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Social Games : Blaue Monster für Facebook

  • -Aktualisiert am

Schön bunt: Grafiker des Spieleunternehmens Wooga zeichnen Figuren für neue Spiele Bild: Matthias Lüdecke / FAZ

Bunte Spiele sind der Renner auf Facebook. Das Geschäft mit den Social Games brummt, weil sich Trends schnell verbreiten. Experten erwarten für die kommenden Jahre Milliardenumsätze. Wooga aus Berlin ist der führende europäische Anbieter.

          Der Gärtner hat alle Hände voll zu tun: Er gräbt Beete um, sät, düngt Pflanzen und mäht den Rasen. Solche Szenen kennt man aus ganz Deutschland. Neu ist der Garten im Internet, mit einem dreiäugigen, blauen Monster als tüchtigem Gärtner: Herzlich willkommen in „Monster World“.

          Der Mann hinter der Hobbygärtnerei im Internet heißt Jens Begemann. Der 34-jährige Betriebswirt aus Ostwestfalen gründete im Januar 2009 das Spieleunternehmen Wooga, kurz für „world of gaming“. Bislang sind von Wooga vier Spiele erschienen, unter anderem die Gartensimulation Monster World. Gespielt wird in ständigem Kontakt zu Bekannten. Das Beziehungsgeflecht für das gemeinsame Spielerlebnis bietet das soziale Kontaktnetz Facebook.

          Solche Spiele auf Freundesbörsen im Internet liegen im Trend - „Social Gaming“ nennt sich die Beschäftigung. Sozial deshalb, weil Beziehungen den Kern des Spielerlebnisses bilden. Nutzer tauschen sich miteinander aus. In Monster World werden sie regelmäßig aufgefordert, den Garten von Bekannten zu bewässern oder gewonnene Punkte miteinander zu teilen.

          In den kommenden Jahren Millardenumsätze erwartet

          Das Konzept geht auf. Schon heute spielen weltweit 15 Millionen Menschen monatlich Spiele von Wooga. Damit ist das junge Berliner Unternehmen der erfolgreichste europäische Anbieter von Social Games und setzt zur Aufholjagd an auf die ganz großen Namen der Branche. Wie so oft kommen diese aus Amerika. Der größte Anbieter von Social Games heißt Zynga und verdient Millionen mit der Bauernhofsimulation Farmville. Zyngas neueste Kreation, das Städteplanspiel Cityville, brachte es in den 40 Tagen seit Markteinführung auf etwa 100 Millionen monatliche Nutzer.

          Das schnelle Wachstum wird durch das Beziehungsnetz auf Facebook befeuert. Spieler laden ihre Freunde per Mausklick zu dem Spiel ein, diese schleusen wiederum ihre Freunde ein, zum Teil innerhalb von Sekunden. Das nennt sich „virales Marketing“, weil sich neue Trends rasend schnell verbreiten. Wie Viren.

          Für die kommenden Jahre erwarten Experten Milliardenumsätze mit Social Games. Das lockte Jungunternehmer Begemann. Im Jahr 2009 kündigte er seinen Job bei Jamba, bekannt für nervige Werbespots und Klingelton-Abos, um Wooga zu gründen. Hierfür hat er sich in der Berliner Backfabrik eingemietet. Dort ist er in Gesellschaft. Denn auch der Facebook-Nachahmer StudiVZ, auf dem die Spiele ebenfalls laufen, residiert dort.

          „Innerhalb von 60 Sekunden schon ein Erfolgserlebnis“

          Woogas Spiele sind nicht aufwendig, dafür leicht verständlich und kurzweilig. „Man muss innerhalb der ersten 60 Sekunden schon ein Erfolgserlebnis haben“, sagt Begemann. Aus dem kurzen Zeitvertreib in der Kaffeepause wird so schnell eine Sucht. Wenn die Freunde im virtuellen Schrebergarten zu Besuch kommen, soll dieser schließlich etwas hermachen. Das kostet Zeit. Denn neue Pflanzenarten und Einrichtungsgegenstände wie zum Beispiel ein Springbrunnen oder ein schickes Gartenhäuschen müssen erst freigespielt werden. Wöchentlich entwickelt Wooga neue Extras. Man hat nie ausgespielt.

          Dieser Sucht verfallen übrigens nicht die blassen pubertierenden Jungs, die man aus Krimis als Zocker kennt. Begemann animiert die Leute zum Spielen, die keine Konsole besitzen und nicht täglich spielen. 70 Prozent seiner Nutzer sind weiblich, die meisten älter als der klassische Spieler, oft zwischen 35 und 45 Jahren. Das lohnt sich, da Berufstätige eher ein paar Euro für das Spielerlebnis ausgeben als Schüler und Studenten. Denn die Spiele werden zwar gratis angeboten, doch der Spielspaß bleibt nicht immer billig. Kostenlose Inhalte und zu bezahlende Elemente sind geschickt gemischt.

          Nur drei Prozent der Spieler greifen zur Kreditkarte

          Wer seinen Garten mit besonderen Einrichtungsgegenständen schmücken will, zahlt in Euro und Cent. Eine Hecke in Form des Eiffelturms kostet 3,27 Euro, ebenso viel die Fontäne mit Wasserfall. Bezahlt wird per Mausklick über Paypal oder Kreditkarte. Der Kassenschlager bei Wooga sind virtuelle Zauberstäbe. Für 18 Cent verzaubert man hiermit die frische Aussaat zu einer erntereifen Pflanze. Das spart Zeit, denn der Garten wächst bei Wooga zwar schneller als in der Realität, aber einige Gewächse brauchen immerhin noch acht Stunden zum Gedeihen.

          Die Ungeduld siegt allerdings nur selten: Nur drei Prozent der Spieler greifen zur Kreditkarte. Doch auch ein solch kleiner Teil von vielen Millionen Nutzern kann eine lohnende Klientel sein. Mark Zuckerberg, den Chef von Facebook, freut's, denn sein Unternehmen kassiert 30 Prozent des Umsatzes.

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