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Nach Facebook-Börsengang : Nasdaq-Chef Greifeld räumt Schwierigkeiten ein

  • -Aktualisiert am

„Das war nicht unsere beste Stunde“: Nasdaq-Chef Robert Greifeld Bild: AFP

Eigentlich sollte der Börsengang von Facebook die Nasdaq ein für alle mal als wichtigste Börse für neue Technologieunternehmen etablieren. Doch einiges ging dabei schief.

          3 Min.

          Am vergangenen Freitag um halb zehn war die Welt für Robert Greifeld noch in Ordnung. Der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Börsenkonzerns Nasdaq OMX stand links neben dem Internetwunderkind Mark Zuckerberg, lächelte und klatschte mit dem Gründer des großen sozialen Netzwerks um die Wette. Zuckerberg läutete umringt von Mitarbeitern die Eröffnungsglocke der elektronischen Börse, die ihre Kulisse extra für diesen Börsengang in der Facebook-Zentrale im kalifonischen Menlo Park aufgebaut hatte. Und weil es zwischen dem Silicon Valley und der Wall Street nicht nur einen Zeitunterschied gibt, hatte sich Greifeld für den großen Tag dem legeren Kleidungsstil der jungen Branche angepasst. Er ließ Anzug und Krawatte im Schrank und trug stattdessen ein graues T-Shirt.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Börsengang von Facebook, mit einem Volumen von 16 Milliarden Dollar ein Debüt der Superlative, war für Greifeld und die Nasdaq das wichtigste Prestigeprojekt der vergangenen Jahre. Es sollte die Nasdaq, die mit den größeren Erzrivalen Nyse Euronext einen bitteren Kampf um die Börsennotierung von jungen Aktiengesellschaften führt, ein für alle mal als wichtigste Börse für neue Technologieunternehmen etablieren. Zwar sind meisten amerikanischen Technologieriesen wie Apple oder Microsoft an der Nasdaq notiert. Aber der Wettbewerb mit der Wall-Street-Traditionsbörse Nyse ist scharf. Im vergangenen Jahr war es der Nyse unter anderem gelungen, das große Karrierenetzwerk Linkedin auf ihr Parkett zu holen.

          Börse hatte ihre Systeme im Vorfeld mehrfach getestet

          Die Demonstration einer Vormachtstellung bei Technologieaktien ist nun allerdings an eigenen technischen Problemen der Nasdaq gescheitert. Greifeld räumte am Sonntag Fehlfunktionen im Handelssystem ein, die die Verarbeitung stornierter Aufträge verzögert hatten. Der Handel von Millionen von Facebook-Aktien war davon betroffen. „Das war nicht unsere beste Stunde“, sagte Greifeld in einer Telefonkonferenz. Für den Chef einer elektronischen Börse ist ein derartiges Eingeständnis besonders demütigend. Denn solche Börsen sind nichts anderes als riesige Computersysteme, die Käufer und Verkäufer zusammenbringen. Greifelds eigene Karriere, die ihn 2003 an die Spitze der Nasdaq führte, unterstreicht die ausschlaggebende Bedeutung der Technologie für die Börsen. Greifeld war Manager beim Unternehmen Sungard gewesen, einem auf Finanzdienstleister spezialisierten Softwareanbieter. Und 1986, in seiner Abschlussarbeit für den MBA-Abschluß an der New York University, hatte er die damals kühne These aufgestellt, dass sich die Nasdaq vom Telefonhandel zum Computerhandel bewegen würde.

          Nach dem werbewirksamen Auftritt von Greifeld und Zuckerberg war am Freitag rasch klar geworden, dass der Börsengang nicht reibungslos verlaufen würde. Zunächst hatte sich der für 11 Uhr avisierte Eröffnungskurs von Facebook um eine halbe Stunde verzögert. Als die Aktien schließlich gehandelt wurden, erhielten viele Anleger stundenlang keine Bestätigung ihrer Aufträge. Die Verwirrung führte zum Rückzug von Großanlegern. Die Händler des Konsortionalführers Morgan Stanley, der für die Stützung des Aktienkurses verantwortlich war, hatten alle Hände voll zu tun, um den Kurs zu stabilisieren. Der Aktienkurs von Facebook schloss schließlich nur minimal über dem Ausgabepreis - ein enttäuschendes Resultat für ein seit Monaten an der Wall Street heiß erwartetes Börsendebüt. Am Montag sackten die Facebook-Titel im frühen Handel dann um mehr als 10 Prozent ab.

          Greifeld wies Spekulationen zurück, dass die technischen Probleme und die Verzögerungen die Kursentwicklung von Facebook beeinträchtigt haben. Der Kurs von Facebook habe mit anderen Aktien korreliert. „Eine vernünftige Person würde daraus schließen, dass es keinen Einfluss auf den Aktienkurs hatte“, sagte Greifeld, der die Probleme auf die Rekordumsätze mit Facebook-Aktien zurückführte. Die Börse, die ihre Systeme im Vorfeld des Börsengangs mehrfach getestet, hatte, hat nach eigenen Angaben mittlerweile verschiedene Anwendungen modifiziert, um solche Schwierigkeiten in Zukunft zu vermeiden.

          Das Facebook-Debüt war nicht das einzige Problem, mit dem Greifeld in den vergangenen anderthalb Jahren zu kämpfen hatte: Ein Nasdaq-Manager hatte sich des Insiderhandels schuldig bekannt. Die Börse musste Händlern 3 Millionen Dollar zurückerstatten, weil ein Handelssystem falsche Kurse gestellt hatte. Und schließlich untersagten die Kartellbehörden ihr die Übernahme der Nyse. Greifeld, ein Marathonläufer mit leidenschaftlichem Sinn für Wettbewerb, denkt dennoch nicht ans Aufgeben.

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