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Mark Zuckerbergs soziales Netz : Mister Facebook schlägt die Freundschaft aus

  • -Aktualisiert am

Filmszene: Eduardo Saverin (Andrew Garfield, links) und Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) mit Studienkollegen Bild: dapd

Nur durch Tricks und Gaunerei ist Mark Zuckerberg mit Facebook vorne dabei: Selbst enge Freunde legt er herein, um das Online-Netzwerk aufzubauen - so zeigt der Film „The Social Network“ die Gründung des Zehn-Milliarden-Konzerns.

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          Bis eben waren sie noch Freunde. Das dachte jedenfalls Eduardo Saverin. Nun lief er mitten durch das Facebook-Quartier, schrie „Mark“, nahm dessen Laptop und knallte ihn auf den Schreibtisch. Mark Zuckerberg regte sich nicht, er saß einfach nur daneben auf seinem Stuhl. Bis eben dachte Saverin, dass ihm immer noch fast ein Drittel des rasch wachsenden Internetunternehmens gehört. So hatte er es mit seinem Freund Zuckerberg vereinbart und ihm Geld gegeben, bevor sie das Online-Netzwerk im Februar 2004 starteten. Doch als er eben die Papiere las, die er unterschreiben sollte, war ihm klar, dass Zuckerberg nicht mehr sein Freund war: Saverin war hereingelegt worden, sein Anteil soll auf ein wenig mehr als null Prozent sinken.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nicht nur den Konflikt mit seinem ehemaligen Harvard-Kumpan Saverin hat der 26 Jahre alte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in Kauf genommen, um sein soziales Netzwerk mit mehr als einer halbe Milliarde Mitglieder aufzubauen. Das sahen gerade 220.000 deutsche Kinozuschauer im Spielfilm „The Social Network“, der an diesem Wochenende in Deutschland anlief. Der Facebook-Konzern wird mittlerweile mit zehn Milliarden Dollar bewertet und soll seit September 2009 profitabel sein (siehe Soziale Netzwerke vor der Gewinnschwelle). Der Spielfilm zeigt die Tricks und Gaunereien, mit denen der Lockenkopf Zuckerberg den Internetkonzern auf sich ausrichtet und reich wird.

          Kein Wunder, dass Facebook dem Film das Etikett „Fiktion“ verpasst (siehe Mark Zuckerberg: Die unautorisierte Version). Und sicherlich stimmt das zum Teil - wie wahr wird etwa der Sex auf einer Toilette sein, den Zuckerberg mit einem von Facebook begeisterten Mädchen hat? Dennoch hat der Film keine geringe Grundlage: Er basiert auf dem Buch „Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook, eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug“. Dessen Autor Ben Mezrich wird für den Roman widersprüchliches geordnet und sich manches zusammengereimt haben. Doch er hat wie für ein Sachbuch recherchiert und mit Ausnahme Zuckerbergs mit vielen Zeugen der Facebook-Geschichte gesprochen: Zuckerberg hat so viel verbrannte Erde hinterlassen, dass viele ihm zumindest ehemals nahe stehenden Menschen Interna ausplaudern. Mezrich lässt seine Quellen anonym, doch hatte er etwa Kontakt zum Mitgründer Eduardo Saverin. Das Buch wirft noch mehr als der Film ein schlechtes Licht auf Zuckerberg.

          Mark Zuckerberg im Facebook-Quartier in Palo Alto

          Ein kluger, kauziger Eigenbrötler

          Regisseur David Fincher („Fight Club“) und Drehbuchautor Aaron Sorkin („The West Wing“) haben Mezrichs Recherchen weiter verdichtet, Abläufe komprimiert, Orte gewechselt und Szenen ergänzt - wie es Hollywood braucht. Dennoch scheint der Film auf vielen wahren Begebenheiten zu basieren. Bislang hat Facebook weder gegen das Buch noch gegen den Film geklagt. Das Motto des Films, der in bislang zehn Tagen mehr als 46 Millionen Dollar einspielte: „Du kannst nicht 500 Millionen Freunde haben, ohne dir ein paar Feinde zu machen.“

          Wer ihn sieht, wird daran zweifeln, ob Zuckerberg überhaupt Freunde hat oder haben will. So wie ihn Jesse Eisenberg darstellt, ist der Facebook-Chef ein kluger, kauziger Eigenbrötler, ein autistischer Streber, den die Folgen seiner Taten nicht interessieren, der ohne das geringste Unrechtsbewusstsein geistiges Eigentum klaut und in die Privatsphäre anderer eindringt -damit wird sich jeder Facebook-Nutzer fragen, wem er seine Daten, Fotos und Termine eigentlich anvertraut (siehe Video-Filmkritik: „The Social Network“).

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