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Kommentar : Deutschland AG gegen Silicon Valley

  • -Aktualisiert am

Drei der größten Konzerne stellen sich gegen Google und Facebook. Das hat Wumms. Aber reicht das?

          Das hat Wumms. Mit der Allianz, Daimler und der Deutschen Bank tun sich gleich drei der größten deutschen Unternehmen zusammen, um vereint gegen die Übermacht von amerikanischen Internetriesen wie Google, Apple, Facebook und Amazon anzutreten. Die Deutsche Telekom spricht auch mit, die Bundesregierung ist involviert und wenn man den Beteiligten glauben darf, zeigt eine ganze Reihe weiterer deutscher Schwergewichte an dem Projekt Interesse.

          Von einer industriepolitischen Aufgabe ist die Rede. Die Furcht in der deutschen Wirtschaft ist offensichtlich groß, dass von der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung auch weiterhin vor allem die amerikanische Giganten profitieren, die sich wie Google und Apple einen Wirtschaftszweig nach dem anderen vornehmen. Plattform-Wirtschaft ist das Zauberwort. Will heißen: wer einmal ein Nutzerkonto bei Google eingerichtet hat, der nutzt darüber meistens nicht mehr nur das Emailprogramm, sondern schaut darüber auch seine Videos und bucht manchmal seine Flüge – der Konzern weiß alles über seine Kunden. Wer einen Facebook-Account hat, kann sich mithilfe seiner Login-Daten auch gleich auf anderen Internetseiten legitimieren, kann Kurznachrichten versenden und darüber sogar Geld überweisen.

          Die Amerikaner waren zuerst da

          Die Kreativität im Silicon Valley, wie sich den bestehenden Kunden immer weitere Dienstleistungen aufschwatzen lassen, scheint unbegrenzt. Und der Kunde nimmt das gerne an, weil es einfach so einfach ist. Die Deutschland AG will nun dagegenhalten. Mit Industrie 4.0 und autonomem Fahren wird auch in den deutschen Kerndisziplinen Auto- und Maschinenbau alles vernetzt und digital. Da sollen die Unternehmen nicht darauf angewiesen sein, alle Daten mit amerikanischen Konzernen zu teilen. Eine schlagkräftige eigene Plattform ist das Ziel. Und es ist ein gutes Zeichen, dass die deutsche Industrie die Vorherrschaft der Amerikaner im Internet nicht als gottgegeben hinnimmt.

          Ob das Vorhaben gelingt, oder ob die Deutschen nicht mal wieder zu spät dran sind, muss sich allerdings erst zeigen. Google & Co. haben viel mehr Erfahrung. Sie haben eine prall gefüllte Kriegskasse und die Spitzenkräfte, um sich Innovationen auszudenken. Und wenn viele Konzerne zusammenarbeiten, führt das oft auch dazu, dass gute Ideen zwischen den Einzelinteressen zerrieben werden.  Aus Deutschland stammt auch so mancher Internet-Flops, zum Beispiel das gemeinsame Online-Zahlsystem der deutschen Banken Paydirekt und das Email-Format E-Postbrief, das die Deutsche Post vor einigen Jahren auf den Markt gebracht hat. Sie zeigen: Die deutschen Verbraucher warten nicht gerade sehnsüchtig darauf, dass ihnen deutsche Firmen vermeintlich sicherere Angebote zusammenzimmern. Im Netz entscheidet vor allem der Komfort und wer zuerst da war. Wer in einer solchen Umgebung nachziehen will, muss ein verdammt gutes Produkt bieten.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

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