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Medien : Holtzbrinck und WAZ bieten für Süddeutsche Zeitung

Wer kauft die „Süddeutsche”? Bild: picture-alliance/ dpa

Große Zeitungshäuser wie der Süddeutsche Verlag stehen sehr selten zum Verkauf. Und so tummelt sich einige Prominenz bei den Bietern: Nach Informationen der F.A.Z. wollen sich sowohl der Holtzbrinck-Verlag als auch der WAZ-Konzern die „Süddeutsche“ einverleiben.

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          Der Medienkonzern Holtzbrinck bietet für den zum Verkauf stehenden Süddeutschen Verlag (SV). „Wir haben eine Kaufofferte eingereicht“, sagte Holtzbrinck-Geschäftsführer Jochen Gutbrod am Freitag der F.A.Z. Die Stuttgarter Holtzbrinck-Gruppe, die Blätter wie „Die Zeit“ und das „Handelsblatt“ herausgibt, sei weiterhin stark am Verlag der „Süddeutschen Zeitung“ interessiert. Holtzbrinck trete bei der Auktion für den SV ohne Partner an, sagte Gutbrod weiter: „Die Finanzierung ist nicht der kritische Punkt, allerdings ist das Verkaufsverfahren sehr schwierig.“

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach Informationen der F.A.Z. hat auch der Essener WAZ-Konzern ein Gebot für die „Süddeutsche Zeitung“ abgegeben. Das zweitgrößte deutsche Zeitungshaus hat sich bereits vor fünf Jahren schon einmal für das überregionale Blatt aus München interessiert. Am Freitag lief eine Frist ab, bis zu der eine Anzahl zugelassener Interessenten unverbindliche Offerten bei der mit dem Verkauf beauftragten Bank Credit Suisse einreichen konnten. Ein weiter eingegrenzter Kreis von Bietern wird danach voraussichtlich eine detaillierte Unternehmensprüfung (Due Diligence) vornehmen können. Die Verkäufer hoffen auf eine Bewertung des Unternehmens mit rund 1,2 Milliarden Euro.

          Auch DuMont hatte Interesse bekundet

          Auch das Kölner Zeitungshaus DuMont Schauberg („Frankfurter Rundschau“) hat in den vergangenen Monaten mehrmals sein Interesse am SV bekundet. Weil es dem Verlag allein an der nötigen Finanzkraft fehle, habe DuMont eine Offerte zusammen mit einem Partner erwogen, heißt es in Branchenkreisen. Starkes Interesse hat auch der britische Zeitungsinvestor David Montgomery und seine Mecom-Gruppe („Berliner Zeitung“) angemeldet und wird offenbar von der Investmentbank Rothschild beraten. Mecom, wie auch Beteiligungsgesellschaften werden allerdings eher geringe Chancen eingeräumt. „Die Vorbehalte gegen Finanzinvestoren sind bei den verkaufswilligen Altgesellschaftern groß“, sagt ein auf der Käuferseite involvierter Investmentbanker.

          Allerdings ist wegen eines Gesellschafterstreits weiter offen, ob beim SV überhaupt externe Kaufinteressenten zum Zuge kommen können. Ausstiegswillig sind vier Altgesellschafter-Familien, denen zusammen 62,5 Prozent der Verlagsanteile gehören. Jedoch will der Verlagskonzern SWMH („Stuttgarter Zeitung“), der ebenfalls schon mit 18,75 Prozent beteiligt ist, seinen Anteil zur Mehrheit aufstocken. Die SWMH verfügt über ein Vorkaufsrecht und hat sich mit den Altgesellschaftern bisher nicht über den Kaufpreis einigen können.

          Streit beschäftigt auch Gerichte

          Die SWMH, die von der Investmentbank Merrill Lynch beraten wird, versucht deshalb, den Verkauf an Dritte zu blockieren und könnte dabei von einem in der Unternehmenssatzung festgehaltenen Vetorecht profitieren. Dort heißt es, am Verlag dürften sich nur „von allen Gesellschaftern einstimmig zugelassene Erwerber“ beteiligen. Die vier verkaufswilligen Altgesellschafter sehen die Satzung dagegen als in sich widersprüchlich an, und zweifeln das Vetorecht an. Der Streit um die Macht beim SV beschäftigt auch seit Monaten die Gerichte. Ein ursprünglich für die kommende Woche anberaumter weiterer Verhandlungstermin beim Landgericht München ist mittlerweile auf Dezember verschoben.

          Große Zeitungshäuser wie der SV stehen sehr selten zum Verkauf. Der Verlag hat im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 709 Millionen Euro einen operativen Gewinn von 77 Millionen Euro verbucht und beschäftigt knapp 3900 Mitarbeiter. Zum SV gehören neben dem Flaggschiff „Süddeutsche Zeitung“ auch verschiedene Regionalzeitungen und Fachblätter. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen zudem erfolgreich Buch- und DVD-Reihen vermarktet. Dieses Geschäft stagnierte zuletzt jedoch. Außerdem erwägt die „Süddeutsche“, eine Sonntagszeitung herauszugeben. Eine Entscheidung darüber gilt aber vor Klärung der Eigentümerfrage beim SV als unwahrscheinlich.

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