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Winklevoss-Brüder : Geschichten, die Facebook schrieb

Cameron und Tyler Winklevoss Bild: AFP

Die Winklevoss-Zwillinge sind im juristischen Streit mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nicht mehr erfolgreich. Zuletzt forderten sie eine halbe Milliarde Dollar. Das Berufungsgericht wies die Klage allerdings zurück.

          3 Min.

          Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. Und aus dem einen oder anderen Kapitel wird später sogar ein Kinofilm. Anders als in der Fiktion geht dann das wahre Leben aber weiter, wenn sich im Kino der Vorhang schließt. Das gilt zum Beispiel für die noch immer jungen Protagonisten des Films „The Social Network“, der die Gründungsgeschichte von Facebook erzählt.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Dort hat die interessierte Welt neben dem Facebook-Mitbegründer und Vorstandsvorsitzenden Mark Zuckerberg auch die eineiigen Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss kennengelernt. Die Winklevoss-Brüder, geboren 1981, sind im Film wie im wahren Leben in ihrer körperlichen Statur beeindruckende junge Männer, aus gutem Haus, durchaus intelligent, aber vor allem sportlich. Im Jahr 2008 landen sie bei den Olympischen Spielen in Peking beim Rudern im Zweier auf dem sechsten Platz - und dorthin muss man schließlich erst einmal kommen. Ihr Vater ist ein renommierter Professor an der Wharton School der Universität in Pennsylvania. Sie wachsen im wohlhabenden Greenwich im Bundesstaat Connecticut auf, einem Ort mit schönen, freistehenden, typisch amerikanischen Villen mit großem Garten und beeindruckender Garage samt zugehöriger Auffahrt. Hier wohnen diejenigen, die es sich sowohl finanziell als auch intellektuell leisten können, nicht in unmittelbarer Nähe der Metropole New York leben zu müssen. Sie gehören zu den Studenten, die an der Harvard-Universität in den traditionellen Zirkeln der Studenten-Seniorität ganz oben stehen, sind Mitglieder der exklusivsten Klubs.

          Ein soziales Netzwerk mit dem Namen „HarvardConnection“

          Aber die Winklevoss-Brüder sind eben auch Teil einer Generation, die sehr früh in ihrem Leben mit Computern in Berührung gekommen ist - und sich ebenso früh mit der Programmierung derselben befasst hat. Sie werden in diesem Fach nicht zu Genies, kennen sich aber ein wenig mit der Programmierung von Websites aus und versuchen früh und ganz amerikanisch, daraus ein Geschäft zu machen. Als Harvard-Studenten treibt sie eine Idee um: Sie wollen ein soziales Netzwerk mit dem Namen „HarvardConnection“ programmieren lassen, das es den Studierenden erlauben soll, über kleine persönliche Web-Einträge miteinander in Kontakt zu treten. Sie beschäftigen Programmierer, kommen schleppend voran. Dann wird ihnen Zuckerberg vorgestellt. Der gibt vor, an ihrem Projekt weiterzuarbeiten, überholt sie dann aber mit einer ganz ähnlichen Website mit dem Namen „Facebook“. Heute wird das Vermögen von Zuckerberg auf 13,5 Milliarden Dollar geschätzt. Die Website der Winklevoss-Brüder gibt es schon lange nicht mehr, da hat auch die spätere Umbenennung in „ConntectU“ nichts geholfen.

          Die Winklevoss-Zwillinge sind erfolgreiche Ruderer
          Die Winklevoss-Zwillinge sind erfolgreiche Ruderer : Bild: dpa

          Angesichts des sich stetig beschleunigenden Erfolgs von Facebook und des geschätzten Reichtums von Zuckerberg muss den Winklevoss-Brüdern schwindelig geworden sein. Sie hatten sich zwar schon im Februar 2008 mit Zuckerberg und Facebook auf einen Vergleich geeinigt und behaupten seither nicht mehr, Zuckerberg habe die Idee für Facebook von ihnen geklaut. Aber bekommen haben sie eben auch „nur“ 20 Millionen Dollar in bar und Facebook-Aktien in einem damals hochgerechneten Wert von 45 Millionen Dollar. Hier endet der Film, nicht aber das wahre Leben.

          Jetzt wollten sie eine halbe Milliarde Dollar

          Facebook ist zwar noch immer nicht an der Börse notiert. Als die Winklevoss-Brüder aber hörten, dass Mitarbeiteraktien von Facebook zum Zeitpunkt des Vergleichs sehr viel günstiger ausgegeben wurden, als es ihnen in den Verhandlungen suggeriert worden war, fühlten sie sich abermals getäuscht. Jetzt wollten sie eine halbe Milliarde Dollar. Doch das Berufungsgericht in San Francisco hat die Klage Anfang dieser Woche mit deutlichen Worten zurückgewiesen: „Aus irgendwelchen Gründen wollen sie nun aussteigen“, schreibt der Vorsitzende Richter Alex Kozinski in der Urteilsbegründung: „Wie schon das Bezirksgericht sehen wir aber keinen Grund dafür, das zu gestatten. An irgendeinem Punkt muss ein Rechtsstreit enden. Und der Punkt ist jetzt erreicht.“ Ohnehin hat Familie Winklevoss weit mehr als die ursprünglich veranschlagten 65 Millionen Dollar in der Tasche. Denn die Aktien, die sie erhielten, sind kräftig im Wert gestiegen. Heute ist von bis zu 150 Millionen Dollar die Rede, die die Kläger ihr Eigen nennen dürfen. Der Wert von Facebook war damals mit 15 Milliarden Dollar angesetzt worden. Mittlerweile reißen sich Investoren wie die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs um Anteile, was den Wert des Internetunternehmens steil nach oben getrieben hat.

          Das wird man auch in Greenwich gerne hören, weniger gern allerdings den Ratschlag eines Rechtsprofessors aus dem kalifornischen Santa Clara: Die beiden Brüder sollten langsam erwägen, Zuckerberg in Ruhe zu lassen und ein Teil des Geldes für ihren Psychiater auszugeben, findet der. So hart kann das wahre Leben sein.

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