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E-Books : Amazons nächster Coup

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Die Verlage sind so empfindlich, weil die künftigen Preise für E-Books Einfluss auf die Gewinn-und-Verlust-Rechnung und die Tantiemen der Autoren haben. 2010 kostete ein E-Book in Deutschland noch durchschnittlich etwas mehr als 10 Euro, 2013 waren es nur noch knapp 7,60 Euro. Und der Druck wächst. Derzeit ist das E-Book noch ein gutes Geschäft für die Verlage. Es kommt ohne Druck- und Papierkosten aus, ohne Logistik und ohne teuren Versand. Und die Verlage verkaufen es trotzdem nur etwa 20 Prozent billiger als ein normales Buch. Denn sie dürfen - Buchpreisbindung - ihre Preise selbst setzen. Da wird ordentlich Geld verdient, da will jeder ran.

Wer bekommt wie viel ab von dem, was ein E-Book einbringt?

So steht im Zentrum des öffentlich ausgetragenen Kampfes vor allem eine Frage: Wer bekommt wie viel ab von dem, was ein E-Book einbringt? Also: Wie viel bekommt Amazon (über Rabatte)? Wie viel der Verlag? Wie viel der Autor? Und wie viel vielleicht auch der Leser (über einen niedrigeren Preis)?

Amazon hat in diesem Konflikt die außergewöhnliche Machtposition, dass es die Verlage von zwei Seiten unter Druck setzen kann. Einerseits durch seine schiere Marktmacht beim E-Book-Vertrieb. Andererseits setzt Amazon die Verlage unter Druck durch die guten Konditionen, die der Konzern seinen Autoren in seinem E-Book-Eigenverlag bietet. Die Autoren bekommen zwar kein Lektorat, sie gestalten ihre Cover selbst, sie kümmern sich selbst um Vermarktung und Preise.

Dafür bekommen sie gute Konditionen: 35 Prozent vom Verkaufspreis sind die Regel, 70 Prozent vom Verkaufspreis sind möglich. Vom Verlag hingegen bekommen Autoren in der Regel nur 25 Prozent von dem, was der Verlag mit dem Buch verdient, also abzüglich der hohen Rabatte für Amazon.

Deutliche Machtverschiebung findet statt

So ist der öffentliche Kampf zwischen Verlagen, Autoren und Amazon, der gerade stattfindet, vor allem ein Indikator dafür, dass gerade eine deutliche Machtverschiebung stattfindet: weg von den Verlagen, hin zu Autoren und zu Amazon. Für die Verlage ist das bedrohlich; kein Wunder, dass sie um ihre Macht kämpfen. Aber ob das auch für Autoren und Leser schlecht ist, ist unklar.

Leser könnten sogar profitieren - durch niedrigere Preise. In Amerika kann man einen älteren Ken Follett auf dem Kindle längst schon für zwei bis drei Dollar lesen, während er bei uns noch zehn Euro kostet. Häufig sind die E-Books dort nur halb so teuer wie die Taschenbuchausgabe, ganz anders als in Deutschland.

Für die Autoren, die sich derzeit so sehr auf die Seite der Verlage schlagen, ist die Lage weniger eindeutig. Gibt es durch Amazon mehr Wettbewerb um die Autoren, ist das erst einmal gut für sie, denn sie bekommen bessere Konditionen. Aber das kann auch umschlagen, wenn ihnen irgendwann statt vieler kleiner Verlage ein großes Amazon gegenübersteht und die Konditionen diktiert.

Verlage haben viele Autoren auf ihrer Seite

So weit ist es allerdings noch lange nicht, wahrscheinlich wird es nie so weit kommen. Denn die Verlage haben viele Autoren auf ihrer Seite, und die sind die eigentlichen Monopolisten auf dem Buchmarkt: Sie bieten ihre Inhalte exklusiv an, und auch Amazon kann es sich nicht leisten, einen aktuellen Bestseller nicht liefern zu können.

Zudem erkennen manche Verlage nun, um was es zu kämpfen gilt. Das ungeliebte E-Book muss als eigenständiges Produkt erkannt werden mit eigenen Gesetzen und Preisen. Der Chef des Carl Hanser Verlags Jo Lendle etwa sieht das so. „E-Books sind jetzt in der Situation wie die Taschenbücher vor einigen Jahren“, sagt er. „Sie waren ursprünglich gedacht als zweite Verwertungsstufe eines Buchs. Jetzt werden sie zu einem eigenständigen Produkt.“ Hanser bringt nun die Hanser Box heraus: ein eigenes Programm mit Titeln, die nur als E-Book erscheinen. Meist kürzer und viel günstiger als „normale“ Bücher. Ein Thomas-Glavinic-52-Seiter mit dem Titel „Sex“ für 2,99 Euro, eine Erzählung von T. C. Boyle für den gleichen Preis.

Mal sehen, ob sie mit Poppy J. Anderson mithalten können.

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