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Gastbeitrag : Die Risiken in sozialen Netzwerken bedrohen auch mich

  • -Aktualisiert am

Was will ich Facebook verraten? Bild: REUTERS

Im Internet opfern viele Menschen ihre Privatsphäre für kostenfreie Dienste. Das liegt auch an einer Fehleinschätzung.

          4 Min.

          Vieles im Internet ist auf den ersten Blick kostenlos: eine Google-Suche, das Lesen von Nachrichten oder die Nutzung sozialer Netzwerke. Genauer betrachtet bezahlen die Nutzer jedoch, indem sie ihre privaten Daten preisgeben. Manchmal werden diese Daten direkt abgefragt, zum Teil werden sie aber auch vom Anbieter oder von beauftragten Drittanbietern und Datensammlern erhoben, ohne dass die Beteiligten etwas davon merken. Daten werden zu einer Ersatzwährung.

          In zwei mit HR-Info, dem Informationsradio des Hessischen Rundfunks, durchgeführten Studien konnten wir unter anderem zeigen, dass die Mehrheit der Befragten mit diesen Geschäftsmodellen nicht einverstanden ist. Die Ablehnung hat nach den Enthüllungen um die Ausspähaktionen des amerikanischen Geheimdienstes NSA im Juni des vergangenen Jahres erwartungsgemäß weiter zugenommen. Doch trotz der Veröffentlichungen der Unterlagen des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden werden Facebook und Co. in zunehmendem Maße genutzt. Die Nutzer zahlen den Preis des Kostenlosen - obwohl sie eigentlich nicht wollen. Wie könnte ein Ausweg aus diesem Dilemma aussehen?

          Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Nutzer zumindest grundsätzlich für sichere Dienste zahlen würden. Die zugrundeliegende Methode basiert jedoch häufig auf hypothetischen Fragen, zum Beispiel: „Wie viel würden Sie für ein sicheres Facebook mit vorbildlicher Privatsphäre zahlen?“ Jeder Studienteilnehmer kann nun einen beliebig hohen Betrag nennen, der für ihn folgenlos ist - weil er ihn ja in Wirklichkeit nicht zahlen muss. Man spricht hier auch von einer Überschätzung der Zahlungsbereitschaft aufgrund eines „Bias“, einer statistischen Verzerrung.

          Das Privacy-Paradox

          Aussagekräftiger ist eine Untersuchung, die im vergangenen Jahr an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh durchgeführt wurde: Einige Forscher um Professor Alessandro Acquisti wollten in einem Experiment herausfinden, wie viel Menschen ihre Privatsphäre wirklich wert ist. Sie verteilten an eine Gruppe von Teilnehmern Einkaufsgutscheine im Wert von 10 Dollar. Eine zweite Gruppe bekam Gutscheine im Wert von 12 Dollar - allerdings mit dem Hinweis, dass ihre Einkäufe überwacht würden. Allen Teilnehmern wurde dann von den Gutscheinen der anderen Gruppe erzählt, und man bot ihnen an, ihren Gutschein zu tauschen. Dabei wollten nur 9 Prozent der Besitzer der 12-Dollar-Gutscheine ihren gegen den 10-Dollar-Gutschein tauschen. Immerhin etwa die Hälfte der 10-Dollar-Besitzer wollte nicht tauschen. Der Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war ihre Privatsphäre also keine zwei Dollar wert.

          Da die Zahlungsbereitschaften von Kunden für privatsphären-freundliche Internetdienste offenbar eher gering sind, bedeutet dies, dass Daten vermutlich auch zukünftig eine Währung sein werden, mit der im Internet bezahlt wird. Nun kann man sagen, das ist ein normales Geschäft - die Nutzer zahlen eben mit der Preisgabe von Daten statt mit Geld. Fair ist dieser Deal aber nur dann, wenn den Nutzern klar ist, welche Daten von welchen Anbietern für welche Zwecke gesammelt werden. Das ist zurzeit nicht der Fall.

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