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Digitale Welt : Deutschlands Chefs entdecken das Neuland

Wozu das führt, ist noch längst nicht jedem klar: Digitale Technologien ermöglichen es den Unternehmen, die relevanten Unternehmens-, Kunden- und Marktdaten in Echtzeit analysieren zu können, automatisierte Entscheidungshilfen eingeschlossen, so wie es Google oder Amazon längst vorleben. „Innovative Produkte und Dienstleistungen sind ohne einen überwiegenden Anteil von Software in Zukunft nicht mehr denkbar“, ist Streibich überzeugt. Digitale Technologien bringen zudem laufend neue Geschäftsmodelle hervor. Geschäftsmodelle, die noch vor kurzem undenkbar gewesen wären und die ökonomische Logik auf den Kopf stellen – die aber auch für ein immer neues Wettbewerbsumfeld für die etablierten Anbieter am Markt sorgen.

Neue digitale Infrastrukturen sind notwendig

Dass darüber in Deutschland schon länger diskutiert, geforscht und gearbeitet wird als anderswo, liegt auch an Henning Kagermann und Frank Riemensperger. Sie haben der Bundeskanzlerin auf der Computermesse Cebit in Hannover ein Papier übergeben, einen Bericht zum Status quo und dem Potential sogenannter internetbasierter Dienste für die deutsche Wirtschaft – als Nachfolgeprojekt von „Industrie 4.0“, dem Schlagwort, das die Diskussion der vergangenen Jahre zu dem Thema beherrscht hat. Nun geht es Kagermann, dem Präsidenten der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Softwarekonzerns SAP, und Riemensperger, dem Deutschlandchef der Managementberatung Accenture, um die „Smart-Service-Welt“. In ihr werden Intelligente Produkte mit physischen und digitalen Dienstleistungen zu „Smart Services“ kombiniert und den Kunden flexibel und situationsspezifisch („as a service“) zur Verfügung gestellt.

Um physische und digitale Dienstleistungen zu innovativen „Smart Services“ zu kombinieren, sind nach Ansicht von Kagermann und Riemensperger neue digitale Infrastrukturen notwendig. Ihnen komme in der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft eine systemkritische Rolle zu. Die Grundvoraussetzung dafür sei der Ausbau der Breitbandnetze, um Produkte, Services und Menschen in der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur, in der medizinischen Versorgung oder in der Stadt zu vernetzen: „Deutschland sollte die disruptive Kraft der Digitalisierung als Chance begreifen und gestalterisch nutzen. Unternehmen, welche die Möglichkeiten der Smart Services frühzeitig erkennen und in Innovationen umsetzen, können sich Wachstumspotentiale erschließen. Für unseren Standort werden die digitalen Infrastrukturen erfolgsentscheidend sein“, sind Kagermann und Riemensperger überzeugt.

Deutschland weiterhin in einer aussichtsreichen Position

Sie glauben, dass Deutschland in diesem Rennen sich zwar sputen muss, aber weiterhin in aussichtsreicher Position ist. Deutschland habe hervorragend ausgebildete Programmierer und Ingenieure für die Entwicklungsarbeiten. „Aufholen beziehungsweise überhaupt erst einen Markt schaffen müssen wir in Fragen der Softwarearchitekturen für die intelligent vernetzten Produkte“, sagt Riemensperger. Unternehmen müssten firmenübergreifend Kompetenzen bündeln und Allianzen bilden. Das Vertrauen der Menschen in die Sicherheit der „Smart Services“ und ihrer Daten, aber auch die zuverlässige digitale Steuerung physischer Infrastrukturen seien Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche digitale Transformation.

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