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Digitale Welt : Deutschlands Chefs entdecken das Neuland

Eine bessere digitale Infrastruktur muss her Bild: Wonge Bergmann

Um die digitale Kompetenz in deutschen Aufsichtsräten ist es nicht gut bestellt. Darüber sorgen sich sogar Headhunter.

          6 Min.

          Jede Branche erlebt ihre digitale Energiewende. Und wer nicht digitalisiert, ist weg vom Fenster. So umschreibt Karl-Heinz Streibich, der Vorstandsvorsitzende des deutschen Softwarekonzerns Software AG, die Herausforderungen, die Unternehmen durch den Siegeszug des Internets der Dinge blühen. „Deshalb ist die Digitalisierung kein technologisches Projekt, sondern eine umwälzende Veränderung unserer Gesellschaft, das alle Lebensbereiche der Menschen erfasst“, sagte Streibich jüngst auf einem Informationsabend für Aufsichtsräte, zu dem die Personalberater von Russell Reynolds in Frankfurt eingeladen hatten. Thomas Becker, Managing Director bei Russell Reynolds, und seine Kollegen wiederum treibt die Sorge um, dass die heutigen Aufsichtsräte nicht alert genug sind, um den tiefgreifenden Wandel in ihren Unternehmen auch vernünftig zu begleiten. Becker plant daher, das Thema künftig häufiger in vergleichbaren Runden zu diskutieren.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Auch Achim Berg, lange in Führungspositionen bei der Deutschen Telekom und Microsoft beschäftigt und heute Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Tochtergesellschaft Avarto, sieht Defizite. Nicht zuletzt müsse mit den Mitarbeitern auf neuen Wegen kommuniziert werden, in beide Richtungen – zum einen, um neue Ideen zu bekommen, zum anderen, um die unvermeidlichen Veränderungsprozesse im Unternehmen besser zu erklären. Streibich und Berg erkennen aber zugleich die Chancen. Die Digitalisierung mache die Welt und die Menschen jeden Tag ein bisschen informierter, transparenter, effizienter und objektiver – und damit potentiell besser, sind sie sich einig. Die Digitalisierung treibe Wachstum und Wohlstand wie keine andere Veränderung unserer Zeit.

          Digitalisierung hilft auch in weniger fortschrittlichen Ländern

          Sie verändere auch das Leben von Menschen in jenen Regionen, die bisher nicht am allgemeinen wirtschaftlichen Fortschritt partizipieren konnten. Afrika sei dafür ein Beispiel: Mehr als 650 Millionen Afrikaner nutzten inzwischen ein Mobiltelefon. Das seien schon mehr als in Europa oder den Vereinigten Staten. Und dank Mobilfunk und mobilen digitalen Dienstleistungen entwickele sich der Kontinent wirtschaftlich im Vergleich zur Weltwirtschaft auch überdurchschnittlich gut. Nach den Worten von Streibich haben wir es in der Geschichte der Informationstechnologie und der Softwareindustrie mit einer bisher einmaligen Konstellation zu tun, da gleichzeitig vier technologische Megatrends aufeinandertreffen: die mobile Datenkommunikation und mobile Nutzung des Internets, die Verlagerung von Daten und Anwendungen ins Internet (Cloud Computing), die verstärkte Kommunikation über soziale Netzwerke sowie die Bearbeitung und Analyse riesiger Datenmengen in Echtzeit (Big Data).

          „Und dieses Mal ist es keine ,Internetblase‘ wie noch vor vierzehn Jahren, denn im Gegensatz zu damals ist die technologische Basis vorhanden“, ist Streibich überzeugt. Tatsächlich sind die Bandbreiten der Netze tausendmal größer und trotzdem billiger, die zentralen Recheneinheiten in den Computern sind ebenfalls um den Faktor tausend schneller, der Speicherplatz um den Faktor eine Million, der Preis ist auf ein Zehntel gefallen.

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