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„Drosselkom“ auf der Republica : Regulierer fordert Transparenz bei neuen Telekom-Tarifen

Die Telekom will Internet-Kabel manchmal langsamer arbeiten lassen. Bild: dpa

Die umstrittenen neuen Internet-Tarife der Telekom werden von der Bundesnetzagentur geprüft. Die fordert mehr Informationen, sagte die zuständige Referentin auf der Internet-Konferenz Republica.

          Die Bundesnetzagentur fordert mehr Transparenz von der Telekom im Zusammenhang mit geplanten Tarifen, die eine Datendrosselung vorsehen. „Wir werden dieses Thema sehr kurzfristig sehr entschieden angehen“, sagte Cara Schwarz-Schilling, Referatsleiterin für Internet-Grundsatzfragen der Bundesnetzagentur, auf der Internetkonferenz Republica. „Wenn ich abends meinen Tatort sehen will, muss ich wissen, ob ich damit an meinen Deckel komme und am nächsten Morgen nicht mehr surfen kann“, sagte Schwarz-Schilling. „Deshalb brauchen wir darüber Fakten.“

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Deutsche Telekom will im Jahr 2016 neue Tarife einführen, in denen die Nutzer monatlich nur noch ein gewisses Maß an Daten aus dem Internet nutzen können. Danach wird die Geschwindigkeit gedrosselt. Einige Telekom-eigene Dienste sollen trotzdem schnell bleiben. Das gilt für Telekom-Kunden, nach dem 1. Mai einen neuen Vertrag abgeschlossen haben, wahrscheinlich auch für die, die danach ihren Tarif gewechselt haben.

          Die Telekom sagt, die Drosselung treffe nur drei Prozent ihrer Nutzer. Unter Internet-Freunden hat sie sich mit diesem Tarif aber unbeliebt gemacht, unter dem Schlagwort „Drosselkom“ hat sie in den vergangenen Tagen viel Spott abbekommen.

          „Volumentarife sind nichts neues“

          „Volumentarife sind nichts wahnsinnig neues, früher war jeder Internetzugang mit Volumen verbunden“, sagte Schwarz-Schilling. Dazu komme, dass die Telekom im Geschäft mit den Endkunden den Markt nicht beherrsche und darum ihre Tarife nicht genehmigen lassen muss. „Aber natürlich ist die Frage: Wer wird da getroffen, und wie wird das Verhalten jedes Nutzers beeinflusst? Deshalb haben wir die Telekom angeschrieben und wollen wissen: Wie viele Nutzer brauchen wie viel Daten?“

          Zwei Themen sind aus Sicht der Netzagentur wichtig: Erstens: Wie stark steigt die Datennutzung bis zur Einführung der Tarife im Jahr 2016? Und zweitens: Wie bekomme der Nutzer bessere Informationen?

          „Beeinflusst das Surfverhalten“

          Die Nutzer sollten künftig tatsächlich mehr über ihren Datenverbrauch erfahren, kündigte Telekom-Manager Jan Krancke an, der bei dem Konzern die Abteilung Regulierungsstrategie und Ökonomie leitet. Er versprach: Die Telekom will Nutzern ein Programm anbieten, mit dem sie ihren Datenverbrauch kontrollieren können.

          Das reicht aber nicht jedem. „Es beeinflusst das Surfverhalten, wenn man vor einem Link überlegen muss, wie viele Daten kommen. Ich war froh, dass wir das vor zehn Jahren hinter uns gelassen haben“, sagte Klaus Landefeld, Vorstand des Internetverbands Eco.

          Er macht sich auch Sorgen um Konkurrenzdienste. Wenn die Telekom ihren eigenen Fernsehdienst Entertain bevorzugt, werden dann Konkurrenzdienste wie das Internetfernsehen Zattoo benachteiligt? Diese Diskussion läuft unter dem Schlagwort „Netzneutralität“.

          „Wir werden auch prüfen, inwieweit Netzneutralitäts-Aspekte betroffen sind“, kündigte Schwarz-Schilling weiter. Dabei achte sie auch auf das Internet-Musikangebot Spotify, das mit der Telekom kooperiert und dessen Nutzung schon auf dem Handy nicht in die Datenkontingente der Nutzer gezählt wird.  „Wir machen jetzt erst mal unsere Hausaufgaben.“

          Eines allerdings sei auf jeden Fall gesichert, sagte Telekom-Manager Krancke: die Transparenz über die neuen Tarife. „Was wünschen Sie sich denn mehr an Transparenz, als wir in den letzten 14 Tagen hatten?“

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