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Verpatzter Börsengang : Morgan-Stanley-Chef bezeichnet Facebook-Käufer als „naiv“

  • Aktualisiert am

„Wer diese Aktie gekauft hat, um einen enormen Kurssprung zu erleben, war naiv“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Bank Morgan Stanley, James Gorman (hier in einer Sendung von Mitte April zu sehen). Bild: dapd

Der unrühmliche Börsengang von Facebook erzürnt die Anleger; viele geben der führenden Konsortialbank Morgan Stanley eine erhebliche Mitschuld. Deren Chef sieht es offenbar anders. Er sagt: Wer auf einen Kurssprung gehofft habe, war „naiv“.

          Es ist ein Schlag ins Gesicht der Facebook-Kleinanleger: Der Vorstandsvorsitzende der Bank Morgan Stanley, James Gorman, hat sie als „naiv“ bezeichnet, falls sie auf einen kurzfristigen starken Anstieg des Facebook-Aktienkurses gehofft hätten. „Wer diese Aktie gekauft hat, um einen enormen Kurssprung zu erleben, war erstens naiv und hat zweitens unter falschen Voraussetzungen investiert“, sagte der 53 Jahre alte Gorman in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC. „Der Grund, warum Unternehmen an die Börse gehen ist, eine langfristige Investorenbasis zu schaffen. Für solche langfristigen Investoren hoffe ich, dass sie in der Aufregung der vergangenen Tage keine Panik bekommen haben.“ 

          Morgan Stanley war die beim Börsengang von Facebook führende Konsortialbank. Die Facebook-Aktie hat seit dem Börsengang rund ein Viertel ihres Wertes verloren. Zuletzt lag der Börsenkurs an diesem Freitag bei 29,67 Dollar und damit immer noch weit unter dem Ausgabepreis von 38 Dollar.

          Der Vorwurf vieler Facebook-Anleger gegen Morgan Stanley lautet, dass die am Börsengang beteiligten Großbanken kurz vor dem Börsengang nur ausgesuchte Kunden darüber informiert hätten, dass sie bei Facebook mit einem schwächeren Wachstum rechnen.

          Einige Großinvestoren, so berichten es amerikanische Medien, stornierten daraufhin ihre Kaufaufträge, während Kleinanleger und weniger gut vernetzte institutionelle Investoren zuschlugen und nun heftige Verluste hinnehmen müssen. Zudem wird einigen der Konsortialbanken unterstellt, Hedgefonds die Spekulation auf fallende Aktienkurse ermöglicht zu haben, während sie gleichzeitig bei Investoren für den Kauf der Aktie geworben hatten.

          „Beispiellose Nachfrage“

          Gorman sagte in dem Interview mit CNBC, 26 Prozent der ausgegebenen Facebook-Aktien seien von Kleinanlegern erworben worden. Dies sei keine ungewöhnliche Zahl, da eine „beispiellose Nachfrage“ geherrscht habe. Regulierer sollten sich den Börsengang aufgrund der hohen Aufmerksamkeit, mit der er begleitet wurde ansehen, sagte Gorman. „Ich bin sicher, dass wir exakt den Verfahren gefogt sind, denen wir immer folgen.“

          Das Interview war die erste öffentliche Äußerung Gormans zu den Vorfällen rund um den Facebook-Börsengang. Vergangene Woche war Morgan Stanley ins Visier des Generalstaatsanwalts des Bundesstaates Massachusetts geraten und hatte von ihm eine Anordnung zur Vorlage von Informationen zugestellt bekommen.

          Facebook war vor dem Börsengang an den Finanzmärkten als die Wall-Street-Premiere des Jahres hochgejubelt worden. Viele Menschen hatten dem Sozialen Netzwerk zugetraut, zum Überflieger an der Börse zu werden. Stattdessen war das Debüt ohne das erhoffte Kursfeuerwerk verlaufen und war zudem auch noch von technischen Pannen an der Nasdaq behindert worden.

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