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Facebook : Verfolgt im Internet

  • -Aktualisiert am

Will immer mehr wissen: Facebooks neue Nutzungsbedingungen sorgen für Unmut Bild: dpa

Die neuen Nutzungsbedingungen bescheren Facebook so manchen Abschied. Allerdings: Bei kostenfreien Diensten ist der Nutzer das Produkt. Aufgeklärte Netzbürger sollten das wissen.

          Der Freitag war für manchen Facebook-Nutzer ein Tag des Abschieds, und zwar vom größten sozialen Netzwerk der Welt selbst. So verkündete der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, dass er sein Profil bei dem amerikanischen Dienst lösche. Facebook schere sich weder um deutsches noch um europäisches Recht, schrieb Schaar. Das könne er nicht akzeptieren. Auch weniger prominente Leute nutzten Facebook, um ihren dortigen Kontakten Lebewohl zu sagen. Er werde sich aus „diesem Umfeld“ verabschieden, schrieb einer: „Sich die Freiheit zu nehmen, alles, was ich im Internet besuche, zu verfolgen, geht mir zu weit.“

          Man muss die Konsequenz nicht teilen, aber die Analyse trifft den Punkt: Seit Freitag verfolgt Facebook so gut wie alles, was seine Nutzer tun. Seitdem gelten für die Mitglieder neue Nutzungs- und Datenschutzbedingungen des Unternehmens. Was das für die inzwischen 1,39 Milliarden Nutzer bedeutet, hätten sie schon seit dem vergangenen November wissen können. Damals kündigte Facebook an, seine Einflusssphäre ausweiten zu wollen.

          Großmacht im Werbegeschäft

          Der wichtigste Punkt: Facebook will nicht mehr nur alles wissen, was die Nutzer im Netzwerk freiwillig von sich geben; indem sie zum Beispiel bei Musikgruppen, Kinofilmen oder Unternehmen den „Gefällt mir“-Knopf drücken, Nachrichten teilen, Aufenthaltsorte preisgeben und Bilder hochladen. Facebook sammelt jetzt auch Informationen darüber, welche Seiten Nutzer außerhalb des unternehmenseigenen Silos im Netz aufsuchen oder welche Anwendungen auf ihren Smartphones oder Tabletrechnern laufen.

          Der Grund dafür ist einfach, Facebook macht auch gar keinen Hehl daraus: „Wir möchten, dass die Werbeanzeigen, die dir auf Facebook gezeigt werden, möglichst interessant und relevant für dich sind“, heißt es auf einer Informationsseite des Netzwerks. Trotzdem sollte sich jeder Facebook-Nutzer einen zweiten Satz dazu denken, der dann in etwa so lauten könnte: „Je interessanter und relevanter wir unsere Werbung für dich machen, desto mehr Umsatz und Gewinn erwirtschaften wir.“ Das haben auch die neuesten Geschäftszahlen gezeigt. Facebook ist inzwischen eine Großmacht im Werbegeschäft.

          Darin ist erst einmal nichts Schlechtes zu sehen. Denn nach wie vor gilt die abgewandelte Formel: Facebook ist ein Unternehmen, ist ein Unternehmen, ist ein Unternehmen. Zwar ist das Netzwerk in den Anfangstagen vor mehr als zehn Jahren mit der womöglich wohlmeinenden Mission gestartet, die Menschen miteinander zu verbinden. Doch spätestens seit dem Börsengang ist es in erster Linie sich selbst und seinen Aktionären verpflichtet. Und die wollen eben den maximal möglichen Geschäftserfolg sehen. Wer wollte ihnen das verübeln?

          Das bedeutet aber eben für die Nutzer, dass ein Satz mit Blick auf die neuen Nutzungsbedingungen von Facebook mehr denn je seine Berechtigung hat: Wo Dienste kostenlos sind, sind die Nutzer das Produkt, indem die Daten, die sie abgeben, für Werbung genutzt werden. Das gilt für Facebook genauso wie für die Suchmaschine Google oder den Kurznachrichtendienst Twitter. Aber es gilt auch für jeden anderen rein werbefinanzierten Dienst im Netz. Selbst wenn dieser Satz schon oft gesagt wurde, so sollten ihn die aufgeklärten Netzbürger des 21. Jahrhunderts immer im Hinterkopf behalten.

          Facebook lernt auch aus Ablehnung

          Doch obwohl Facebook bei weitem nicht das einzige Unternehmen ist, das diesem Geschäftsmodell nachgeht, ist es in der Verfolgung dieser Absichten wieder einmal ganz eigen. So hatten unter anderen deutsche Datenschützer Facebook gebeten, mit der Einführung der Netzverfolgung zu warten, bis einige offene Punkte geklärt seien. Das lehnte das Unternehmen ab. Auch deshalb überprüft der hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar gerade, ob er womöglich doch noch mit rechtlichen Mitteln gegen Facebook vorgehen wird. Dazu will er sich mit den für den Datenschutz Zuständigen in den anderen Ländern der Europäischen Union abstimmen.

          Bis es so weit ist, haben Facebook-Nutzer dennoch die Möglichkeit, zumindest etwas Einfluss auf die Verfolgung durch das Netzwerk zu nehmen. Denn auch das gehört zur Wahrheit dazu: Zusammen mit den neuen Nutzungsbedingungen hat Facebook einige wenige Möglichkeiten geschaffen, mit denen Nutzer Werbeanzeigen so manipulieren können, dass sie eine ganz bestimmte Werbung nicht mehr angezeigt bekommen. Allerdings sollte man dabei auch wissen, dass das Netzwerk aus Ablehnung ebenfalls lernt und seine Schlüsse zieht. Wer zum Beispiel im Winter Anzeigen für Skiurlaube ablehnt, dem könnte Facebook dann einfach eine Anzeige für einen Urlaub in Südafrika zeigen.

          Und natürlich gibt es immer noch die Möglichkeit, den Stecker zu ziehen, so wie es der ehemalige Datenschutzbeauftragte Schaar getan hat. Doch diese Entscheidung muss eben jeder für sich allein treffen. Facebook wird sie ihm schon aus Eigeninteresse sicher nicht abnehmen.

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