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Soziale Netzwerke am Arbeitsplatz : Nur mal kurz geklickt

  • -Aktualisiert am

Nicht zu genau hinschauen: Wer sich während der Arbeit zu intensiv mit Facebook beschäftigt, kann Ärger bekommen Bild: dpa

Soziale Netzwerke lenken Mitarbeiter von ihren Aufgaben ab, so lautet der gängige Vorwurf. Forscher halten dagegen: Wenn Unternehmen einen toleranten Umgang mit sozialen Netzwerken pflegen, können sie sogar profitieren.

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          Sie chatten auf Skype, posten auf Facebook und surfen auf Xing. Mitarbeiter, die soziale Netzwerke ausgiebig nutzen, können für Arbeitgeber zum Problem werden, wenn sie ihren Schreibtisch zur digitalen Spielwiese verwandeln. Soziale Medien und häufige E-Mails senken die Produktivität der Büroarbeiter, hat eine Studie des Marktforschungsunternehmens Usamp jüngst ergeben. Danach arbeiten 45 Prozent der Arbeitnehmer höchstens 15 Minuten am Stück, ohne unterbrochen zu werden. Doch anstatt das Gespräch zu suchen, wissen sich Unternehmensleiter oft nicht anders zu helfen, als die Internetzugänge des gesamten Personals einzuschränken. Vor allem in Deutschland gleicht die Online-Nutzung am Arbeitsplatz immer noch dem heimlichen Naschen an einer verbotenen Frucht: Viele Firmen sperren hochfrequentierte Seiten wie Youtube, Facebook und Einkaufsportale wie Ebay und Amazon, damit sich die Mitarbeiter wieder auf das fokussieren können, wofür sie bezahlt werden: aufs Arbeiten.

          Doch trägt diese restriktive Anti-Internet-Politik überhaupt zu erhöhter Produktivität und Leistungsbereitschaft bei? Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Kopenhagen behauptet das Gegenteil: Darin heißt es, dass es geradezu kontraproduktiv sei, Mitarbeitern das Surfen im Netz zu verbieten. Die Psychologen erklären ihre Untersuchungsergebnisse mit einer einfachen Argumentation: Das Abstrafen von Mitarbeitern, die viel Zeit im Internet verbringen, zerstöre die Arbeitsmoral und führe zu demotivierendem Frust.

          Ein eingeschränkter Internetzugang wirke wie ein vorgeschriebener Diätplan

          Anstatt sich produktiv an seine Herausforderungen zu machen, ist der digital kastrierte Angestellte enttäuscht über das Misstrauen, das ihm vom Unternehmen entgegengebracht wird, und über die ihm entzogene Freude, die er sich zwischen den Aufgaben gönnt - wie etwa durch den Klick auf sein Facebook-Profil oder ein amüsantes Video bei Youtube. Die Studie legt dar, dass die Energie, die der Mensch zur Kontrolle seiner digitalen Bedürfnisse aufbringen müsse, anschließend bei der Problembewältigung fehle. Ein eingeschränkter Internetzugang wirke also wie ein vorgeschriebener Diätplan - so, als ob man eine Keksdose und eine Schüssel mit Radieschen vorgesetzt bekommt und vom Chef den Satz hört, dass nur das Verspeisen der Radieschen gestattet sei.

          Dabei ist an kurzer digitaler Zerstreuung nichts auszusetzen: In Maßen konsumiert, könne das Internet sogar leistungssteigernde Wirkung entfalten. Das haben die Kopenhagener Psychologen innerhalb eines Experiments herausgefunden, in dem ausgewählte Männer und Frauen in zwei Gruppen einen Arbeitsalltag simulierten - die eine Gruppe bekam ein lustiges Youtube-Video zu sehen, bei der anderen erschien auf dem Monitor die Meldung, dass das Anschauen von Youtube-Videos verboten sei. Währenddessen hörte die eine Gruppe die andere lachen. Als dann beide Gruppen vor die gleiche Aufgabe gestellt wurden, waren jene, die sich das Video ansehen durften, entspannter, effektiver und ergebnisorientierter als jene, denen der Klick auf das Video untersagt war.

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