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Diskriminierung von Frauen? : Von „Bros“ und „Brogrammern“

Auch Barney und Ted schwören in der Serie „How I met your mother“ auf die Bro-Kultur. Bild: 20th Century Fox International Television

Die Skandalserie beim Fahrdienst Uber lenkt den Blick auf die Machokultur im Silicon Valley. Mit Frauen im Topmanagement sähe das ganz anders aus, hieß es jetzt bei der Digitalkonferenz „South by Southwest“.

          Jemanden in Amerika „Bro“ zu nennen, ist oft völlig harmlos. Zum Beispiel in „What’s up, Bro?“, was einfach nur eine kumpelhafte Begrüßungsfloskel unter Männern sein kann. Aber diese Kurzform von „Brother“ ist auch eine nicht immer schmeichelhafte Bezeichnung für junge Männer mit machohaftem Gehabe. „Fraternities“, also amerikanische Studentenverbindungen, sind zum Beispiel für dieses Macho-Gehabe berüchtigt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Und diese Spezies findet offenbar auch ihren Weg von den Universitäten in die Start-up-Szene. Zwar gibt es das Klischee, dass sich im Silicon Valley viele unbeholfene Streber tummeln, aber in Wahrheit wird Unternehmen oft nachgesagt, sie hätten eine „Bro-Kultur“. Soll heißen, das Geschehen wird von einem aggressiven Typus männlicher Mitarbeiter bestimmt. Softwarespezialisten, auf die diese Beschreibung zutrifft, werden manchmal auch „Brogrammer“ genannt.

          Eine Frau als Unterstützung für den Uber-Chef?

          Die Bro-Kultur ist auch ein Thema mehrerer Veranstaltungen auf der Digitalkonferenz „South by Southwest“, und für diese Debatte gibt es einen aktuellen Anlass. Denn kaum ein Unternehmen wird so sehr mit dieser Mentalität in Verbindung gebracht wie der Fahrdienst Uber aus San Francisco, der zuletzt wegen seines Arbeitsumfeldes in die Negativschlagzeilen geraten ist. Eine frühere Mitarbeiterin hat Uber mit einem Blogeintrag blamiert, in dem sie ein frauenfeindliches Arbeitsklima im Unternehmen beklagte und den Vorwurf erhob, sie sei dort von ihrem ehemaligen Vorgesetzten sexuell belästigt worden. Eine andere frühere Uber-Beschäftigte ging kurz danach mit ähnlichen Anschuldigungen an die Öffentlichkeit. Daraufhin wurden Schlag auf Schlag noch andere Dinge publik, die zwar nicht immer mit Fehlverhalten gegenüber Frauen zu tun hatten, aber ein schlechtes Licht auf die Unternehmenskultur von Uber warfen. Beispielsweise wurde über eine Software berichtet, mit dem Uber Behörden getäuscht haben soll, und es wurde ein Video vom Vorstandsvorsitzenden Travis Kalanick veröffentlicht, wie er einen seiner Fahrer übel beschimpfte.

          Kein gutes Image: Uber-Vorstandschef Travis Kalanick

          Dan Lyons, ein Journalist und Buchautor, der zeitweise selbst für ein Start-up gearbeitet hat, führte bei einem Vortrag in Austin die Turbulenzen des Fahrdienstes auf seine „Bro-Kultur“ zurück. Der Blogeintrag über das Arbeitsumfeld habe die „Schleusen geöffnet“, und danach sei eine unschmeichelhafte Geschichte nach der anderen an die Öffentlichkeit gedrungen, was nun das ganze Unternehmen in eine prekäre Position gebracht habe. Lyons sagte, nach seiner Meinung würde der Fahrdienst heute nicht in diesem Schlamassel stecken, wenn er jemanden wie Sheryl Sandberg im Top-Management gehabt hätte. Sandberg führt als Chief Operating Officer die Geschäfte des sozialen Netzwerks Facebook und ist damit so etwas wie die rechte Hand des Vorstandschefs Mark Zuckerberg. Uber-Chef Kalanick sagte vor wenigen Tagen, er wolle nun ebenfalls einen Chief Operating Officer rekrutieren, und Medienberichten zufolge hofft das Unternehmen, eine Frau für diesen Posten zu gewinnen.

          „Es könnte zu spät sein, Uber noch zu retten.“

          In einer „Bro-Kultur“ kommen nach Lyons Beschreibung vor allem weiße, junge Männer voran, auf Kosten von Frauen und Mitarbeitern, die älter sind und anderen ethnischen Gruppen angehören. Ein „Bro-Vorstandschef“ versuche üblicherweise, Abbilder von sich selbst zu rekrutieren, aus der Kategorie „jemand, mit dem ich gerne nach der Arbeit ein Bier trinken würde“. Frauen könnten hier nur bestehen, „wenn sie wissen, wie man mit diesen Jungs umgeht“. Nicht nur Uber wird solch ein Arbeitsumfeld nachgesagt, und Frauen sind allgemein bei vielen Unternehmen aus der Technologiebranche unterrepräsentiert.

          Dass sich diese Kultur im Silicon Valley hält, führte Lyons darauf zurück, dass auch viele der dort ansässigen Wagniskapitalgeber in ihren jüngeren Jahren in die „Bro“-Kategorie gefallen seien, weshalb sie oft in Gründer mit ähnlicher Mentalität investierten. Lyons meint aber, womöglich könnte die Geschichte der früheren Uber-Mitarbeiterin eine Art heilsamer Schock für die Technologiebranche sein und damit auch „der Anfang vom Ende der Bro-Kultur“. Doch für Uber ist der Schaden nach seiner Auffassung vielleicht angerichtet: „Es könnte zu spät sein, Uber noch zu retten.“

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