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Mark Zuckerberg : Facebooks Super-Psychologe

Mark Zuckerbergs Gesicht, von der chinesischen Künstlerin Zhu Jia zusammengesetzt aus Fotos von vielen Gesichtern. Bild: dpa

Am Dienstag wird Facebook zehn Jahre alt. Sein Geheimnis: Firmengründer Mark Zuckerberg hat die Menschen durchschaut. Und bringt sie zu Dingen, über die sie hinterher selbst erschrecken.

          Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg noch jünger war und noch bei seinen Eltern lebte, da wettete er einmal, dass er seine Schwester in fünf Sekunden zu sich bringen könnte. Er schickte ihr übers Hausnetzwerk eine Nachricht auf ihren Computer-Bildschirm: „Dieser Computer zerstört sich in fünf Sekunden selbst.“ Und gewann seine Wette.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn Facebook in diesen Tagen seinen zehnten Geburtstag feiern kann und an der Börse mit 150 Milliarden Dollar bewertet wird – dann liegt das nicht nur daran, dass Mark Zuckerberg ein guter Entwickler ist. Sondern auch daran, dass er gut gelernt hat, wie andere Menschen ticken.

          Das liegt nicht auf der Hand. Seit dem Film „The Social Network“ gilt Zuckerberg als sozial gehandicapter Nerd, der mit Menschen überhaupt nicht umgehen kann. Doch an diesem Bild zweifeln viele, die ihn kennen – und Menschen zu analysieren so wie in der Computer-Geschichte aus dem amerikanischen „Time Magazine“, ist noch mal eine andere Kategorie. Schon in Harvard studierte Zuckerberg nicht nur Informatik, sondern auch Psychologie. Das Studium hat er abgebrochen – trotzdem ist er weltweit der einzige Psychologe, der aus seinen Erfahrungen bisher mehr als 20 Milliarden Dollar Umsatz gemacht hat.

          Zuckerberg war es, der wie kein anderer in den Jahren um 2004 erkannt hat, dass das Internet persönlicher werden musste. Und er hat mehr als eine Milliarde Menschen zu einem Verhalten gebracht, über das sie hinterher zuweilen selbst erschrecken.

          Betrunken Fotos posten, den Ex-Freund stalken

          Betrunken Fotos posten, den Ex-Freund stalken, intime Geschichten beichten: All das haben die Leute plötzlich auch im Internet gemacht, als sie Facebook zur Verfügung hatten. Zuckerberg dagegen hatte schon Erfahrung damit, was Menschen im Internet alles tun. Vor Facebook hatte er „Facemash“ entwickelt, eine Webseite, auf der Harvard-Studenten sich gegenseitig nach Schönheit ranken konnten. Obwohl er den Link nur wenigen Freunden schickte, hatte Facemash innerhalb von ein paar Stunden 450 Nutzer, wie Buchautor David Kirkpatrick beschreibt.

          Selbst das war erst Zuckerbergs zweiter Streich. Gleich in seiner ersten Woche in Harvard hatte er eine Webseite online gestellt, mit der die Studenten ihre Kurse wählen konnten - und zwar so, dass sie bestimmte andere Studenten trafen, zum Beispiel den hübschen Jungen aus dem Geometrie-Kurs. Nichts davon würde jemand offen zugeben, aber die Webseiten hatten Erfolg.

          In einem aber verschätzte sich der rationale Analytiker Zuckerberg immer wieder: Wie leicht andere Menschen später bereuen, was sie getan haben. Immer wieder kreisten Facebook-Probleme um diese Frage: Ganz zu Beginn der Facebook-Geschichte, als Facebook begann, die Änderungen in den Profilen der Freunde in einer Liste zusammenzustellen – der „Newsfeed“, heute Zentrum der Seite, machte diese Änderungen plötzlich für jeden transparent. Später änderte Facebook die Nutzer-Seite so, dass sie mehr ältere Einträge zeigte, und handelte sich auch damit Ärger ein. Jedes Mal lernte Zuckerberg schnell genug, um umzusteuern.

          Inzwischen aber haben Millionen von Menschen schon bereut, was sie auf Facebook getan haben. Millionen Teenager finden andere Webseiten spannender – in entwickelten Regionen wie Nordamerika und Europa wächst Facebooks Nutzerschaft kaum noch. Facebooks Zukunft wird davon abhängen, dass Mark Zuckerberg auch die nächsten Wünsche seiner Nutzer erahnen kann, bevor sie sie selbst zugeben.

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