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Netzwirtschaft : Steigt China bei Facebook ein?

Auf Erfolgskurs: Facebook Bild: dapd

In China haben es viele westliche Internetangebote schwer. Auch Facebook ist in dem Land offiziell nicht erreichbar. Dennoch planen die Chinesen offenbar eine Beteiligung an dem amerikanischen Unternehmen.

          Das Online-Netzwerk Facebook zieht immer mehr Beachtung auf sich, steuert es inzwischen doch auf eine Nutzerzahl von rund 700 Millionen zu. In Deutschland haben sich an diesem Wochenende Innenminister darüber gestritten, ob sogenannte Facebook-Partys verboten werden sollen oder nicht. In Amerika interessieren sich die Anleger für die Frage, ob China in diesen Tagen tatsächlich versucht, Aktien von Facebook zu kaufen.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Dabei ist Facebook selbst noch gar nicht an der Börse. Wenn es im kommenden Jahr aber so weit ist, dürfte Facebook nach der Meinung von Wall- Street-Analysten mehr als 100 Milliarden Dollar wert sein. Zum Vergleich: Google wird an der Börse derzeit auch „nur“ mit knapp 170 Milliarden Dollar bewertet.

          Vor diesem Hintergrund relativieren sich einerseits die Meldungen zum Einstieg der Chinesen. Denn sie sind nach den Meldungen der Website „Business Insider“ lediglich am Erwerb von Aktien im Gegenwert von 1,2 Milliarden Dollar interessiert. Zudem seien die Papiere, die die Chinesen derzeit in Form ehemaliger Mitarbeiteraktien erwerben könnten, nicht mit Stimmrechten ausgestattet. Hinzu kommt, dass Aktionäre ohnehin keinen Einfluss in die Gestaltung und auf die Inhalte der Facebook-Website bekommen.

          Andererseits stellen sich amerikanische Medien angesichts dieser Meldungen und einer angeblichen Beratung der Chinesen durch die Citigroup in dieser Angelegenheit durchaus die Frage, ob es der chinesischen Führung nicht doch darum geht, zumindest Einblick in die Geschäftstätigkeit der aufstrebenden sozialen Netzwerke der Welt zu bekommen.

          Schwierigkeiten mit Facebook-Partys

          Bisher ist Facebook in China im Internet offiziell noch nicht einmal erreichbar - und Yahoo und Google haben in dem Land auch schon einige schlechte Erfahrungen gesammelt. Der Facebook-Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg war im vergangenen Dezember in China und wird vielleicht im September zu einem weiteren Besuch zurückkehren. Aber bisher bleiben die rund 460 Millionen Internetnutzer Chinas mit Blick auf Facebook außen vor. Auch innerhalb von Facebook gibt es angeblich Diskussionen darüber, wie weitreichend Kompromisse mit Blick auf einen möglichen Markteintritt in China sein dürfen. Besonders zurückhaltend in dieser Hinsicht ist dem Vernehmen nach Sheryl Sandberg, die bei Facebook als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft verantwortlich ist.

          Schwierigkeiten mit Facebook gibt es inzwischen auch in demokratischen Staatswesen, allerdings in einer völlig anderen Beziehung: Partys auf öffentlichen Plätzen, zu denen über Facebook eingeladen wird, haben inzwischen als sogenannte „Facebook-Partys“ Berühmtheit erlangt. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hatte am Wochenende einen Vorstoß für ein Verbot von Facebook-Partys gemacht, wenn diese die öffentliche Sicherheit gefährden.

          Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat sich aber gegen ein generelles Verbot der teilweise aus dem Ruder laufenden Partys ausgesprochen: „Ein Verbot bringt nichts. Wir fordern vielmehr, dass die Betreiber sozialer Netzwerke auf die Probleme solcher Partys hinweisen müssen“, sagte der niedersächsische GdP-Landeschef Dietmar Schilff. Nach seiner Meinung sollten die Betreiber direkt auf den Internetseiten kenntlich machen, dass die Einladenden auch die Verantwortung und Kosten der Partys zu tragen haben.

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