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Digitalkonferenz SXSW : Eine Front gegen Trump

In Wirtschaftsfragen der Kanzlerin gegenüber skeptisch: Donald Trump Bild: dpa

Politik spielt auf der „South by Southwest“ in diesem Jahr eine besonders große Rolle. Die Meinungen sind eindeutig – und die großen amerikanischen Medien werden wie Helden verehrt.

          3 Min.

          Egal, welche Veranstaltung man in diesen Tagen auf der „South by Southwest“ besucht und um welches Thema es geht: Die Chancen sind sehr hoch, dass irgendwann Donald Trump zur Sprache kommt. Dabei sind die Sympathien klar verteilt, ob nun bei den Rednern oder im Publikum. Es ist kaum ein gutes Wort über den amerikanischen Präsidenten zu hören. Das Digitalfestival ist eine politisch sehr einseitige Angelegenheit.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der bekannte amerikanische Investor Chris Sacca zum Beispiel, der sich bei Unternehmen wie Twitter und Uber beteiligt und früher bei Google gearbeitet hat, beschränkte sich bei seinem Auftritt nicht darauf, über die Technologieszene zu sprechen. Über den Regierungswechsel sagte er: „Es ist wirklich hart für mich“, wobei er gleichzeitig zugab, dass er persönlich davon profitieren könnte: „Ich werde Millionen von Dollar an Steuern sparen, und als weißer Mann muss ich mir wohl keine Sorgen machen, aber ich fühle mich krank.“ Sacca sagte auch, er habe keinerlei Verständnis für Manager, die Nähe zum amerikanischen Präsidenten suchen, etwa indem sie einen Sitz in einem seiner Beratungsgremien angenommen haben: „Das legitimiert einen Faschisten.“

          Die von Trump so oft gescholtenen Medien werden derweil in Austin wie Helden behandelt. Wenn Vertreter von „New York Times“, „Washington Post“ oder anderen großen amerikanischen Medienhäusern an Podiumsdiskussionen teilnahmen, bekamen sie oft überschwängliches Lob für ihre Arbeit aus dem Publikum. Dean Bacquet, der Chefredakteur der „New York Times“, sagte auf einer Veranstaltung, seine Zeitung bekomme derzeit regelmäßig feindselige E-Mails, und er mache sich auch Sorgen um die Sicherheit seiner Mitarbeiter. Das Weiße Haus zeige Verachtung für die Presse, und es sei schwierig, über Donald Trump zu schreiben, gleichzeitig aber auch „berauschend“, denn dies sei „die größte Geschichte meines Lebens“. Er sehe es als die Aufgabe der Zeitung, aggressiv in der Berichterstattung zu sein, aber sich auch nicht als die „Opposition“ des Präsidenten zu verstehen. Trumps Chefstratege Stephen Bannon hatte die Medien kürzlich „Oppositionspartei“ genannt.

          Cory Booker in Austin

          Auch einige Politiker sind auf der South by Southwest, freilich stammen sie vor allem aus den Reihen der Demokraten. Wie zum Beispiel Cory Booker, ein Senator aus New Jersey, der als Hoffnungsträger der Partei gilt und der die Eröffnungsrede der Veranstaltung hielt. Booker trat wie ein Prediger auf und sagte, Amerika müsse ein Land der Liebe werden, Toleranz allein reiche nicht. Er sprach von den „pochenden Kopfschmerzen“, die er nach Trumps Rede zur Amtseinführung gehabt habe. Er sagte aber auch, Trump könne nicht für alles verantwortlich gemacht werden. Dass Amerika sich in der gegenwärtigen Situation wiederfinde, habe auch damit zu tun, dass sich viele Menschen aus dem politischen Diskurs verabschiedet hätten. Booker kam so gut an, dass er gefragt wurde, ob er bei den nächsten Präsidentschaftswahlen antreten werde. Er wich der Frage aber aus.

          Unsicherheit in der Technologiebranche

          Ungewohnte stehende Ovationen gab es sogar für Van Jones, einen anderen Vertreter aus dem linksliberalen Lager. Jones ist Anwalt und Aktivist, und er kam zuletzt als Kommentator und Moderator beim Nachrichtensender CNN zu Prominenz. Er ist gegen den neuen Präsidenten, aber er meint auch, dass es sich die Demokraten zu leicht machen, wenn sie Trump-Wähler verteufeln oder herablassend behandeln. „Ich denke, Trump ist sogar noch schlimmer, als ich befürchtet habe. Aber seine Anhänger sind viel besser als die Menschen denken.“

          Van Jones trat als Redner auch beim Women’s March im Januar in Washington auf.

          Am Sonntag standen viele Festivalbesucher früh auf, um eine Chance zu haben, den früheren Vizepräsidenten Joe Biden zu sehen. Um halb neun Uhr morgens gaben die Veranstalter "Wristbands" fürs Handgelenk aus, die Zugang zu Bidens Vortrag am späteren Nachmittag gewähren sollten. Trotz Zeitumstellung von Samstag auf Sonntag in Amerika bildete sich eine gewaltige Schlange, und wer sich um Punkt halb neun anstellte, bekam zu hören, er werde vielleicht nicht mehr zum Zuge kommen.

          Während also klar ist, wo das Publikum in Austin politisch steht, herrscht große Unsicherheit darüber, was die Technologiebranche vom neuen Präsidenten zu erwarten hat. Terah Lyons, die unter Trumps Vorgänger Barack Obama in einer Beratergruppe für Technologiefragen war, sagte in einer Podiumsdiskussion zum Thema „Künstliche Intelligenz“: „Trump hat noch nicht artikuliert, was seine Positionen in Technologiefragen sind, und er hat nicht einmal zu erkennen gegeben, dass das Gebiet hohe Priorität hat. Das ist bedauerlich.“

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