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Whatsapp-Übernahme : 19 Milliarden sind gar nicht so viel

Aufwärts: Mark Zuckerberg präsentiert seine Version der Geschichte von Facebook. Bild: dapd

Facebook zahlt 19 Milliarden Dollar für eine Klitsche mit 50 Mitarbeitern. Ist das nicht vollkommen übertrieben? Nein. Im Internet fließen riesige Geldsummen - mit gutem Grund.

          19 Milliarden Dollar zahlt Facebook für Whatsapp: für eine Klitsche, die fünf Jahre alt ist, 50 Mitarbeiter hat und eine App vertreibt, die die SMS ersetzt. Wer das morgens vor dem ersten Kaffee hört, der fragt schnell: Ist das nicht völliger Wahnsinn? Selbst der eine oder andere aus dem Silicon Valley kommt da nicht mehr mit.

          Aber rechnen wir mal anders. Gucken wir darauf, was Whatsapp für die Menschen getan hat. 450 Millionen Menschen nutzen Whatsapp mindestens einmal im Monat, an guten Tagen verschicken sie 50 Milliarden Kurznachrichten. Kostenlos. Facebook mag Milliarden von Dollar für Whatsapp ausgeben - die Kunden sparen den gleichen Betrag jeden Monat auf ihrer SMS-Rechnung.

          So ist das heute mit den Internetkonzernen. Bei aller Kritik an Datensammelwut und Machtausübung: Facebook, Google und ihre Kollegen liefern den Menschen einen enormen Nutzen. Würden die Menschen es anders sehen, würden sie deren Internetseiten nicht mehr aufsuchen oder ihre Anwendungen nicht mehr verwenden. Da ist es kein Wunder, dass am Ende auch ein Haufen an Dollars auf den Konten der Unternehmen landet. Und weil so ein Internetkonzern keine großen Kosten hat, sammelt sich das Geld auf den Gehaltskonten der Mitarbeiter und auf den Girokonten der Unternehmen.

          Facebook hat mehr als 10 Milliarden Dollar flüssig, Apple 40 Milliarden, Google fast 60 Milliarden. Da kann man sich schnell auf 19 Milliarden Dollar für ein erfolgreiches Start-Up wie Whatsapp hochbieten. Und das Geld ausgeben, um das eigene Geschäft zu schützen. Zumal nur vier Milliarden Dollar davon bar gezahlt werden, der Rest fällt in Facebook-Aktien an.

          Ob sich die Investition am Ende auszahlt? Wenn ein Unternehmen den eigenen Kaufpreis seinen Nutzern monatlich an Ersparnis ermöglicht, ist das längst nicht ausgeschlossen. Die Investition ist riskant, Konkurrenz lauert schließlich überall - aber vollkommen irrational ist der Kauf sicher nicht.

          Wer die Summen in der Internetbranche trotzdem für horrend hält, der kann jederzeit versuchen, etwas vom Kuchen abzubekommen - und ein eigenes Start-Up gründen. Offensichtlich kann man schon mit kleinen Klitschen den Menschen viel Gutes tun.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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