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E-Book-Reader : Lesen wird digital

Der neue Amazon Kindle ist da Bild: AFP

Der Online-Händler Amazon hat sich mit dem elektronischen Lesegerät Kindle hohe Ziele gesteckt. Der Markt zieht viele Wettbewerber an. Buchverlage und Zeitungen sind hoffnungsfroh und misstrauisch zugleich: Wer wird an dem Geschäft letztlich verdienen?

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          Jeff Bezos hat viele Gründe, Papier zu mögen. Der Vorstandsvorsitzende des Internetmarktplatzes Amazon.com hat schließlich seine Karriere in nicht unerheblichem Maße bedrucktem Papier zu verdanken.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Amazon ist als Online-Händler von Büchern erfolgreich geworden, und bis heute sind Bücher ein wesentlicher Teil des Geschäfts, auch wenn das Unternehmen sein Sortiment längst auf viele andere Segmente von Bekleidung über Computer bis hin zu Lebensmitteln ausgeweitet hat.

          Und doch arbeitet Bezos zielstrebig daran, Bücher und andere Druckerzeugnisse überflüssig zu machen. „Es wäre nicht schlecht, wenn wir uns zu einer papierlosen Gesellschaft hinbewegen würden“, sagte Bezos in dieser Woche bei der Vorstellung der nächsten Generation seines elektronischen Lesegeräts Kindle in New York. Bücher, Zeitungen und Dokumente - all das will Bezos mit dem Kindle digitalisieren.

          Er hätte gerne eine papierlose Gesellschaft: Amazon-Gründer Jeff Bezoz

          Schon die zweite Neuheit in diesem Jahr

          Bezos weiß, dass seine Vision einer papierlosen Gesellschaft Zukunftsmusik ist, und er fand dafür bei seiner Präsentation ein treffendes Beispiel: Druckertinte und Toner - laut Bezos die „bösartigen Gefährten“ von Computern - sind noch immer ein glänzendes Geschäft, nicht zuletzt für Amazon (“Wir verkaufen viele von diesen Dingern“). Im Computerzeitalter werde mehr gedruckt als je zuvor.

          Bezos kann es Menschen nicht verdenken, wenn sie es angenehmer und praktischer finden, Inhalte auf Papier anstatt auf dem Computerbildschirm zu lesen. Er hofft aber, dass er dies mit dem Kindle ändern kann.

          Bezos hat mit der Vorstellung des neuen „Kindle DX“ eine weitere Offensive in einem Markt gestartet, in dem sich nach einem zähen Beginn die Ereignisse überschlagen. Im Moment kommt ein neues Produkt nach dem anderen auf den Markt. Neben Amazon hat in dieser Woche auch der deutsche Weltbild-Verlag ein digitales Lesegerät mit dem Namen Cybook vorgestellt.

          Für Amazon war die Präsentation vor wenigen Tagen schon das zweite neue Kindle-Modell in diesem Jahr. Den Kindle gibt es bislang nur in Amerika, und Amazon hat noch keinerlei Angaben zu einem möglichen Start in anderen Ländern gemacht.

          E-Ink ist inzwischen Standard

          Digitale Lesegeräte sind keine völlig neue Erfindung. Schon vor mehr als zehn Jahren gab es die ersten Modelle mit Namen wie Rocket E-Book oder Softbook zu kaufen. Die Produkte hatten zwar eine eingeschworene Fangemeinde, konnten sich aber nie in der Masse etablieren und wurden schließlich eingestellt. Es gab zu wenig Titel in digitaler Form, die Preise für die elektronischen Bücher waren zu hoch, die Speicherkapazität der Geräte war begrenzt und die Bildschirme nicht leserfreundlich.

          Einen großen Sprung nach vorne gab es im Jahr 2006, als der japanische Unterhaltungskonzern Sony den E-Book-Reader einführte. Der Sony-Reader war das erste Gerät mit der Bildschirmtechnik von E-Ink, einem kleinen Unternehmen aus der Nähe von Boston.

          Diese „elektronische Tinte“ von E-Ink erlaubt einen hohen Kontrast und kommt ohne Hintergrundbeleuchtung aus, was das Lesen für die Augen weniger ermüdend macht. Die E-Ink-Technik ist mittlerweile zum Standard in der Branche geworden.

          Vergleiche zu iPod und iTunes

          Im Herbst 2007 sorgte Amazon mit der Vorstellung des Kindle für einen Paukenschlag. Beobachter trauten dem amerikanischen Unternehmen zu, mit dem Kindle den entscheidenden Durchbruch bei den Lesegeräten zu schaffen. Amazon brachte schließlich die besten Voraussetzungen mit. Das Unternehmen hat sich als Online-Buchhändler bei den Verbrauchern etabliert und verfügt über langjährige Beziehungen zu den Verlagen.

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