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Doc-Morris-Gründer Ralf Däinghaus : Der Apotheker-Schreck

  • -Aktualisiert am

Däinghaus: „Bringe schon mal einen Kaffee raus” Bild: picture-alliance/ dpa

Doc Morris-Gründer Ralf Däinghaus feiert Erfolge vor Gericht, und mit Lust spottet er über das Selbstmitleid der Apotheker. Doch so stürmisch, wie Däinghaus gern den Anschein erweckt, wächst die Internet-Apotheke nicht mehr.

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          Der Schrecken der deutschen Apotheker ist eines gerade nicht: Apotheker. Ralf Däinghaus besitzt keine Lizenz für Pillen und Salben. Der Mann, Jahrgang 1967, verheiratet, eine Tochter, studierte Informatik, ehe er die Internet-Apotheke Doc Morris gründete. Im Jahr 2000 war das, noch in der Euphorie der New Economy.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Firma nahm damals ihren Sitz in einem Industriegebiet in Holland; eine halbe Stunde hinter Aachen, da der Versandhandel mit Medikamenten in Deutschland noch verboten war. Erst 2004 hat die rot-grüne Bundesregierung dies geändert. Aber Däinghaus pendelt weiterhin von Düsseldorf in sein Büro nach Holland; sofern er nicht gerade unterwegs ist, in Berlin Gesundheitspolitiker becirct oder vor Gerichte geladen ist.

          Gegen die „Verbandskasper verteidigen“

          In Saarbrücken hat er jetzt fürs erste Recht bekommen. Er muß die stationäre Apotheke, die er dort im Juli eröffnet hat, nicht gleich wieder schließen. Ein erster symbolischer Erfolg, in der Sache sind noch mehrere Verfahren anhängig. Den genauen Überblick über die juristischen Fehden habe er verloren, kokettiert der Unternehmer: „Ich bin an Prozesse gewöhnt.“

          Europäische Versandapotheke DocMorris in Heerlen

          Von Anfang an haben ihn die Apotheker mit bitterem Ernst bekämpft; ihn mit Anzeigen und Schmähbriefen überzogen, sogar Detektive wurden vor seiner Firma postiert: „Den armen Jungs bringe ich schon mal einen Kaffee raus“, hat Däinghaus erzählt, dankbar für die Chance, sich als unbekümmerter Angreifer zu empfehlen gegen die „Verbandskasper, die mit allen Mitteln ihre Pfründe verteidigen“.

          „Danke, Apotheker!“

          Deren Widerstand hat er für seine PR-Strategie einkalkuliert. Wie sonst hätte er sich mit wenig Geld bekannt machen sollen? Was wäre zur Einführung der Marke Doc Morris besser geeignet gewesen, als die Unterschriftenaktion, die dagegen veranstaltet wurde? „Danke, Apotheker!“, höhnte der sommersprossige Unternehmer, der Nadelstreifen-Anzüge mit forschen Sprüchen kombiniert.

          Jung, frech, angriffslustig - und trotzdem seriös. So präsentiert sich Däinghaus als frohgemuter Kontrast zu den graugesichtigen Funktionären der Apotheker-Zunft. Als Heilberufler beanspruchen sie besonderen staatlichen Schutz vor den Unbillen der bösen Marktwirtschaft. Nichts empört die Apotheker mehr, als mit gewöhnlichen Kaufleuten verglichen werden.

          Realität hält nicht mit seinen kecken Sprüchen Schritt

          Däinghaus ist mit Leib und Seele Kaufmann. Mit Lust spottet er über das Selbstmitleid der Apotheker, die bei jeder noch so kleinen Reform den Tod des Berufsstandes besingen und damit auch noch Erfolg bei den Regierenden haben: Sowohl die Zahl der Apotheken als auch deren Umsätze sind in den vergangenen Jahren gestiegen - der öffentlich zelebrierten Depression zum Trotz. Das Geschäft sei durchaus attraktiv, frohlockt Däinghaus. „Auch wenn die Apotheker immer jammern.“

          Däinghaus jammert nie. Sein Problem ist eher, daß die Realität nicht mit seinen kecken Sprüchen Schritt hält. Acht Prozent Marktanteil hat er für den Internethandel mit Medikamenten prognostiziert. Etwa ein Prozent sind es im Moment. DocMorris will daher in neue Geschäftsfelder vorstoßen: Doc Morris-Generika soll es geben, auch Doc Morris-Kuren.

          Ziel ist der Börsengang

          Denn so stürmisch, wie Däinghaus gern den Anschein erweckt, wächst die Internet-Apotheke nicht mehr. DocMorris schrieb 2003 zwar erstmals Gewinn, die Erlöse liegen jedoch weit hinter den ursprünglichen Prognosen zurück. 300 Millionen Euro Umsatz hatte Däinghaus einst als Ziel für dieses Jahr ausgegeben. Jetzt rechnet er noch mit gut der Hälfte. Im Vorjahr kam er gerade auf 150 Millionen Euro Umsatz, bei einer „guten einstelligen Rendite“.

          Acht Prozent der Anteile an Doc-Morris gehören dem Geschäftsführer selbst, der überwiegende Teil Finanzinvestoren. Deren Ziel war es von Anfang an, das Unternehmen an die Börse zu bringen. Doch das zieht sich. 2006 hatte Däinghaus zuletzt als Termin genannt. Daraus wird wohl nichts, ist jetzt aus dem Unternehmen zu hören. Symbolische Siege vor Gericht reichen noch nicht zur Börsenstory.

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