https://www.faz.net/-gqe-8wbm6

Die wahre Netz-Geschwindigkeit : Die Telekom ist nicht so schnell

  • Aktualisiert am

Telekom-Mitarbeiter in Mainz: Weniger als fünf Prozent der Telekom-Kunden erreichten in Tests die versprochene Download-Geschwindigkeit. Bild: dpa

Das schnelle Internet ist oft nicht so fix, wie vom Anbieter versprochen. Die Telekom zum Beispiel erreicht ihre versprochene Geschwindigkeit nicht besonders oft. Ein anderer Anbieter macht es deutlich besser.

          Wenn Kunden „schnelles Internet“ bekommen sollten, halten viele Versorger ihre Versprechen nicht ein: Die Breitbandanschlüsse erreichten in den allermeisten Fällen nicht die versprochenen und oft breit beworbenen Maximalwerte, berichtete die Bundesnetzagentur am Montag nach Messungen von insgesamt rund 160.000 Festnetz- und Mobilanschlüssen.

          Im Festnetz hätten nur rund zwölf Prozent der Anschlüsse tatsächlich die vertraglich zugesicherte Maximalgeschwindigkeit geliefert, bei Mobilfunkanschlüssen waren es nur rund fünf Prozent, heißt es in der Studie. „Wenn die Anbieter zukünftig weiter keine realistischen Geschwindigkeitsangaben machen, kann die Bundesnetzagentur gegen einzelne Unternehmen Verfahren durchführen“, sagte ein Behördensprecher.

          Gemessen wurde bei gut 106.000 Festnetz- und knapp 54.000 Mobilfunkkunden, die zwischen September 2015 und September 2016 ein entsprechendes kostenloses Angebot der Behörde in Anspruch genommen hatten.

          Die Breitbandmessung der Bundesnetzagentur schaffe Transparenz und verstärke den Handlungsdruck auf die Anbieter, erklärte die Behörde. Der Vergleich zu Studien aus den Jahren 2012 und 2013 habe gezeigt, dass die Internetbranche mit dem aktuellen Ergebnis keine wesentlichen Verbesserungen erreicht habe.

          Telekom nicht besonders schnell, Unitymedia vorne

          Im aktuellen Bericht gehört die Telekom zu den schwächeren der großen Festnetz-Anbieter. Nicht mal fünf Prozent der Telekom-Kunden erreichten in den Tests der Netzagentur die versprochene Download-Geschwindigkeit.

          Ein Telekom-Sprecher verwies darauf, dass in den Verträgen seines Unternehmens nicht Mindestbandbreiten vereinbart würden, sondern ganze Beandbreiten-Bereiche. Mit ihren Angaben entspreche die Telekom den Gesetzen. Zudem sei die Erhebung der Agentur nicht repräsentativ.

          Ungefähr so schwach wie die Telekom kommt in dem Bericht „1 und 1“ weg. Bei Vodafone erreichen immerhin fast 20 Prozent der Kunden die versprochene Bandbreite. Vorne liegt Unitymedia mit mehr als 33 Prozent. Ähnlich sind die Ergebnisse auch für den Upload ins Internet und die Reaktionszeit (Paket-Laufzeit), die vor allem für Computerspieler wichtig ist.

          Im Mobilfunk liegen Telekom und Vodafone ganz deutlich am Ende des Testfelds, kleinere Anbieter erreichen oft bessere Werte – allerdings zeigt der Test nur Ergebnisse von Kunden, die überhaupt Netz hatten, um sich testen zu lassen.

          Vor allem die kleineren Leitungen sind schwach

          Vor allem die kleineren Festnetz-Leitungen zwischen 8 und 18 Mbit pro Sekunde sind laut dem Bericht mit schlechten Leistungen aufgefallen. Leitungen der höchsten Klasse zwischen 200 und 500 Mbit schnitten vielfach besser ab. Dort gebe es aber in der abendlichen intensiven Nutzungszeit Probleme - möglicherweise, weil sich dann mehrere Kabelanschlusskunden die bestehenden Kapazitäten teilen müssten. Insgesamt hätten immerhin die Hälfte der Festnetznutzer mindestens 60 Prozent der vereinbarten Datenrate auch tatsächlich bekommen, sagte Netzagenturchef Jochen Homann.

          Beim Mobilfunk liegt das Leistungsniveau laut Netzagentur noch deutlich unter den Festnetzangeboten. Vor allem hohe LTE-Geschwindigkeiten von 300 Mbit pro Sekunde, die viele Mobilfunk-Anbieter in der Werbung versprechen, würden in der Praxis nur „in Ausnahmefällen“ erreicht.

          Die Forderung nach Sanktionen bei hohen Abweichungen von der vertraglichen Übertragungsgeschwindigkeit hatten bereits die Grünen im Bundestag erhoben. Sie stützten sich dabei auf eine EU-Verordnung, nach der kontinuierlich abweichende Leistungen der Anbieter ihre Vertragstreue in Frage stellen.

          Weitere Themen

          Südkoreas Angst vor dem Fukushima-Wasser

          Handelskonflikt mit Japan : Südkoreas Angst vor dem Fukushima-Wasser

          Seoul hat Angst vor atomar verseuchter Nahrung aus Fukushima. Deshalb gibt es für Südkoreas Sportler während der Olympischen Spiele in Tokio möglicherweise eine eigene Kantine. Der Konflikt zwischen den Ländern spitzt sich immer weiter zu.

          VW-Gerücht treibt Tesla-Aktie

          Volkswagen dementiert : VW-Gerücht treibt Tesla-Aktie

          VW-Chef Diess ist offenbar ein großer Tesla-Fan. Einem Bericht zufolge, den Volkswagen jedoch sofort dementierte, erwägt Diess einen Einstieg bei dem amerikanischen E-Auto-Unternehmen. Der Kurs der Tesla-Aktie reagierte.

          Topmeldungen

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

          Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

          Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.

          FAZ.NET-Serie Schneller schlau : Kind oder Porsche

          Die Frauen in Deutschland bekommen ihr erstes Kind deutlich später, im Durchschnitt sind sie mittlerweile älter als dreißig Jahre. Wie aber hängt die Kinderzahl mit dem Bildungsgrad zusammen? Und was kostet ein Kind eigentlich, bis es erwachsen ist?
          Amerikas Botschafter Richard Grenell kritisiert eine neue EU-Verordnung zu Medizinprodukten.

          F.A.Z. exklusiv : Richard Grenell kritisiert neue EU-Verordnung

          Die EU sorgt mit neuen Verordnungen für Medizinprodukte für neuen bürokratischen Aufwand. Der amerikanische Botschafter Grenell meint: „Viele werden sich für die Patienten nicht positiv auswirken.“ Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.