https://www.faz.net/-gqe-7qi28

Digitale Welt : Deutschlands Chefs entdecken das Neuland

„Es braucht eine digitale Vision für die Kundenbindung durch digitale Produkte, durch intelligente Lieferketten und Services. Und es braucht eine digitale Strategie für die Art und Weise, wie im Unternehmen mit dem wichtigen Rohstoff ,Daten‘ umgegangen wird und wie diese Daten zu entscheidungsrelevanten Informationen werden“, sagt auch Streibich: „In Zukunft werden nur Unternehmen erfolgreich sein, die digital denken und verfügbare, zukunftsträchtige digitale Plattformen einsetzen, um ihre Geschäftsmodelle zu digitalisieren, um agile neue Geschäftsfelder zu erschließen und vorhandene schneller anzupassen.“

Ebendeshalb müssten Vorstände und Aufsichtsräte die Auswirkungen der Digitalisierung auf ihr bestehendes Geschäftsmodell verstehen und die erforderlichen Veränderungen treiben, um nicht zu den Verlierern des digitalen Umbruchs zu gehören. Das Kokettieren mit der digitalen Abstinenz sei ein Kokettieren mit dem Tod der Unternehmen: „Die erfolgreiche Digitalisierung unserer Unternehmen und Produkte und des öffentlichen Bereiches wird die Voraussetzung dafür sein, dass Deutschland seine führende Stellung als High-Tech- und Exportnation auch in Zukunft erhalten und weiter ausbauen kann. Nur so werden wir den Lebensstandard in Deutschland und Europa für unsere Kinder und Enkelkinder erhalten können.“

Immerhin: Kagermann hat unter den Unternehmen eine „Aufbruchsstimmung“ festgestellt. Nun gelte es, die richtigen Geschäftsmodelle für die „Smart-Service-Welt“ zu entwickeln. Wenn das Internet der Dinge das Geschäftsleben von Unternehmen untereinander erreiche (B2B), habe Deutschland größte Chancen. „Die großen Internetunternehmen haben hier nicht die notwendigen Maschinenkenntnisse“, glaubt Kagermann. Dennoch würden „Smart Services“ die Arbeitsteilung von Produzenten, Zulieferern und Dienstleistern und deren Geschäftsmodelle verändern. Auch mit Blick auf ihre zur Cebit im Frühjahr formulierten Wünsche erkennen Kagermann und Riemensperger inzwischen einige Fortschritte. Ähnlich wie beim Spitzencluster-Wettbewerb könnten auch nationale Kompetenzzentren für Smart-Service-Plattformen geschaffen werden. An einer integrierten Forschungsagenda arbeite derzeit eine Gruppe unter der Leitung von Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Um neue Wissensplattformen kümmert sich eine Arbeitsgruppe rund um den ehemaligen Präsidenten des IT-Branchenverbands Bitkom, August Scheer.

Wenn es allerdings um den vierten Punkt, die Schaffung eines digitalen Binnenmarkts in Europa, geht, sind Kagermann und Riemensperger bisher nicht zufrieden. Wegen der großen Zahl konkurrierender Anbieter gleiche der Telekommunikationsmarkt in Europa einem Flickenteppich – wünschenswert sei hier eine Marktkonsolidierung. Deutsche Rechenzentren seien zudem gegenüber Wettbewerbern steuerlich benachteiligten und eine europäische Datenschutzverordnung müsse her. Auch das Thema Netzneutralität müsse überdacht werden. Bestimmte Daten müssten in der künftigen „Smart-Service-Welt“ im Netz auch bevorzugt behandelt werden können, ohne das Angebot für andere Nutzer einzuschränken – daran führe kein Weg vorbei. Dazu würden in den nächsten Monaten weitere konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet. Dann müssen diese nur noch gelesen und umgesetzt werden – am besten von digital kompetenten Vorständen und Aufsichtsräten.

Weitere Themen

Topmeldungen

Geht es bergauf für die SPD? Olaf Scholz bei einer Veranstaltung des DGB zum Tag der Arbeit in Cottbus

Parteitag vor Bundestagswahl : Was der SPD noch Hoffnung macht

Seit Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde, bleibt die Zustimmung für die Sozialdemokraten mau. Mit dem virtuellen Parteitag am Sonntag soll sich das ändern.

Bayerns 6:0-Meistergala : „Campeones, Campeones!“

Die Münchner werden schon vor dem eigenen Spiel Meister. Beim 6:0-Sieg über Gladbach glänzt der FC Bayern. Und Robert Lewandowski fehlt nur noch ein Tor bis zum legendären Rekord von Gerd Müller.
Joana Cotar und Joachim Wundrak in Frankfurt

Parteitag in Frankfurt : General-Probe im AfD-Richtungsstreit

Joana Cotar und Joachim Wundrak wollen als AfD-Spitzenduo in den Wahlkampf ziehen – und sich gegen das bekanntere Duo Weidel und Chrupalla durchsetzen. Beim Nominierungsparteitag in Frankfurt müssen die beiden noch zueinander finden.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.