweierlei Hinsicht: Einerseits wird das Land voraussichtlich auch künftig noch große Wachstumsraten bei den Internetnutzern verzeichnen. Haben 2010 45 Millionen Russen über 18 Jahre das Internet mindestens einmal im Monat genutzt, werden es 2015 70 Millionen sein - ein Wachstum um mehr als 50 Prozent. Zum anderen ist der Pro-Kopf-Umsatz im E-Commerce vergleichsweise niedrig. Während in Frankreich jeder Internetznutzer umgerechnet rund 980 Dollar im Jahr ausgibt, sind es in Russland bislang verschiedenen Schätzungen zufolge 110 bis 220 Dollar.

          Folgt man Daten des Marktforschers Euromonitor International hat sich Ozon mit dem Geschäft von Sapato einen dritten Wachstumstreiber gesichert: Nach einer Prognose steigt der mit Kleidung generierte Umsatz in den nächsten drei Jahren insgesamt um rund 22 Prozent. Schuhe haben dabei aber einen überproportionalen Anteil von rund 27 Prozent.

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