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Deutsche Telekom : Milliardengewinn und kein Stellenabbau

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Bild: FAZ.NET

Die Deutsche Telekom will in diesem Jahr keine weiteren Stellen in der AG streichen - für T-Mobile gilt das allerdings nicht. Dabei war die Mobilfunktochter der Wachstumstreiber im Bonner Telekommunikationskonzern.

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          Die Deutsche Telekom wird nach Aussagen ihres Vorstandschefs Kai-Uwe Ricke 2005 keine weiteren Stellen in der AG streichen.

          „Für die Deutsche Telekom AG halten wir in 2005 - wie mit dem Sozialpartner vereinbart - am Moratorium als Teil des Beschäftigungsbündnisses fest“, sagte Ricke am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Bonn. „Es wird hier keinen weiteren Wegfall von Stellen geben.“ Ricke ergänzte jedoch: „Das betrifft nicht T-Mobile.“

          3,7 Prozent Umsatzsteigerung

          Mit den Sozialpartnern spreche die Telekom gerade darüber, wie notwendige Personalanpassung und Kostenreduzierung sozialverträglich erreicht werden könnten. „Ich bin aber zuversichtlich, daß wir auch für Deutschland eine Einigung erzielen werden.“ Für T-Mobile war jüngst ein Sparprogramm vorgestellt worden.

          Gute Nachrichten von der Telekom

          Der Konzernüberschuß der Telekom stieg im Jahr 2004 um rund 270 Prozent von 1,2 Milliarden Euro auf über 4,6 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 3,7 Prozent auf 57,9 Milliarden Euro. Ricke sagte, der Konzern sei „wieder auf die Erfolgsspur zurückgekehrt“.

          62 Cent Dividende

          Allerdings sei der „Erfolg von heute kein Garant für den Erfolg von morgen“, gab Ricke zu bedenken. Deshalb wolle der Vorstand auch weiterhin alles Notwendige tun, um die eingeleitete Entwicklung auf eine langfristige und nachhaltige Basis zu stellen.

          Erstmals nach zwei Jahren will die Telekom wieder eine Dividende an ihre Aktionäre zahlen. Ricke kündigte an, der Vorstand schlage der Hauptversammlung eine Ausschüttung von 62 Cent pro Aktie vor.

          Toll-Collect bringt fast 150 Millionen Euro Verlust

          Die Telekom wuchs im Jahr 2004 vor allem beim Mobilfunk und im Breitbandgeschäft. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag 2004 bei 19,4 Milliarden Euro nach 18,3 Milliarden Euro im Jahr 2003, ein Plus von 5,9 Prozent. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern ein bereinigtes Ebitda-Ergebnis zwischen 20,7 und 21 Milliarden Euro.

          Der Verlust des Konzerns aus dem Projekt Toll Collect sank im vergangenen Jahr. Finanzchef Karl-Gerhard Eick sagte, der Fehlbetrag sei 2004 um 294 Millionen Euro auf 148 Millionen Euro zurückgegangen.

          Immobilienvermögen zu hoch bewertet

          Unterdessen hat in den langjährigen Ermittlungen gegen die Telekom ein Sondergutachten nach Darstellung von Anwälten eine überhöhte Bewertung der Immobilien in den Bilanzen des Bonner Konzerns ergeben.

          Der Bremer Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen teilte Dow Jones Newswires am Mittwoch abend auf Anfrage mit, nach seinen Informationen sei das von der Staatsanwaltschaft Bonn in Auftrag gegebene Gutachten zu dem Schluß gekommen, daß die Telekom vor Jahren ihr Immobilienvermögen um 2,5 Milliarden bis 3 Milliarden Mark zu hoch angesetzt hatte.

          Ermittlungen gegen Ron Sommer

          Die Staatsanwaltschaft verdächtigt das Unternehmen der Falschbilanzierung und des Kapitalanlagebetrugs insbesondere in Zusammengang mit seiner bisher letzten Aktienemission aus dem Jahr 2000. Die Telekom bestreitet die Vorwürfe. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, das Sondergutachten sei Ende Januar abgeschlossen worden und vor kurzem den Verteidigern der Telekom zur Stellungnahme übergeben worden. Anschließend werde man entscheiden, ob gegen Verantwortliche des Konzerns Anklage erhoben werde oder nicht.

          Die Ermittlungen richten sich vor allem gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer und seinen damaligen Finanzvorstand Joachim Kröske. Bei den Ermittlungen geht es vornehmlich um die Frage, ob der Wert der Liegenschaften in der Eröffnungsbilanz der Telekom von 1995 korrekt erfaßt worden war.

          Chancen auf Schadenersatz gestiegen

          Parallel dazu läuft vor dem Landgericht Frankfurt ein Zivilprozeß gegen die Telekom. Rund 15.000 Aktionäre haben den Konzern auf Schadenersatz verklagt, weil dieser ihrer Ansicht nach die Vermögenslage in Zusammenhang mit den Börsengängen von 1999 und 2000 unrichtig dargestellt hatte.

          Rechtsanwalt Gieschen vertritt mehrere hundert Klagen. Er sieht sich durch das Sondergutachten in seinem Vorwurf bestätigt. Die Chancen auf Schadenersatz seien damit erneut deutlich gestiegen, erklärte der Jurist.

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