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Deutsche Unternehmen bei der CES : Gute Geschäfte im Hotel oder beim Kaffee

  • -Aktualisiert am

Die CES - für die Deutschen ein guter Ort, um Kontakte zu knüpfen Bild: AFP

Nur wenige deutsche Unternehmen sind als Aussteller auf der Unterhaltungselektronik-Messe CES präsent. Geschäftskontakte lassen sich auf der Messe aber auch ohne eigenen Stand anbahnen.

          „Messen kosten viel Geld, mit dem man etwas anderes anfangen kann“, sagt Andreas Gauger. Der Vorstand der 1&1 Internet AG aus Montabaur ist zwar Gast auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Sein Unternehmen verzichtet aber trotz amerikanischer Tochtergesellschaft auf einen eigenen Auftritt auf der Messe. Lieber streift er als Besucher über die Messe und führt seine Gespräche am Rande bei einem Kaffee. Ebenso nimmt Medion-Chef Gerd Brachmann an der CES teil, ohne sein Unternehmen in den Ausstellungshallen zu präsentieren. Er lädt seine Kunden in seine Hotelsuite oder trifft sie beim Rundgang. Auch Medion hat in Amerika eine zehnköpfige Mannschaft.

          Dass die beiden deutschen Unternehmer erfolgreich in Amerika agieren, könnte ein Hinweis sein, dass deutsche Mittelständler auf der CES auch ohne großen Aufwand und hohe Investitionen Geschäfte anbahnen können. Doch wer mit den deutschen Ausstellern spricht, wird eines Besseren belehrt.

          „Es braucht einen langen Atem“

          Dieter Burmester, Präsident der Burmester Audiosysteme GmbH, gehört zu den Deutschen, die den jährlichen Weg nach Las Vegas und die Investition in den Auftritt nicht scheuen. Der Weg zur Firma Burmester Audiosysteme führt aber in den 29. Stock des Venetian Hotels. „Wir brauchen die abgeschlossene Ruhe von Hotelzimmern für unser High-End-Equipment“, sagt Dieter Burmester. Und tatsächlich ist es kaum vorstellbar, dass sich die hochwertigen Klangkomponenten im Lärm von Messehallen präsentieren lassen. „Wir sind vor rund 15 Jahren mit unserem CES-Auftritt ins kalte Wasser gesprungen. Aber dafür kennen wir heute die Länderspezifika auf der Arbeitsebene. Die CES ist wichtig für die Weltmärkte“, sagt der Unternehmer. Daher ärgert er sich besonders darüber, dass der Mittelstand in Deutschland beim Auslandsauftritt nicht genug unterstützt wird. „Dabei sind wir ein Exportland.“

          Trotz des hohen Aufwandes kommt es für ihn nicht in Frage, nur als Besucher auf der CES präsent zu sein und seine Ansprechpartner in den Messehallen zu treffen. Ohne die CES hätte sein Berliner Unternehmen in Nordamerika nicht Fuß fassen können, sagt er, wobei Kontinuität für den Arbeitgeber von 30 Angestellten eine große Rolle spielt. „Es braucht einen langen Atem. Man muss von Jahr zu Jahr konstant auftreten, um den Markteintritt zu schaffen. Nun haben wir in diesem Jahr den absoluten Durchbruch geschafft“, sagt Burmester.

          „Es gilt, vor Ort präsent zu sein“

          Das ist auch das Interesse der Sonoro Audio GmbH & Co. KG. Das junge deutsche Unternehmen besteht erst seit Mitte 2005, hat aber mit seinem Cubo - einer CD/Radio-Kombination - in Deutschland auf Anhieb Erfolg gehabt und ist inzwischen in mehr als 20 Ländern vertreten. Nun will der Inhaber Marcell Faller seine Geräte auch auf dem amerikanischen Markt einführen: „Wir wissen, dass die CES die richtige Plattform und der richtige Startzeitpunkt dafür ist. Es gilt, vor Ort präsent zu sein.“

          Sonoro nutzt seinen Auftritt auf der CES, um auf seinem fast 60 Quadratmeter großen Stand mit Cubo Elements ein neues Produkt vorzustellen. Auch wenn die Logistik und Kosten des Messeauftritts für das Kölner Unternehmen mit seinen 16 Mitarbeitern eine Herausforderung darstellen, sieht er keine Alternative zu einem Messestand: „Auf Meinungsbildermessen muss man dabei sein.“ Die gute Resonanz, die er schon in den ersten Tagen bei der amerikanischen Presse fand, geben ihm recht, und so prognostiziert er: „Wir werden auch nächstes Jahr sicherlich wieder dabei sein, zumal wir im Laufe des Jahres eine amerikanische Tochterfirma gründen.“

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